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Die Inselbewohner und alle Besucher der MallorcaHauptstadt kennen sie, „La Seu“, wie sie im Volksmund genannt wird, die majestätische Kathedrale von Palma de Mallorca. Nicht nur von außen sondern auch von innen ist der Anblick des Bischofssitzes ein sehr prachtvoller.

Doch wie sieht es wohl von ganz oben aus?
Bis zum Jahr 2016 konnte man es sich nur vorstellen wie traumhaft der Blick von ganz oben sein muss, nun kann sich jeder an der fürstlichen Aussicht erfreuen. Der Treffpunkt für die Besichtigung der Terrassen und des Daches ist die Seitentür Almoina, deren Name Almosen bedeutet. Von da an geht es über eine steile und schmale Wendeltreppe zu der ersten Zwischenstation, einem Raum, der im 16. Jahrhundert zum Schutz der Kirchenasylsuchenden genutzt wurde. Noch heute erzeugt diese Räumlichkeit bei den Besuchern ein beklemmendes Gefühl, die Angst aber auch die Hoffnung der Asylbedürftigen spiegelt sich in deren verblassten Malereien auf den Wänden wieder.

Weiter geht es über die selbe Treppe in den Glockenturm. Die Seu hat insgesamt neun Glocken, acht davon haben weibliche Namen und die Hauptglocke einen männlichen, sie heißt „n‘Aloi“. Während die weiblichen Namensträgerinnen heutzutage über ein computergesteuertes System zum Läuten gebracht werden, muss die n‘Aloi manuell, durch das Ziehen von mindestens zehn starken Männern an den dicken Seilen bedient werden. Zum Einsatz kommt die fast fünf Tonnen schwere Schelle mit einem Durchmesser von zwei Metern allerdings nur bei besonderen kirchlichen Anlässen, wie zum Beispiel bei Prozessionen oder bei der Wahl des neuen Papstes. Sie ist übrigens eine der größten Glocken Spaniens und die größte beweglich geläutete Glocke des Landes.

Sonnencreme nicht vergessen
Nach der Begehung der Glockenstube kommt man direkt auf der primären, sehr sonnigen Terrasse heraus. Faszinierend. Das Erste was einem sofort ins Auge fällt, sind die Rückseiten der malerischen Fenster. Daneben stehen die Infotafeln, auf denen die Motive von der Vorderseite der Fenstergläser abgebildet, sowie nähere Angaben über diese aufgedruckt sind. Entlang einiger Mauern verlaufen die Zubringer des Regenwassers zu den Wasserspeiern, die an den Außengemäuern der Catedral de Santa Maria als verschiedene Tierskulpturen eingebaut sind und dazu dienen, dass das Regenwasser nicht am Mauerwerk entlang läuft und es potentiell beschädigt. Die “Gargoyles”, wie sie genannt werden, dienten aber auch mit ihren Fratzen als Abschreckung gegen Dämonen und böse Geister. Sie beschützen quasi das heilige Innere der Kirche.
Nach ein paar Metern und zwei Stufen steht man nun direkt neben Europas drittgrößter Rosette. Dieses Facettenfenster ist 100 qm groß, aus 1.115 bunten Gläsern gebaut und sorgt jedes Jahr am 02. Februar und am 11. November für ein außergewöhnliches Lichtschauspiel im Inneren der Bischofskirche. Am frühen Morgen an den besagten Tagen, wenn die Sonne auf die Rosette scheint, bildet sich in der Kirche die berühmte magische Acht, das Zeichen der Unendlichkeit. Zum letzten mal geht es wieder zurück auf die Wendeltreppe, die immer enger und steiler wird je höher man steigt. Nachdem man nun alle 208 Stufen bezwungen hat, wird endlich die sportliche Leistung mit dem unvergleichlichen Ausblick vom Dach belohnt.

Schwindelfrei sein ist ein Muss
Aus 44 Metern Höhe erscheint das dunkelblaue Meer unendlich, die großen Kreuzfahrtschiffe am Hafen sind plötzlich so mickrig und von dem lauten Pulsieren am Meerespark ist nichts zu hören. Es ist still, friedlich und paradiesisch auf der Bedachung von Palmas Wahrzeichen. Wenn man sich an diesem einzigartigen und imposanten Anblick satt gesehen hat, was eigentlich fast unmöglich ist, und eine Drehung von 180 Grad macht, liegt einem die ganze Hauptstadt zu Füßen. Das Stadtpanorama ist ebenfalls sehr überwältigend und großartig. Voller unvergesslicher Impressionen geht es zurück zu der selben Treppe, die einen jetzt aber nach unten führt. Auf der sekundären Terrasse mit ihren gewölbeartigen Strebebögen wird einem nochmal Einhalt geboten, um durchzuatmen, zu flanieren, zu resümieren und sich am letzten Rundblick zu erfreuen. Ohne weiteren Halt geht es Stufe für Stufe herunter. Unten angekommen, ist die einstündige Besichtigungstour noch nicht zu Ende. Man steht nun in der Kathedrale, die beim Baubeginn im Jahre 1229 dem gotischen Stil folgte, und darf sich hier auf eigene Faust so lange aufhalten wie man Zeit und Lust hat, ohne weiteres Eintrittsgeld zu bezahlen. Jetzt hat man die Möglichkeit den Fenstern sowie gleichfalls der Rosette aus einem anderen Standpunkt Bewunderung zu zollen und die innere Schönheit der Hauptkirche anzuerkennen.
Für Residenten kostenlos
Die Visiten, die seit Mai noch bis Ende Oktober in spanischer, katalanischer oder englischer Sprache möglich sind, finden von Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr statt und am Samstag von 10 bis 12 Uhr. Die maximale Teilnehmerzahl beträgt 20 Personen. Die Inselbewohner können (mit Nachweis ihrer Residenz) an der Führung gratis teilnehmen. Der Kauf der zwölf Euro teuren Eintrittskarten ist momentan nur online unter www.catedraldemallorca.org möglich. Rechtzeitiges Reservieren, das nur zwei Monate im Voraus möglich ist, lohnt sich! Auf derselben Homepage findet man auch alles weitere Wissenswerte über die fabelhafte Kathedrale von Palma de Mallorca.
Juliane Mayol Pons, Fotos: Diego Blanco

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