Josep Planas i Montanyà (Barcelona, 1924 – Palma, 2016) war der erste Fotograf auf der Insel, der 1947 ein Fotofachgeschäft eröffnete. Erfolgreich wuchs das Unternehmen auf mehr als 15 Betriebe an und die Casa Planas, die „Postkarten-Fabrik“ entstand und produzierte Millionen von Bildern für über 700 Berichte pro Jahr. Er war ein Visionär, der mit seinen Motiven von Strand, Bars, Hotels, Zitronen, Mandelbäumen, Wein, Oliven, Touristen, mallorquinischer Tradition der Insulaner bis hin zu Landschaftsaufnahmen und Folklore, alles für seine Postkarten fotografierte. Damit prägte er das Image der Insel und verhalf ihr durch das Monopol der industriellen Postkartenproduktion weltweit zu Popularität. Seine Postkarten, von denen in einem Jahr mehr als 25.000 verkauft wurden, reisten rund um die Welt.

Google Street “historisch”
Er war der erste Fotograf, der einen Hubschrauber für Luftaufnahmen kaufte. „Google Street“ war er weit voraus, denn mit einem auf seinem Lastwagen installierten Stativ fotografierte er schon vor 50 Jahren die Straßen Palmas. Inspirationen holte er sich in Deutschland auf Bildungsreisen. Was er z. B. bei AGFA über Farbfotografie lernte, setzte Josep Planas in seinem Fotolabor um und war somit der erste auf der Insel, der diese Technik beherrschte.

Josep Planas als Starfotograf
Mehr und mehr ließen sich auch Prominente von ihm ablichten. So ging er im Haus des Künstlers Joan Miró ein und aus. Dank eines Fotos von Planas wurde im letzten Jahr dessen Atelier in Palma in seinen Originalzustand versetzt. Er veröffentlichte seine Fotos auf Titelseiten bei Arte Fotográfico, dem spanischen Filmmagazin „Fotogramas“, „Fiesta Deportiva”, der katalanischen Kulturzeitschrift „Serra d’Or“, der katalanischen Tageszeitung „La Vanguardia“ und er war Korrespondent des spanischen Fernsehens.

Das Erbe
Das Archiv der Casa Planas besteht aus mehr als 4.000.000 Postkarten, Fotos, Negativen, Fotolithografien, Dias, Transparent-Folien und mehr als 2.000 Kameras verschiedener Marken und Modelle, die Josep Planas verwendete und gesammelt hatte. Durch dieses Archiv werden die Auswirkungen des Aufstiegs des Tourismus auf Mallorca, dem dazugehörigen Ausbau der Insel, der Prozess vom Stadttourismus sowie die Entwicklung von Wohngebieten sichtbar. Zweifellos ist in diesem Archiv das dokumentarische und künstlerische Erbe der Insel gelagert.

Die Enkelin
Marina Planas ist diejenige, die das Erbe angenommen hat und vor etwa sechs Jahren die Türen zu der 20 Jahre verschlossenen und stillgelegten Casa Planas wieder öffnete. „Es war unglaublich, so als wäre gestern noch gearbeitet worden. Die Jacke hing noch über dem Stuhl, eine alte Zigarre lag auf dem Aschenbecher, so als wären sie alle nur in der Pause. Nur der Staub erzählte von der vergangenen Zeit“. Sie versucht alles so zu lassen wie es war und übernahm die immense Arbeit der Archivierung und Katalogisierung, die bis heute andauert.

Aktivitäten in der Casa Planas
Marina Planas, selbst Künstlerin, fand ihre Inspiration während ihres dreijährigen Aufenthalts in New York, Brooklyn-Bushwick. Viele leerstehende Hallen werden dort seit Jahren zu Kreativ-Orten und Künstlerateliers umgewandelt. Vor fünf Jahren eröffnete sie in Palma das Kultur- und Kreativ-Zentrum Casa Planas – als Treffpunkt für Bürger und Künstler, mit Veranstaltungen wie Lesungen, Kino, Konzerte im eigenen Konzertsaal, Workshops, Kunstausstellungen, Performance und Installationen, Festivals, sozialen Projekten, die Nutzung des Fotolabors, Videokunst und Ateliervermietung.

Mit dem Radiosender „Sputnik Radio 105,4 FM“ (von dort senden wir unsere wöchentliche Radiosendung “¡Expresate! Kreativradio”) bietet Marina darüber hinaus eine Plattform an, die einen internationalen Austausch unter Künstlern fördert. Mit dem Entwurf der „Residencias“ gibt es die Möglichkeit des einmonatigen Kreativ-Austausches im Hause Planas mit abschließender Ausstellung. Das Goethe-Institut unterstützt die Casa Planas bei der Durchführung der „Art Investigation“ und einer Reihe von Kinofilmen in Deutsch.

Neben Marina Planas sind Mario Verdaguer und Alelí Mirelman die tragenden Köpfe des Hauses. Ohne ihre Unterstützung und hervorragende Arbeit als Co-Gründer bei der Suche nach Investoren, ihrem Engagement und vielem mehr, wäre die Casa Planas nicht umsetzbar gewesen. Auch Künstler, die hier ihr Atelier haben, halfen die Casa Planas mit aufzubauen. Weiterhin sucht man nach Unterstützung, um das Archiv zu schützen und das Kulturzentrum zu fördern. Erst Recht in dieser schwierigen Zeit, wo einige Aktivitäten (und Einnahmequellen) noch auf Eis liegen. ABER: Durch verschiedene Modelle einer jährlichen Patenschaft kann man sich nicht nur finanziell mit einbringen, sondern auch vergünstigte Angebote zu Kunst und Kultur im Hause nutzen und bei Aktivitäten mitmachen.

Infos und Kontakt unter: www.casaplanas.org
Casa Planas, Avda. de Sant Ferran 21 in Palma
Nermin Goenenc, Roman Hillmann, Fotos: Casa Planas, Roman Hillmann

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