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Im Himmel ist es unfassbar still! Mit jedem Meter, den unser Ballon aufsteigt, entfliehen wir den Geräuschen des Alltags. Keine Autos, keine Handys, kein Baulärm, keine Musik. Nur das leise Glockengebimmel einer Viehherde schafft es irgendwie, zu uns vorzudringen. In 500 Metern Höhe fühlt man sich wie in einer anderen Welt.

Erst das durchdringende Zischen des Brenners holt einen wieder in die Realität zurück. Und die besteht aus einem Weidenkorb, in dem sieben Menschen auf einem zehn Zentimeter dicken Holzboden stehen, und einer 20 Meter hohen, mit heißer Luft gefüllten Stoffhülle, die uns oben hält. Noch vor zehn Minuten haben wir mehr oder weniger sorgenvoll auf den schlaffen Ballon geschaut, der als langer Schlauch ausgebreitet auf der Wiese lag. Aber mittlerweile ist die Aufregung des Starts von uns abgefallen. Die drei Pärchen, die mit ihrem Piloten über Cala Rajada aufsteigen, genießen es, frei schwebend den Wolken ein Stück näher zu sein.

Es geht los

Ein Großteil ihres Sicherheitsgefühls mag daher kommen, dass sie als Passagiere von Anfang an in die Vorbereitungen einbezogen werden. Flugchef Jordi Aracil Romero erklärt den Teilnehmern gleich bei der Begrüßung, was sie in der nächsten Stunde erwartet: dass die Ballone in der Luft nicht ruckeln, sondern ruhig fahren, dass es beim Einsteigen schnell gehen muss, damit das Gewicht der Passagiere den Korb bis zum Start am Boden hält, und dass es bei der Landung mitunter etwas ruppig zugehen kann. „Wir starten nur bei Windstille“, erklärt Jordi, „ganz früh am Morgen oder wie jetzt zum Sonnenuntergang. Wind und Thermik können wir beim Ballonfahren nicht gebrauchen. Eine Brise vom Meer mit 25 Kilometer pro Stunde ist für einen Ballon schon zu viel.“ Große Ventilatoren blasen die schlaffen Hüllen innerhalb weniger Minuten auf. Dann werden die Brenner angeworfen, die erwärmte Luft steigt auf und der Ballon erhebt sich, bis er senkrecht über dem Korb steht. Der ist zwar angebunden, aber beim Einsteigen wird es kurzfristig hektisch. Es ist mehr ein Hineinklettern, denn über die zwei Öffnungen an der Seite, die als Stufen dienen, schwingt man sich nur mäßig elegant über die hohe Bordwand ins Innere. Der Moment, wenn die Leinen gelöst werden und der Ballon in die Höhe schwebt, wirkt schon wie eine kleine Erleichterung. Die erste Hürde ist genommen.

Wie alles begann
Unten machen sich die Fahrer der Pickups bereit, uns zu folgen, um uns später an anderer Stelle wieder einzusammeln. „Ein Ballon landet ja niemals dort, wo er startet. Er fährt mit dem Wind und lässt sich nicht wirklich steuern“, erklärt Jordi. Um auf die Fahrtrichtung Einfluss zu nehmen, nutzen die Piloten die verschiedenen Windrichtungen und -geschwindigkeiten in unterschiedlichen Höhen aus. Jordi ist seit 30 Jahren im Geschäft. Er und sein Bruder haben 1989 die Ballonfahrten auf Mallorca etabliert. Als Ballonführer braucht man eine Balloon Pilot Licence. „Logisch, wir sind ja Teil des Luftverkehrs und müssen uns genau so auskennen und an Regeln halten wie Flugzeugpiloten.“ Auf Mallorca dürfen Ballone 500 Meter hoch steigen, aber sie schaffen durchaus mehr. „Bis zu 15.000 Meter“, bestätigt Jordi. „Wenn wir Alpenfahrten machen, gehen wir manchmal bis 6.000 Meter hoch. Natürlich mit anderer Ausrüstung.“ Da würden die zwei Gasflaschen nicht ausreichen, die wir hier an Bord haben.

Magie des Himmels

Von Zeit zu Zeit wirft unser Pilot den Brenner an, damit der Ballon die Höhe hält. Er checkt immer wieder die meteorologischen Daten und betätigt sich als Reiseführer, denn für Laien ist die Orientierung aus der Luft ziemlich schwierig. Die weißen Häuser an der Bucht von Cala Millor sind noch leicht zu erkennen, aber dort hinten, die von Feldern bunt gefleckte Landschaft? Son Carrió, erklärt Jordi. Der Blick von oben ist atemberaubend schön. Die blaue Linie der Küste und die Berge am Horizont, die sich in einen zarten Hitzeschleier gehüllt haben, geben die perfekte Kulisse für eine romantische Ballonfahrt ab. Unten kommt jetzt Sant Llorenç in Sicht und es ist Zeit für ein Glas Sekt aus der „Hausbar“. So eine private Atmosphäre ist nur mit einer geringen Anzahl von Passagieren möglich. „Es gibt auch Körbe für mehr als zehn Personen, aber die nutzen wir nicht, ansonsten fühlt man sich ja wie in einem Bus hier oben.“

Die Landung
Die Sonne färbt sich langsam rötlich. Jordi lässt unseren Ballon sinken. Im Abstand von wenigen Metern schweben wir über Bauernhöfe und Ferienfincas hinweg, wo Leute im Pool baden oder gerade den Grill anwerfen. Wir sind jetzt so tief, dass wir uns mit ihnen problemlos unterhalten können. „Dort hinten auf dem letzten Feld gehen wir runter“, kündigt Jordi an. Das bedeutet, so wie wir es bei der Einführung gelernt haben, Handys wegstecken und an den grünen Schlaufen im Inneren des Korbes festhalten. Denn die Landung wird in der Tat holprig. Der Korb stößt unsanft auf dem Boden auf, erhebt sich wieder, um noch zwei Mal rumpelnd das unebene Gelände zu berühren, bis er endlich still und aufrecht steht. Auch der Pickup kommt jetzt über den Acker gerumpelt. Alle packen mit an, um die Ballonhülle zusammen zu falten und in die große Tasche zu stopfen. Es ist, als würde man eine riesige Luftmatratze verpacken. Fünf Leute braucht es, um den prall gefüllten Sack und den Korb wieder auf die Ladefläche zu hieven. Als Belohnung gibt es zum Abschluss noch ein Zertifikat: „Hiermit wird beurkundet, dass … erfolgreich eine Ballonfahrt mit Illes Balears Ballooning absolviert hat und mit entsprechenden Ehren und nach alter Ballonfahrertradition getauft wurde.“ Das Taufwasser war dann wohl der Sekt.

Leiter und Chaefpilot Jordi Aracin Romero im Co.Net-Ballon.

Der Beginn der Ballonfahrt
Den Schritt zum praktisch nutzbaren Luftfahrzeug leisteten die Gebrüder Montgolfier, die als Erfinder des Heißluftballons gelten. Deren erster unbemannter Ballon erhob sich am 4. Juni 1783 in die Lüfte. Die zweite Fahrt fand am 19. September desselben Jahres in Versailles mit drei Passagieren an Bord statt: einem Hahn, einer Ente und einem Hammel. Die Ballone schwebten damals wie Schiffe im Luftmeer, ihre Navigation funktionierte ähnlich wie bei der Schifffahrt. Ergo wurden Navigationsoffiziere der Marine als Luftschiffer übernommen und mit der Ausbildung von Ballonfahrern betraut. Fahrer, nicht Flieger. Denn auch die Marinesprache fand Anwendung auf die Welt der fliegenden Fortbewegung – die ja bis heute Luftfahrt heißt. (Quelle: ballonmuseum.de)
Buchungen www.ibballooning.net
Tel.: 607 647 647 160 € p.P., bis 12 Jahre 90 €
(Kinder ab 5 Jahren dürfen mitfliegen)
Christiane Sternberg Fotos: Marcos Gittis

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