Auf dem Weg der Könige, dem Cami dels Reis, fast versteckt zwischen den Straßen nach Valldemossa und Establiments, liegt das Kloster Sant Bernat de la Real in Palma de Mallorca. Die Vergangenheit des Konvents, das auch unter dem Namen „Santa Maria de la Real“ bekannt war, hat arabische Wurzeln und reicht weit bis in das Jahr 1229 zurück. Der damalige katalanische König Jaime I, der auch als Eroberungskönig bekannt ist, schlug sein Lager in dem ursprünglichen Garten des Wali, also dem Garten des muslimischen Gouverneurs, auf und begann mit der erfolgreichen Besatzung der Madina Mayurqa, so der frühere arabische Name der Inselhauptstadt. Knapp 40 Jahre später wurde das Zisterzienserkloster von den Mönchen aus Vimbodi i Poblet, einem Dorf auf dem Festland, gegründet. In der wechselvollen Geschichte gab es ein Hin und Her von Zisterzienser-Mönchen, fiel Mitte des 19. Jahrhunderts der allgemeinen Klosteraufhebung zum Opfer, verfiel und wurde schließlich 1897 den Missionaren von den Heiligen Herzen überlassen, die es restaurierten.
Eine Sage, die bis heute überliefert wird. Sie behandelt die Begegnung des Eroberungskönigs mit dem Vorsteher des Klosters. Das Staatsoberhaupt stellte dem Abt drei Fragen: „Was passt noch in einen Behälter, der eigentlich schon voll ist? Wie lange braucht ein Mann um die ganze Welt zu umkreisen? Was denke ich?“, und versprach ihm, wenn er die Fragen richtig beantworte, als Belohnung so viel Kilo Gold zu geben, welches seinem Körpergewicht entspräche. Der Klostervorsteher nahm die Herausforderung an und erbat ein paar Tage Bedenkzeit für die richtige Beantwortung. Doch so sehr er auch nachdachte, ihm wollten die richtigen Antworten nicht einfallen. Je mehr Tage vergingen, desto nachdenklicher und zurückgezogener wurde der Abbat und sein Verhalten blieb natürlich vor der gesamten Klostergemeinschaft nicht verborgen. Schließlich beschloss der Koch des Stiftes das Oberhaupt nach dem Grund für sein verändertes Verhalten zu fragen und als er diesen erfuhr, so bat er seinen Vorsteher um die Erlaubnis seine Kleider anzuziehen und sich vor dem König zu äußern. Gesagt, getan. Mit halb verdecktem Gesicht und mutig vor dem König stehend, verkündete der Speisenzubereiter: „Wenn ein Gefäß eigentlich voll ist mit Weizenkörnern oder Steinen, so passt immer noch Sand rein zwischen die Rillen und anschließend Wasser! Wenn der Mann, der die Welt umkreisen soll, genauso schnell ist wie die Sonne sich dreht, dann braucht er genauso lange wie die Sonne um die Welt! Eure Hoheit denkt, dass ich der Abt bin, doch ich bin nur der Koch in seinen Kleidern!“ Belustig lauschte der Eroberer dem Koch und hielt sein Versprechen bezüglich der Entlohnung ein.

Die Teufel sind los
Während der Wallfahrt am 19. und 20. August, der so genannten „Romería de Sant Bernat“, die zu Ehren des heiligen Bernat veranstaltet wird, ist der Teufel los. Das dämonische Treiben lockt jedes Jahr mehr als 10.000 Pilger an den Ort. Jedoch stößt das feuerreiche Schauspiel immer mehr auf Kritik aus den eigenen Klosterreihen. Man ist sehr darüber besorgt, dass die angrenzende Kirche während des Spektakels Feuer fangen könnte und das der eigentliche Sinn der Wallfahrt, nämlich die Segnung, immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Aber der Klostervorsteher hat nun ein Machtwort gesprochen: Er will keine “Spiele” mehr im christlichen Rahmen. Also werden alle Aktivitäten wie Correfoc, der Ball de Bot-Tanz, der Theaterabend und die Konzerte zwar stattfinden, aber nicht mehr im Kloster.
Der Bücherbestand ist die Seele
Seele und der ganze Stolz des Konvents ist der Bücherbestand. Mit über 50.000 Niederschriften gehört die hauseigene Bibliothek, die erst 1933 vom Pater Gaspar Munar gegründet wurde, zu den wenigen sehr bedeutenden Büchersammlungen von den Balearen. Das älteste aller vorhandenen Werke ist das „Llibre del Consolat de Mar“ in der katalanischen Sprache aus dem Jahre 1320 und gilt als das Fundament des heutigen Seerechtes. Nicht nur die Schriftwerke stehen der Öffentlichkeit, nach Absprache, zur Verfügung, sondern auch weitere Räume für verschiedene Aktivitäten, wie zum Beispiel für Geschäftsbesprechungen, Autorenlesungen oder spirituelle Sitzungen. Sogar der mallorquinische Philosoph Ramon Llull lebte einst um die Wende zum 14 Jahrhundert an diesem geistlichen Ort und schrieb während seines Aufenthaltes das „Ave Maria“.

Geben ist seliger denn nehmen
So steht es schon im Buch Gottes, der Bibel, geschrieben und dies ist auch eine der Leitlinien des Monasterio Sant Bernat de la Real. Für die Begehung des Klosters, die unter der Woche von 10-13 Uhr und von 16-20 Uhr möglich ist, oder für die Benutzung der Räumlichkeiten gibt es keinen bestimmten Preis, jeder bezahlt das, was er für angebracht hält. Wer die ganze, ausführliche und umfangreiche Geschichte des Klosters erfahren möchte, kann sich gerne an den Priester Josep Amengual wenden und einen persönlichen Besichtigungstermin vereinbaren.
Der rüstige Gottesdiener ist mit Begeisterung dabei, wenn es darum geht, die Geschichte des Klosters zu erzählen und tut dies sogar auch in deutscher Sprache. Termine und Infos, Tel.: 971 750 495
Juliane Mayol Pons

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