Es gibt sie, die Wunderkinder, das wissen wir und manchmal werden sie auch entdeckt – so wie Antón Cortés Marín. Als seine Mutter Maríangeles neben einem Müllcontainer ein verlassenes Keyboard sah, nahm sie es mit nach Hause und gab es ihrem Sohn, damals 8 Jahre alt. Das war der Auslöser einer großen Leidenschaft. Auf der Suche nach Pianisten hörte der kleine Antón auf Youtube Wolfgang Amadeus Mozarts Klaviersonate Nr. 11, den Türken-Marsch. Er nahm das Keyboard und spielte das, was er hörte, nach. Sein Vater Santos, der sehr überrascht war, rief seinen musikalischen Bruder zurate. Als er Antón zuhörte, war ihm direkt klar, dass er ein Naturtalent vor sich hatte.

Antón, der Paco de Lucia am Klavier
Jetzt ist er 12 Jahre alt, er liebt die Klassik und den Flamenco gleichermaßen. Seine großen Meister in der Klassik sind Mozart, Chopin, Debussy. Da er aus einer Gitano-Familie stammt, hat er von klein auf auch Flamenco gehört. Er verehrt den leider viel zu früh 1992 mit 41 Jahren verstorbenen Sänger Camarón de la Isla und fühlt sich tief zu dem Flamenco-Gitarristen Paco de Lucía (gestorben 2014) hingezogen. Antón adaptiert deren Musik für das Klavier. Dafür entwickelt er seinen eigenen Klang und eine eigene Technik. „Ich will Flamenco Pianist sein“, sagt er. Ende 2018 spielte er im Fernsehsender Tele5, wo er als mallorquinischer Mozart vorgestellt wurde, das Stück „Orobroy“ von David Peña Dorantes, zum großen Erstaunen des Publikums. Bei der dritten Ausgabe des Festivals „Films Infest 2019“ begleitete er am Piano die mexikanische Schauspielerin und Sängerin Laura Zapata und der Gründer und Regisseur Antoni Caimari Caldés verlieh ihm den „Nachwuchspreis“. Antoni Caimari ist sein Mentor, er unterstützt ihn und die Familie bei den Schritten, die es zu entscheiden und zu gehen gilt, und schützt die Interessen mit seiner Assoziation, die er für Künstler gegründet hat.

Bei „Films Infest 2019“ begleitete er am Piano die mexikanische Schauspielerin und Sängerin Laura Zapata

Familie und Kindheit
Die Väter und Mütter der Familie Cortés gehörten noch zum sogenannten fahrenden Volk. Viele Generationen haben den Flamenco weitergegeben. Darin liegt die Authentizität des Flamencos und das ist die Basis für das Klavierspiel von Antón Cortés. Seine Eltern und seine zwei Geschwister gehen sehr feinfühlig mit ihm um und schauen darauf, dass er wie ein normales Kind spielt und Freundschaften pflegt. Sein Vater will, dass er so wenig wie möglich überfordert wird und schützt seine Kindheit. Er soll in Ruhe mit der Musik wachsen,
ohne dass es für seinen Sohn in Stress ausartet. Denn es ist ihm sehr wichtig, dass der Codex der Familie beibehalten wird: Respekt, Ehrlichkeit, Verzeihen und in Liebe zueinander stehen. Nicht der Ruhm steht im Vordergrund, sondern sein Wohlbehalten und seine ganz normale Entwicklung – in seinem eigenen Tempo. Antón wird sicher ein großer Pianist werden, aber alles zu seiner Zeit. Antón selbst steht nicht so gerne im Fokus der Öffentlichkeit. Am liebsten sitzt er am Klavier und komponiert sogar schon ein wenig. Sein Ziel: weiter Pianist zu sein und die Flamenco-Musik weitergeben. Dafür schlägt sein noch junges Herz, das ist seine Mission.
Facebook: Antón Cortés Pianista
http://cineart.es Antoni Caimari Caldés, pcineart@gmail.com
Nermin Goenenc, Roman Hillmann. Fotos: Roman Hillmann, Familie Cortés

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