Auf welches Bike fahren wir 2020 ab? Vom E-Bike im Tarnmodus und Gravelbikes als Alleskönner bis zu Rennrädern.

TREND 1:
Gravelbikes werden zu Alleskönnern Das englische Wort für Schotter „Gravel“ deutet auf die Ausrichtung hin, diese Bikes fühlen sich in leichtem Gelände besonders gut an, obwohl sie eher an reinrassige Rennräder erinnern. Bis auf die gemeinsame Lenkerform weisen sie aber nur artverwandte Gene auf. Und ganz neu ist das Konzept auch nicht: Unter den Bezeichnungen Querfeldeinrennrad oder Cyclocrosser gibt’s solche Hybride aus Renn- und Geländerad schon Jahrzehnte, ihren Durchbruch schafften sie aber erst mit Einzug der hydraulischen Scheibenbremsen in diese Sparte. Diese Charakteristika zeichnen das Gravelbike aus:
• Stabilere aber trotzdem leichte Variante des Straßenrennradrahmens, gibt es aus Stahl, Aluminium, Carbon und sogar Titan.
• Rahmengeometrie: Man sitzt aufrechter und „kürzer“ als auf einem Roadbike, aber sportlicher als auf Geländerädern, die meisten Menschen empfinden Haltung bzw. Rad als bequem, leicht zu steuern und kraftvoll zu bewegen.
• Das Tretlager ist weiter vom Boden weg, damit an Hindernissen das Kettenblatt nicht aufsetzt.
• An der Kurbel werden zwei oder nur ein Kettenblatt montiert, die Übersetzungen sind kleiner als am Rennrad, reichen aber nicht so weit nach unten wie an Mountainbikes.
• Sichtbarster Unterschied ist deutlich mehr Platz in Rahmen und Gabel für gröber profilierte und breitere 28 Zoll-Reifen mit etwa 42 mm Breite.
• Noppen- oder Stollenreifen machen sie auf Asphalt etwas langsamer, im Vergleich zum Trekking- oder Mountainbike fahren sich Gravelbikes trotzdem sehr flott, Gewicht und biomechanisch gute Haltung sei Dank.
Gravelbikes wie das „Grail“ von Canyon werden auch über 2020 hinaus die Bikewelt wegen ihrer phantastischen Allroundqualitäten nahezu in allen Facetten
umkrempeln. Wer recht sicher im Sattel sitzt, bewältigt trotz fehlender Federung damit auch mittelschwere Geländepassagen, sogar meist schneller als mit Hardtail oder Fully. Und weil viele Hersteller ihrem Gravelbike zusätzlich Fixpunkte für Schutzbleche und Gepäckträger spendieren, lassen die sich sogar in geniale, dynamische und sogar voll alltagstaugliche Tourenräder verwandeln. Man kann also mit dem gleichen Rad schneller zur Arbeit fahren, mit viel Spaß trainieren, die Familie beim Ausflug im Park begleiten, die Clique auf der Mehrtagestour locker abhängen und außerdem damit ordentlich Eindruck schinden, dazu musste man sich die letzten Jahre mit dem eher eingeschränkten Komfort eines Singlespeed-Rades abfinden.

TREND 2: E-Bikes – Vielfalt statt Quantensprung
Ganz besonders das E-Bike macht derzeit eine Entwicklung durch, die man aus den 80er Jahren von Sportschuhen kennt! Damals hatte man drei, vier Modelle zur Auswahl, die für alle Einsätze halbwegs ok waren. Heute gibt es nicht nur für jede Sportart Spezialisten, der Schuh ist gleichzeitig Ausdruck von Lifestyle und Charakter seines Trägers. Und auch das Rad gibt es von Jahr zu Jahr nicht nur für immer mehr Aufgaben und Einsätze. Der Elektromotor hat diese Entwicklung nur nochmals extrem angeschoben. Gerade im Bereich Lastentransport wird man demnächst mehr als drei oder vier Modelle zur Auswahl haben, darunter auch etliche Lösungen für Familien mit mehr als einem Kind oder für den gewerblichen Einsatz. Und die Verkehrsplaner werden sich freuen: E-Antriebe an kompakten Falträdern könnten das ideale Bindeglied zwischen öffentlichem Nahverkehr und Arbeitsplatz sein, das sperrige Citybikes oder Tretroller bisher nicht darstellen. Tiefer Schwerpunkt, kompaktes Maß für die Öffentlichen Verkehrsmittel, Gepäckträger sogar für zwei Kinder: Hochpraktische Lastenesel wie das „HSD“ von tern spiegeln die Spezialisierung auch auf Familien wider. Zudem sehen die Hersteller, dass das Wettrüsten in Sachen Reichweite in eine falsche Richtung führt. Stattdessen erreichren sie mit smartem Einsatz von E-Motoren, eher unauffälligem Unterstützen beim Treten und Rahmen, die einen kompakten Motor und schlanken Akku komplett integrieren, ganz andere Käuferschichten. Nämlich die, die sich bisher mit dem „Fremdkörper“ E-Motor nicht anfreunden konnten.

TREND 3: Rennräder – Tour de France und Buchmann-Effekt?
Es gibt aber nicht nur technische Faktoren, die eine Branche wie die rund ums Fahrrad beflügeln können. Mit Emanuel Buchmann jagte bei der Tour de France in letztem Sommer erstmals seit Jahrzehnten ein Deutscher dem Feld davon. Zwar reichte es letztlich nicht zum Gesamtsieg, aber gerade wegen seiner smart zurückhaltenden, aber couragierten Fahrweise als Underdog und seinem vierten Platz haben viele Deutsche 2019 wieder die Rundfahrt verfolgt.
Der Profiradsport hatte besonders in Deutschland bis dato noch unter den Nachwehen der Dopingaffären zu leiden, die Aufmerksamkeit war trotz vieler Tageserfolge eher gering. Mit einem potenziellen Rundfahrtsieger Buchmann ist damit zu rechnen, dass bald auch wieder deutlich mehr Rennräder über den Ladentisch gehen, und sicher wird das eine oder andere auch einen Elektromotor in sich tragen.
Quelle:www.Ispo.com

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