Albert Pinya: Facing it

Er ist bestrebt, das „Unentdeckte zu entdecken“, beginnend bei sich selber. Der Künstler Albert Pinya nimmt gerne Herausforderungen an, die ihn konfrontieren, immer auf der Suche nach einer Wahrheit, die sich beweglich äußert und ihm im Alltag die Dynamik verleiht, mit der er imaginäre Szenarien voller Figuren und voller Farben kreiert.

Kunst-Manifeste
Mit geschriebener Bildsprache, der Ikonographie, stellt sich Pinya Thematiken, die mit Mut und Angstüberwindung, positivem Ansporn und kritischem Denken zu tun haben. Innovativ, nach neuen Stilmitteln suchend, bewegt er sich intuitiv darauf zu. 

Kleine Manifeste findet man auf Leinwand, auf Keramik, an Wänden oder auf Skulpturen. Es sind einfach formulierte Phrasen wie, „The Time Is Now“, „ Never Give Up“, „Don´t Worry Nothing Will Happen“, „Holy Place Please Silence“, die sich in seinen Bildkompositionen auf das Objekt beziehen. 

Seine Werke sind farbenfroh, fröhlich, fast kindlich-naiv anmutend und haben trotz der stetigen Auseinandersetzung mit dem Thema Angst, viel Kraft, Energie und Ästhetik. Vielleicht ist es das Spielerische in Verbindung mit den Botschaften im Bild, die Spaß zur tieferen Betrachtung auslösen, wenn da steht „bist du glücklich?“. Er hat einen eigenen unverkennbaren „NewPinyaPop-AlbertComic-RealityStil“ entwickelt, hier kann er seine Sorgen und Bedenken ausdrücken und seiner Ironie freien Lauf lassen. Er liebt es Menschen zu beobachten und zu studieren und bemüht sich das menschliche Verhalten und seine Moral zu hinterfragen. Ein Versuch, um das Hier und Jetzt stetig neu zu definieren. Ob durch Installationen, Performance, Sounds, Zeichnungen, Skulpturen, Malerei – immer sucht Pinya nach neuen Wegen der Kommunikation. 

Kooperationen, Ausstellungen
Gerne geht er Kooperationen mit anderen Disziplinen in der Kunst ein. In der Musik mit dem bekannten Flamenco-Musiker Niño de Elche, z.B. zu seiner Installation 2021 in der Kirche des Klosters Sant Domingo in Pollença. Für den katalanischen Musiker Joan Miquel Oliver illustrierte er etliche Alben und übernahm die komplette Gestaltung des visuellen Teils der Publikation seines experimentellen Albums „Aventures de la nota La“. Pinya selbst arbeitet auch gerne als DJ. Mit den international bekannten majorquinischen Malern Rafa Forteza und Pep Girbent stellte er zusammen aus. Der Filmregisseur Antoni Aloy und die Dichter Àngel Terron, Jaume C. Pons Alorda, Jaume Munar, Emili Sánchez Rubio und Pau Vadell sind weitere Namen die er erwähnt.

Aktuell kann man die Ausstellung “Cámara de combustión“ („Brennkammer“) in Kollaboration mit dem Keramiker Joan Pere Català Roig im Museum für moderne und zeitgenössische Kunst Es Baluard in Palma sehen. In dieser Installation schließen sich beide Künstler durch Lehm, Farbe und Bildsprache zu skulpturalen Werken zusammen, die an Totem erinnern. Sie erstellen Botschaft in Zeiten der „Technobarbarei“, die durch die digitale Revolution einhergeht, und fordern auf, zurückzuschauen auf Werte in der Tradition von Herstellung, Identität, Einzigartigkeit und der Notwendigkeit sie lebendig zu halten.

Wenn man Pinyas Wandmalereien beim Essen auf einer wunderbaren Gartenterrasse bewundern will, geht man in das charmante und renommierte Restaurant „Ca Na Toneta“ (Calle Horitzó 21, in Caimari. Bekannt ist das Lokal mit Maria Solivellas als Chefköchin für anspruchsvolle Küche auf mallorquinischer Basis, vorzugsweise gekocht mit Bio-Produkten teils aus dem eigenen Garten. Hier ziert Albert Pinyas Werk die Terrassenwände.

Der gefeierte Künstler 
Lokal, national und international hat er, neben international dotierten Preisen, in den letzten Jahren in vielen Museen und anderen Institutionen ausgestellt. Portugal, Deutschland, Italien, Finnland, Philippinen, Chicago und New York, China … und Indien, wo er 2020 eingeladen wurde in Zusammenarbeit mit der Vicente Ferrer Foundation im Rahmen des “Mata ombres-Projekts” ein Wandbild zu malen, für eine Schule der „ländlichen und ärmsten Gegend in Anantapur”, wie Pinya erzählt,  deren Kinder unter Zerebralparese (Hirnschädigung, Lähmung) leiden. „Es war schockierend, schön und traurig zugleich, diese Erfahrung zu machen. Wie können diese Kinder lächeln und mit den wenigen Ressourcen überleben?“

Pinyas Laufbahn
Als Sohn mallorquinischer Eltern wuchs er in Palma auf, sein Vater hatte einen kleinen Souvenir-Laden in der Stadt und bis vor kurzem hatte er seine Kunstwerkstatt (er nannte sie „Laboratorio Pinya“ oder „Fin del Mundo“) im Hause seines Vaters, den er bis zu seinem Tode pflegte. Sein Vater war ein moderner Mann, der es Albert ermöglichte, mit 17 Jahren auf ein Internat nach Valencia zu gehen. Das war die beste Zeit des jungen rebellischen Albert Pinyas, der sich selber als unschuldiges Kind, Poeten und Maler beschreibt, aber in der Schule belächelt wurde. “Ich war einfach anders als die anderen“, sagt er. „Im Internat wurde ich in Poesie und Kunst unterrichtet. Ich konnte meine Flügel öffnen und durfte endlich individuell sein. Dort begann eine Transformation, ein neues Bewußtsein“. Danach ging er auf die Kunsthochschule in Valencia, blieb aber nur ein Jahr. Als Autodidakt ging er seinen Weg alleine weiter. Er wollte noch Kunstgeschichte studieren, aber lächelnd meint er:  „Ich hörte auf Geschichte zu studieren, um Geschichte zu machen“.

Er jobbte in der Gastronomie, lebte im Haus des Vaters, begann künstlerisch zu  experimentieren, besuchte viele Ausstellungen und las viel. Im „Piel de Gallina“, einem subkulturellen Vintage Mode Shop, trafen sich zu seiner Zeit viele lokale Künstler, die dort ausstellten. Hier bekam Pinya sein erstes Angebot Recycle-Taschen zu bemalen, später bemalte er dann den ganzen Laden. Es folgten mehr Ausstellungen (Pere Garau, Kunstnacht Palma) und Aufträge zu Illustrationen auf Postern, Zeitungen, Büchern. Für das DP Magazin machte er Illustrationen, im „Cultura Club“ malte er die Konzertsäle an. Er wurde immer sichtbarer. Der große italienische Kollektionist Emilio Bordoli wurde 2007 bei einem Besuch im „Piel de Gallina” auf Pinya aufmerksam, kaufte 12 seiner Bilder auf und machte ihn in Italien bekannt. Er wurde zum Lago Como gerufen vom größten Kunsthistoriker und Kritiker Italiens, Achille Bonito Oliva, der mit seinem Buchwerk 1980 „La Transavanguardia Italiana“ eine große Welle in der Avantgarde schlug bis hin zu europäischen Künstlern, beispielsweise die „Neuen Wilden“ in Deutschland und die „Figuration Libre“ in Frankreich. In Albert Pinya sah er einen aufstrebenden Künstler mit Zukunftsgarantie. Bonito Oliva wählt Albert Pinya für eine Gruppenausstellung der verspielten Avantgardisten aus und Pinya teilt sich die Ausstellung mit Werken von Dalí, Duchamp und Manzoni. Die Ausstellung reiste ab da durch Italien und machte Albert Pinya in Italien bekannt. Das MAC Museum in Lissone kaufte ein Werk von ihm, wo er schon jetzt verewigt ist.

Aktueller Tipp: Noch bis zum 9. Oktober kann man die Ausstellung „Cámara de combustión“ im Es Baluard in Palma sehen (Pl. de la Porta de Santa Catalina, 10).

Kontakt:
www.albertpinya.com 

Nermin Goenenc und Roman Hillmann
Fotos: Roman Hillmann, Archiv Albert Pinya

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