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Vom 9.-17. März findet zum 35. Mal die bekannte Töpfermesse “Fira del Fang” in Marratxi statt. Grund genug der wohl besten Töpferfirma der Insel, Terra Cuita, einen Besuch abzustatten

An die 60 Firmen aus Mallorca und dem spanischen Festland kommen im März nach Sa Cabaneta, dem Ortsteil von Marratxi, um dort bei der Messe Fira del Fang ihre Kunst zu präsentieren – ihre Töpferkunst. Bis zu 100.000 Besucher werden erwartet. Es gibt jede Menge Tonwaren zu sehen und zu kaufen – praktisches wie dekoratives – außerdem stehen Workshops und Demonstrationen auf dem Programm. Und eine mallorquinische Messe ist auch nicht komplett ohne xeremiers (Musikgruppen) und gegants (RiesenFiguren). Die letzteren sind in Marratxi natürlich passenderweise Siurells nachempfunden. Wer schon dort ist, sollte sich einen Abstecher ins Keramikmuseum “Museu del Fang” in der alten Mühle von Sa Cabaneta nicht entgehen lassen. Etwa 900 Exponate aus verschiedenen Epochen sind zu sehen.
Ton-Historisches
Das Töpfern kam mit den Römern auf die Insel, das Verzieren mit den Arabern. Begonnen hat alles in Santa Eugènia, denn dort wurde die sich für Tonarbeiten eignende rote Erde gefunden und abgebaut. Als dort der Boden quasi “leer geräumt” war, fand man neue Abbaugebiete in Portòl, einem weiteren Ortsteil von Marratxi. Weil der Transport der Erde zu aufwändig wurde, siedelten die betroffenen Familien um (ab dem 18. Jahrhundert). Doch seit langem ist die Gegend um Portòl auch “leer”, somit kaufen die dort verbliebenen Firmen – von ursprünglich 20-30 Firmen existieren nur noch eine Handvoll – ihren Ton auf dem Festland.
Terra Cuita
So auch Pep Serra Crespí (48), Besitzer der Firma Terra Cuita, der seit über 20 Jahren die gleichen Lieferanten in Katalonien und Valencia hat. “Sie liefern halt die beste Qualität.” Und er muss es wissen, denn schließlich ist Terra Cuita mit die beste, wenn nicht gar DIE beste Töpferei der Insel, gegründet 1861 vom Urgroßvater des heutigen Betreibers, der damit in der vierten Generation aktiv ist. Eine fünfte steht schon in den Startlöchern, denn eins seiner Kinder, die Tochter Nuria, hat mit ihren 13 Jahren schon Ambitionen. Pep hat die Firma erfolgreich modernisiert, zeitgerechte Muster eingeführt und in neue Brennöfen investiert, ohne dabei jedoch die alten Traditionen zu vergessen. Rund um die frühere Ofenkammer, die man bis heute sehen kann, wurde damals die Werkstatt, später auch das Haus gebaut. “Wir sind quasi in der Töpferei großgeworden. Erst habe ich hier nur gespielt, aber als ich etwa 12 war, hat mir mein Vater so nach und nach auch das Töpfern beigebracht”, erzählt Pep, der sich “Mestre artesans”, also Kunsthandwerksmeister mit Zertifikat nennen darf.
Fische, Krebse, Hummer und Herzen
Der Unterschied zur industriellen Massenware wird deutlich, wenn man seine Teller, Schalen, Greixoneras, Töpfe, Krüge, Becher oder Dekostücke wie die beliebten Siurells sieht und benutzt. Fertigten die drei Generationen vor ihm vorzugsweise braune praktische Tonware wie Greixoneras, hat sich Pep auf gleichzeitig praktische wie dekorative Produkte auch aus weißer Keramik fokussiert. “Es waren die Kunden, die derlei nachgefragt haben. Und als erste Testläufe sehr erfolgreich verliefen, haben wir davon mehr und mehr gemacht.” Wichtig allerdings war dabei das Team. “Ich hätte keine bemalten Teller, Platten oder Tassen anbieten können, hätte ich nicht die entsprechenden Fachkräfte gefunden.” Heute sind alleine drei Frauen nur mit dem Bemalen der Tonware beschäftigt. Die Designs – mit Fischen, Krebsen, Quallen, Hummer und Herzen, mit geometrischen Mustern wie Kreisen und Streifen oder auch das bekannte Zungenstoffmuster (tela de llengua), mit dem Pep vor ein paar Jahren als erster anfing – entspringen vorzugsweise seinen Ideen. Seine Konkurrenten aus dem Dorf haben ihn oft kopiert. “Das lässt sich nicht vermeiden, unser Dorf ist klein.”

Aufwändige Arbeit
Auch wenn er für einfachere Stücke mittlerweile Formen nutzt, so ist doch vieles noch Handarbeit und erfolgt in etlichen Schritten: Töpfern, Trocknen, Bemalen, Trocknen, Glasieren, Trocknen, Brennen, Trocknen. Dies nimmt Zeit in Anspruch. Zumal, wenn ein Brennvorgang acht Stunden dauert. Kein Vergleich also zur Massenware, wo in modernen Maschinen Hunderte von Teilen im Minutentakt gefertigt und gebrannt werden. Apropos: Die Fabrikation in Portòl kann man sich auch anschauen (ein Laden ist ebenfalls angeschlossen). Ein einfacher Besuch ist kostenlos. Wer Erklärungen möchte (auf Spanisch oder Englisch) und sich sogar selbst an der Töpferscheibe ausprobieren will, zahlt dafür 10 Euro. Bitte mindestens drei Tage zuvor anmelden!
Zukunftsperspektiven Weil die Nachfrage ständig steigt, eröffnet Pep auch Ende März ein neues, rund 120 Quadratmeter großes Geschäft in Santanyi, nur wenige Häuser entfernt vom jetzigen Laden, der zusätzlich bestehen bleibt. “Wir verschicken ja auch unsere Ware per Kurierdienst ins Ausland und im letzten Sommer waren es alleine 200 Pakete nur von Santanyi-Bestellungen – offenbar mag man uns dort besonders, speziell unsere deutschen Kunden.” Auch er wird natürlich mit einem Stand bei der Fira del Fang dabei sein. “Das hat Tradition, wir sind von Anfang an dort.” Auch bei der Gastromesse HoReCa war er vertreten und das überaus erfolgreich. “Von einem neuen Design mit unregelmäßigem Rand haben wir Aufträge für 180 Teller bekommen. Es macht mich, auch nach all den Jahren, stolz, wenn eine neue Idee offenbar so gut ankommt.”

Fira del Fang: Plaça Verónica de Sant Marçal, Sa Cabaneta. Geöffnet Mo-Fr 10-13.30 Uhr, 16-19 Uhr, Sa + So 10-20 Uhr,
www.marratxi.es/es/fira-del-fang-2019
Ceramica Terra Cuita: Fabrik und Geschäft: C/. Sa Roca Llisa 24, Portòl. Geöffnet Mo-Fr 10-14 Uhr, 17-20 Uhr. Tel. 971 602 497, www.ceramicaterracuita.com
Geschäft in Palma: C/. de la Concepció 5. Geöffnet Mo-Fr 10-14 Uhr, 17-20 Uhr. Sa 10-15 Uhr.
Geschäfte in Santanyi: C/. Portell 3. Geöffnet ab 15. März Mo-Fr 11-14 Uhr, 17-20 Uhr. Sa 8-15 Uhr. Und ab April ein zweiter, größerer Laden nur wenige Meter davon entfernt in Hausnummer 15 (gegenüber Restaurant Goli)Museu del Fang: C/. del Molí 4, Sa Cabaneta, Tel. 971 797 624.Geöffnet Di, Do, Fr 10.30-13 Uhr, www.ajmarratxi.net/museu