Der Nio ET9 ist jetzt mit einem ZF-Voll-Lenk-by-Wire-System ausgestattet, das keine mechanische Verbindung zwischen den Rädern und dem Lenkrad hat.
Es gehört zu den ersten Serienfahrzeugen, die mit Lenk-by-Wire ausgestattet sind, aber nicht die ersten. Infiniti hat es bereits 2013 beim Q50 ausprobiert.
Auch der Toyota bZ4X soll es irgendwann in der Zukunft bekommen. Aber die Zeichen standen schon seit einigen Jahren auf Lenk-by-Wire-Technologie und ihr Einzug in den Mainstream rückt noch näher mit der weit verbreiteten Verwendung von elektrischer Servolenkung.
Das ZF-System basiert auf seiner Cubix-Software-Suite, die speziell für by-Wire-Lenk-, Brems- und Dämpfungssysteme entwickelt wurde.
Einige elektromechanische Hinterachslenkungssysteme werden bereits by-Wire aktiviert, und ZFs eigene Active Kinematics Control gibt es in zwei Versionen: eine mit einem einzigen Aktuator, der beide Hinterräder steuert, und eine andere mit individuellen Aktuatoren, einer für jedes Hinterrad.
Bei Lenk-by-Wire ist das einzige Bindeglied zwischen dem Lenkrad und den Vorderrädern ein elektromechanischer Aktuator, der die Lenkradbewegung erfasst, in ein elektrisches Signal umwandelt und an einen Controller weitergibt, der wiederum die Lenkung betätigt.
Darüber hinaus kann der Aktuator auch Drehmoment erzeugen, was es ihm ermöglicht, laut ZF das natürliche Lenkgefühl von der Straße zu vermitteln, das man mit einem mechanischen System erhalten könnte.
Erfahrene Testingenieure können das System kalibrieren, um je nach Fahrsituation unterschiedliche Lenkübersetzungen bereitzustellen.
Zum Beispiel könnte sich bei Auswahl des Sportmodus die Lenkung in der Reaktion schärfer gestalten, mit weniger Lenkradumdrehungen von Anschlag zu Anschlag. Bei höheren Geschwindigkeiten könnte das Gegenteil der Fall sein, indem mehr Lenkradumdrehungen von Anschlag zu Anschlag emuliert werden, um eine größere Geradeausstabilität zu bieten.
Diese Funktionen gibt es bereits in konventionelleren Servolenksystemen, jedoch mechanisch. Hondas Variable Gear Steering, eingeführt beim S2000 im Jahr 2000, ist ein frühes Beispiel.
Aber mit Lenk-by-Wire werden solche Funktionen einfacher umzusetzen, da die Eigenschaften in der Software festgelegt sind. In der Theorie sollte es für die Ingenieure einfacher sein, die Systeme während der Entwicklung abzustimmen, aufgrund der nahezu unendlichen Anzahl von Änderungen, die vorgenommen werden könnten, um das Lenkgefühl und die Reaktion genau richtig zu bekommen.
Dies bedeutet auch, dass Ingenieure bei einzelnen Automobilherstellern leicht am Abstimmungsprozess beteiligt sein können, um Lenkeigenschaften zu schaffen, die eine bestimmte Marke am besten repräsentieren.