Geboren 1953 in Frankreich und aufgewachsen in einer Künstlerfamilie, die Mutter Malerin, der Vater Professor für bildende Kunst, sieht sich Bruno Frerejean als Autodidakt. Schon in seiner Jugend war er ein begeisterter Hobbyfotograf. Im Jahr 2010 erst kehrte er zu seiner Leidenschaft der Fotografie zurück und absolvierte einen achtmonatigen Fotokurs, um seine Grundkenntnisse zu erneuern und sich an die digitale Technik anzupassen. Für Bruno ist Fotografie ein Werkzeug, ein Medium, eine visuelle Sprache. „Jede Situation auf der anderen Seite meiner Linse erzählt meine eigene Geschichte, mein eigenes Selbst, meine Interpretation dessen, was ich sehe und wie es mich beeinflusst“, so Frerejean.

Schwarz-Weiß-Fotografie
Kommunikation und Kontaktaufnahme zu sich selbst und dem Fotografierten, nicht deutend, sondern zeigend und fühlbar, denn der Betrachter fügt seine eigene Wahrnehmung, seine eigene Geschichte ein, die er vor seinem geistigen Auge koloriert. Wenn Bruno mit der Belichtungszeit, der Lichtintensität, dem entsprechenden Moment arbeitet, kreiert er „fotografische Zeitlosigkeit in Bewegung“, wie er selbst sagt, die er in Schwarz-Weiß darstellt. Viele seiner Inhalte haben mit Menschen und ihrem Alltag zu tun, deren sozialem Umfeld, realen Problemen und politischen Aussagen. Es interessiert ihn das Dahinter, das, was außerhalb des zu fotografierenden Rahmens liegt. Schatten und Licht, Hell und Dunkel, beides untrennbar miteinander verbunden, in der Schwarz-Weiß-Fotografie antagonistisch und komplementär. Das Licht zeigt die Bewegung, der Schatten die Statik.

Doppelfotografie
Mit Hilfe der Doppelbelichtung versucht Bruno das nicht sichtbare festzuhalten. „Mit einigen Digitalkameras ist es heute möglich, mehrere Bilder nebeneinander zu stellen. Es ist wahr, dass mehr Bilder überlappen und weniger Sichtbarkeit des endgültigen Bildes leicht zu erreichen ist. Aus diesem Grund verwende ich zwei oder drei Nebeneinanderstellungen, die es aus meiner Sicht ermöglichen, einen zufälligen Aspekt hinzuzufügen, der für das Endergebnis immer überraschend ist, da man unabhängig von der Domäne dieser Technik nie genau weiß, wie die Kombination aus wiederholter Imprägnierung funktioniert. Licht im selben Film oder Dateirahmen. Ich mag diesen Aspekt, der die Rationalität hinter sich lässt und der Intuition weichen muss. Die Ergebnisse erhöhen die Realität und verleihen etwas Magie. Ich trenne diese Technik vollständig durch die digitale Manipulation von Bildern in der Postproduktion mit professionellen Bearbeitungsprogrammen.“

Seine letzte Ausstellung vor dem Lockdown
Mit einem Stipendium der Michael Horbach Stiftung zur Durchführung eines Fotoprojekts folgte er fotografisch 15 Tage lang einem jungen engagierten Straßenkünstler-Paar in Köln und ihrer Umgebung. Er erkannte, dass ihr Lebensstil, ohne „Dach über dem Kopf“ zu leben, nicht aus Ausgrenzung resultierte, sondern aus der bewussten Entscheidung, das System zu verlassen und das Reisen zum Lebensinhalt zu machen, „das zur Entdeckung der Welt führt und von da aus zu sich selbst“, so Frerejean. In der Betonung für einen lebensbejahenden Planeten und einem humanistischen Wertesystem entstand eine fotografische historische Live-Dokumentation zweier Freigeister, die er in der Michael Horbach Stiftung in Köln von Januar bis März 2020 unter dem Namen „Khym und Djessy auf dem Weg zum Glück“ ausstellte.

Bruno Frerejean

Zur Biographie
Nach dem Studium der Psychologie und Philosophie, sehnte er sich danach mit „Herz und Hand“ zu arbeiten und wurde Hufschmied. Er lernte das Reiten im Austausch als Stallbursche. In Marseille machte er die Ausbildung zum Hufschmied. Als Professor lehrte er den Beruf weiter und gründete eine Assoziation der Hufschmiede, die bis zu 150 Mitglieder hatte. Eine Ausbildung als Pferdeorthopäde hängte er noch an und als er vor 20 Jahren auf die Insel kam, war er ein gefragter Mann und konnte sich vor Aufträgen kaum retten. Im September 2020 ist er einer von 30 ausgewählten Fotografen auf der „PHotoESPAÑA“ in Madrid, einem der wichtigsten Festivals weltweit in der Welt der Fotografie.
Facebook: Bruno Frerejean Visual Arts www.brunofrerejean.com
Nermin Goenenc, Roman Hillmann. Fotos: Bruno Frerejean

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