Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Haare ab für den guten Zweck

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Das Mallorca-Chapter der Barber Angels Brotherhood führte eine tolle, emotionsgeladene und erfolgreiche Aktion am 22. September im Palma-Viertel Son Gotleu durch

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Haare schneiden. Das klingt erst einmal nicht spektakulär, geradezu normal. Aber ehrlich: Wie teuer ist heutzutage ein Friseurbesuch? Wenn man bedenkt, dass Haare bei reichen Menschen, normal verdienenden Menschen und armen Menschen gleich schnell wachsen, wird man bald verstehen, dass ein Friseurbesuch für einen bedürftigen, gar obdachlosen Menschen zu den luxuriösen Dingen des Lebens zählt, die er sich nicht oder nur kaum gönnt oder gönnen kann.

 

Aus einer Idee wurde ein aktiver Verein

Und hier kommt Claus Niedermaier ins Spiel. Der Figaro aus Biberach war angesichts einer Sozial-Reportage über Obdachlose in München, die er im Fernsehen gesehen hatte, zu dem Entschluss gekommen, zu helfen. Doch wie? “Mein Handwerk als Friseur sind Kamm und Schere, und so dachte ich mir, genau damit werde ich helfen.” Der Gedanke wurde flugs umgesetzt, Freunde motiviert und er begann mit den Barber Angels Brotherhood im November 2016. Ein Jahr später startete der eingetragene Verein, mittlerweile sind es rund 200 Mitglieder in verschiedenen Ländern. Haupt-Aktionsgebiet ist Deutschland, aber auch Österreich, Schweiz, Holland und nun Spanien.

Ihr Ziel: Bedürftigen und Obdachlosen samt ihren Kindern einen Haarschnitt zu schenken. Und damit das Ganze noch runder wird, ist für die Damen auch ein leichtes Tages-Makeup inklusive. “Wir wollen ihnen damit ein wenig Würde, Selbstvertrauen und Selbstachtung zurückgeben. Damit sie sich wohl fühlen und nicht schon von ́außen` in eine Schublade gesteckt werden.” Der erste Eindruck ist immerhin immens wichtig. Nicht nur im menschlichen Miteinander, aber vor allem auch bei Arbeits- und Wohnungssuche.

Haare ab auf Mallorca

Am Samstag, den 22. September war es auf Mallorca auch soweit. Nach einem ersten kleineren Testlauf Anfang Juni wurde es Ernst. Rund 50 Friseure waren eingeflogen aus Deutschland und Holland, dazu die (bislang) kleine Schar
an Mallorca-Friseuren, um in Son Gotleu in Palma, einem sozialen Brennpunkt-Viertel mit internationalen Bewohnern, ihren Charity-Event der besonderen Art zu starten, unterstützt von den beiden Gruppierungen SOS Mamas und SI Mallorca sowie 25 Helfern. Und auch unterstützt vom Hotel Horizonte von Besitzer Andreu Llabres, wo die Friseure günstig wohnten. Weitere Sponsoren waren ebenfalls gefunden worden wie z.B. Michael Heller von Air- port Parking, der das Catering mit Sandwichs und Kuchen übernahm, Mundi Culinario, die das Obst beisteuerten und die Fotografen Jean-Paul Assandri und Lars Knoch, die den Event für die Nachwelt festhielten.

Über 600 Personen hatten sich angemeldet. “Man hatte ja schon so einiges über dieses Viertel gehört, aber wir wurden eines Besseren belehrt: Wir wurden herzlich aufgenommen, es herrschte eine friedliche, freundliche und fröhliche Atmosphäre. Und wenn man sich auf Grund von Sprachproblemen nicht verstanden hat, so gab es Übersetzungshelfer oder wir haben halt mit Händen und Füßen kommuniziert,” erzählt Markus Schmitt, der Chef vom Friseurgeschäft Cut for Cut in Cala Millor, der die Mallorca- Gruppe gegründet hat (www.cutforcut-mallorca.com).

Die Friseure in Rocker-Optik

Die Optik der Friseure ist auf den ersten Bick gewöhnungsbedürfitg: Alle tragen Rockerkluft, d.h. schwarze Lederklei- dung und sie organisieren sich – wie Rocker – in Chaptern. “Aber damit wollen wir denjenigen, denen wir helfen, ein wenig die Schwellenangst nehmen. Also nicht als schicke Friseure kommen, sondern als lässige Barber Angels.” Heike Hagedorn von
der Hilfe SOS Mamas erzählte von zwei Fällen, die sie sehr bewegt hatte. Einmal bedankte sich ein junges Mädchen für die “Verwandlung”, weil sie nun endlich anständige Passfotos für ihre Bewerbung machen könne. “Damit geben wir eine kleine Hilfe für den Start ins Berufsleben, das ist toll.” Und als zweites erzählte sie die Geschichte von einem älteren Mann im Rollstuhl mit zwei amputierten Beinen, der von seiner Enkelin begleitet wurde. Er konnte
es garnicht fassen, dass das Ganze umsonst sei und fragte immer, wie er das bezahlen solle, weil er doch kein Geld hätte. Seine Enkelin meinte nur “Sing ihnen doch etwas vor” und er sang, umstanden von den an- deren, wurde beklatscht und musste Zugaben geben. “Und er war froh, dass er so auf seine Artetwas zurückgeben konnte”, wie Hagedorn meint.

Es geht weiter

Das war erst der Anfang auf Mallorca. Markus Schmitt sucht weitere Mitstreiter, auch um ein Hauptanliegen weiter fortzuführen: “Wir wollen dort, wo wir einmal waren, auch nach zwei bis drei Monaten zurückkehren, damit die Menschen regelmäßig einen korrekten Haarschnitt bekommen und zeigen, dass unsere Aktion keine Eintagsfliege ist. Und wir wollen immer wieder neuen Leuten Gutes tun – des- halb benötigen wir noch weitere Friseure und die sogenannten Orga Angels, die uns zuarbeiten, übersetzen und sich um die Leute kümmern. Wer einmal dabei war und sieht und spürt, wie man mit einem Haarschnitt und etwas Zuwendung Menschen glücklich machen kann, der ist so begeistert, dass er dabei bleibt.”

Infos: www.b-a-b.club
Claus Niedermaier (links) und Markus Schmitt

 

 

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