Santuari de la Mare de Deu:

Der schwarze Tod machte sich breit über ganz Europa und auch Mallorca blieb von ihm nicht verschont. Diese Seuche im Jahre 1348 forderte den Tod von rund 15.000 Menschen, ein Viertel der damaligen Inselbewohner. Um weitere Opferzahlen zu vermeiden und um die restliche Bevölkerung vor weiteren Epidemien zu schützen, befahl der damalige Bischof von Palma, Berenguer Balle, den Bau von einer Kapelle, auf dem Mariaberg bei Pollenca, aus der im Laufe von vielen Jahrhunderten das heutige „Santuari de la Mare de Deu“ geworden ist. Etwa 14 Jahre später, nachdem die Bewohner sich endlich von dem Wüten der dunklen Pest erholt haben, gründeten drei Landschwes-tern mit 17 weiteren Pollença-Bewohnerinnen eine Klosterschule für Frauen, die nebenbei eine Bibliothek unterhielt sowie Alten- und Krankenpflege organisierte.

Auf den Spuren der Vergangenheit
Wer sich an die Erklimmung des Berges heranwagen möchte und sich in die damaligen Zeiten zurückversetzen will, sollte körperlich relativ gut in Form sein, schließlich liegt das Kloster auf einer Höhe von 330 Meter und ist nur zu Fuß erreichbar, also ohne Auto, Bus oder sonstiges modernes Transportmittel! Bevor man sich auf den Weg ganz nach oben macht, sollte man sicher gehen, dass man genügend Wasser zur Verfügung hat, das passende Schuhwerk trägt und es ist durchaus ratsam, dass man seine Sonnencreme und ein Mückenspray mitführt. Schritt für Schritt geht es nun nur noch bergauf. Zuerst ist es relativ angenehm, der Wanderweg ist asphaltiert und hat nur wenige Schlaglöcher, die man problemlos umgehen kann. Umrandet vom Tannenwald, der einem sehr viel Schatten spendet, begleitet vom lieblichen Grillengesang geht es immer weiter und weiter. Wem der Wanderpfad jetzt schon anstrengend wird, der kann nun auf einer der Bänke eine kleine Rastpause einlegen und dabei den schönen Ausblick in das Tal genießen, bevor es wieder weiter geht. Und es geht weiter, der Weg wird immer steiler, kurvenreicher und enger. Die letzten 1,2 Kilometer sind die schwierigsten, die Wanderstrecke besteht nur noch aus rutschigen, unebenen Pflastersteinen, der Schutz des Waldes ist nicht mehr gegeben und man ist gnadenlos der Sonne oder dem Wind, je nach Jahreszeit, ausgeliefert.
Was früher gut war, ist heute besser
Nach fast einer Stunde ist man nun endlich an seinem Ziel angekommen. Schweißgebadet und so ziemlich aus der Puste, steht man nun vor der imponierenden Abtei. Mit letzter Kraft steigt man die 14 Treppenstufen, die direkt in den Klosterhof führen, empor und ist stolz wie Oscar. Man hat es geschafft, man ist ganz oben angekommen! Zur linken Seite befindet sich der alte Verteidigungsturm, in der Mitte die Kapelle und zur rechten Seite die heutige Restaurantküche. Der Ausblick auf die Stadt Pollença, den man direkt aus dem Innenhof hat, ist auch nicht zu verachten. In der Kapelle ist es angenehm kühl und behaglich. Auf den Bänken kann man sich nun ein wenig sammeln, den Schweiß abwischen und den Altar sowie weitere kirchliche Reliquien bewundern. Nun geht es weiter ins Innere, an den Mauern des langen Flures sind Vitrinen angebracht, in denen sich altes Geschirr, Kochtöpfe und Pfannen befinden, die zum Teil auch noch heute zum Einsatz kommen. Entlang des Flures kommt man zu dem kleinen Museumszimmer, in dem weitere, aus vielen Jahrhunderten gesammelte kirchliche Gegenstände, wie Kerzenständer, Bilder von verschiedenen Heiligen oder Möbel zu bestaunen sind. Als nächstes kommt man zu dem großen, sehr einfach eingerichteten Speisesaal in dem bis zu 150 Personen Platz finden. Direkt daneben und nur durch eine einfache Holzwand getrennt, befindet sich die frühere Küche mit ihrer großen Kaminstelle und einem alten Waschbecken. Die Küche und der Speisesaal stehen der Öffentlichkeit zur Verfügung und man kann das ganze Jahr über an den beiden Feuerstellen sein eigenes Essen zubereiten oder auch mal grillen. Vorausgesetzt man hat sich vorher angekündigt und die nötige Koch-und Grillausstattung samt der Zutaten den ganzen Berg mit hoch geschleppt. Der Weitblick von der angrenzenden Terrasse ist grandios! Man sieht das Meer, den Berg Tomir und den Dreikantgipfel Cuculla de Fartaritx, ein unvergesslicher Anblick.

Wer nicht runter will, kann bleiben
Jedoch muss man nicht sein eigenes Essen mitbringen, das Restaurant, welches seit 2018 von Alberto Lerique und seiner Familie geführt wird, bietet verschiedene leckere Pa amb oli-Varianten an und eine gute Auswahl an kühlen oder warmen Getränken. Übernachtungsmöglichkeiten sind auch gegeben. Es gibt 12 Zimmer insgesamt, jeweils unterteilt mit zwei, vier, sechs oder acht Betten. Gemeinschaftsbadezimmer mit fließendem Wasser sind auch vorhanden. Die Preise für den nächtlichen Verbleib betragen 9-12 Euro pro Person und Nacht, ohne Verpflegung. Wenn man sich auf den Rückweg machen will, dann sollte dies unbedingt noch vor Sonnenuntergang geschehen, denn der Wanderpfad, im Gegensatz zum Kloster, ist nicht beleuchtet!
Weitere Informationen, auch in englischer und französischer Sprache, erhält man nur über die folgende Telefonnummer: 971 184 132. Eine Homepage oder gar eine Präsentation auf den Social Media Kanälen gibt es nicht und ist auch in naher Zukunft nicht geplant, denn früher ging es auch ohne, also warum sollte es heute nicht gehen?
Juliane Mayol Pons

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