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Als Krimi verpackt, enthüllt die App „Mr. Wilson“ die unscheinbaren Schätze von Palma

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Es dauert exakt fünf Minuten, bis mich der Ehrgeiz gepackt hat. Mit Gesellschaftsspielen habe ich eigentlich nichts am Hut, und für einen Stadtrundgang durch Palma brauche ich keinen fiktiven Kommissar, der mich durch die Gegend scheucht. Aber dann stehe ich vor der Kathedrale und soll die Lösung für die erste Aufgabe ins Tablet eingeben. Kinderspiel? Von wegen! Stadtrundgang mit einer App, also ehrlich! Als ob es nicht schon genug Leute gibt, die mit dem Kopf übers Handy geneigt ihre Umwelt nicht mehr wahrnehmen. Das sind so Gedanken, die mir durch den Kopf schießen, als wir uns mit den Erfi ndern der City-Touren „Mr. Wilson“ treffen. Allerdings bröckeln schon bei der Begrüßung alle Vorurteile. Die beiden sind keine Nerds, die der Realität einen virtuellen Vorhang verpassen wollen. Britta Koch (55), eine rheinische Frohnatur, und ihr Mann Ulf (48), ein bodenständiger Hannoveraner, haben unendlich viel Spaß an ihrer eigenen Schnitzeljagd und weihen uns mit Begeisterung in das Konzept ihrer Krimi-Stadtrundgänge ein.

Unterwegs im Auftrag von Comisario Martinez
Ausgangspunkt für die Tour „Der Kunstraub“ ist das Südportal der Kathedrale. Während Ulf auf seinem Tablet den Download und die Aktivierung der App erklärt, hat Britta einen Lautsprecher aus der Tasche hervorgeholt. Wozu der gut ist, erfahren wir mit eigenen Ohren. Denn als die App startet, verstehen wir zunächst dank des Menschenaufl aufs rundum kaum ein Wort. Gleich darauf aber erschallt aus Brittas BluetoothBox eine Stimme: „Holá, mein Name ist Carmen Escalante, ich bin die Assistentin von Comisario Martinez.“ Die Köpfe der Passanten rucken erstaunt herum und schon wissen alle Palma-Besucher in unserer Umgebung, dass wir von der Sondereinheit „Mr. Wilson“ sind und die Rätsel des Meisterdiebs „El Enigma“ lösen müssen, um ein gestohlenes Kunstwerk zu retten. Wer also bei seinem Rundgang Kontakt sucht, braucht sich über mangelndes Interesse keine Sorgen zu machen. Die Aufgaben sind in Reimen formuliert. Beileibe kein Goethe, aber verschachtelt genug, um sie interpretieren zu müssen. Gut, dass man alles nochmal nachlesen kann. Gleich bei der ersten Aufgabe will es das Gehirn mit einer reflexhaften Antwort probieren. „Wie viele Personen sitzen bei diesem Relief vom Abendmahl am Tisch?“ Zwölf Apostel plus Jesus. Also dreizehn. Irrtum! In Palma hat der Steinmetz frei interpretiert.

Nach oben und unten schauen – sonst klappt das nicht
In diesem Augenblick passiert das, was mich die gesamte Tour über begleitet: Die Aufgaben zwingen mich, ganz genau hinzuschauen und den Blick nicht nur flüchtig über die Schönheiten schweifen zu lassen. Statt nach der üblichen Stadtführer-Floskel „rechts sehen Sie, links sehen Sie“, wandern die Augen auch in alle anderen Richtungen. Mal gibt es in der Höhe etwas zu entdecken, mal müssen architektonische Elemente gezählt werden, dann sollte man wieder ganz genau nach unten auf die Stufen schauen. Mit dem Ergebnis, dass ich oft versunken vor einem Gebäude stehenbleibe und mich in beinahe unscheinbaren Details verliere, die mir auf einem normalen Spaziergang durch die touristische Altstadt sonst wahrscheinlich nie aufgefallen wären. Außer diesem Anstupser, mit off enen Augen durch die Stadt zu flanieren, bietet die App aber auch historische Infos und Fun Facts zu den klassischen Sehenswürdigkeiten. Es liegt ganz bei mir, irgendwo länger zu verweilen oder einen BesichtigungsStopp einzulegen.

„Der Knochenjäger“ stand Pate bei der Idee
Hinter den schrullig gereimten Rätseln steckt wochenlange Recherche über die ausgewählten Stationen. An ihnen entlang wurde der Rundgang entworfen. „Aber wir brauchten für die Tour auch eine gute Story, man kann ja die Leuten nicht bloß so von A nach B schicken“, erzählt Britta. Die Erleuchtung für die Mr. Wilson-Sondereinheit kam ihnen bei dem Film „Der Knochenjäger“, in dem Denzel Washington sein Team vom Bett aus koordiniert und die rätselhaften Tathinweise entschlüsselt. Den kniffl igen Part übernehmen bei der Palma-Tour die Teilnehmer und gelangen mit jeder gelösten Aufgabe zur nächsten Station. Bei der Vervollkommnung der App halfen Freunde und Bekannte, die zur Probe die Strecken ablaufen mussten. „Wir sind hinter ihnen her und haben uns Notizen darüber gemacht, ob die Formulierungen verständlich und eindeutig sind.“ Damit sich niemand verläuft, kontrollieren Britta und Ulf auch künftig regelmäßig, ob noch alle Hinweise sichtbar sind. Mal verdeckt nämlich plötzlich ein Baugerüst oder ein Blumentopf ein wichtiges Indiz, so dass womöglich das entsprechende Rätsel ausgetauscht werden muss.

Abtauchen in stille Seitengassen
Nach dem Trubel auf der „Kunstraub“Strecke, die sich entlang der üblichen Palma-Highlights schlängelt, steht uns der Sinn nach mehr Ruhe. Höchste Zeit, die nächste Route in Angriff zu nehmen. Bei der Suche nach dem „Schatz der Templer“ tauchen wir ein in stille Seitengassen von La Lonia und Santa Catalina. Wieder müssen Rätsel gelöst werden, um Comisario Martinez zu helfen. Auch diese Geschichte ist nicht an den Haaren herbeigezogen, versichert Britta. „Nach ihrer Flucht von Mallorca haben die Tempelritter ihren Schatz angeblich zurückgelassen. Der gilt als verschollen und es gab schon Expeditionen, die sich auf die Suche danach gemacht
haben.“ Diese zweite Krimitour des „Mr. Wilson“-Einsatzkommandos führt in abgelegenere Ecken der Inselhauptstadt. Vorbei an einem Ei, das sich drehen lässt, hinauf auf die Zinnen von Es Baluard mit einem atemberaubenden Ausblick, bis hin zu einer Windmühle, auf deren Plattform höchstens ein vereinzeltes Liebespärchen oder ein stiller Raucher anzutreff en sind. Unbedingt eine Tour für Individualisten, die dem Getümmel der Hauptmeile entfliehen und trotzdem auf Entdeckungsreise gehen wollen. Am Ende des Tages bleibt das verrückte Gefühl, als wäre man in ein Buch geraten und hätte in der Geschichte mitgespielt. Wir sind mit wildfremden Menschen ins Gespräch gekommen, ein Straßenkünstler hat uns in seine Performance eingebaut, Templer und Seefahrer wurden in der Fantasie lebendig und die schönsten Gebäude von Palma haben uns ihre Geheimnisse enthüllt. Die kleinen Abenteuer liegen wirklich auf der Straße – man muss nur genau hinschauen.

Und so geht’s
Die App „Mr. Wilson“ gibt es bisher nur für Android-Geräte. Der Download selbst ist gratis, der Aktivierungscode für eine Tour kostet 19 Euro. Am meisten Spaß macht es mit einer Gruppe von 2-6 Personen. Die Fragen sind für Erwachsene konzipiert, Kinder ab ca. 10 Jahre können sie aber mit Hilfestellung verstehen. Als ideale Ausstattung, damit alle Beteiligten die Hinweise hören/ lesen können, empfi ehlt sich ein Tablet und ein Bluetooth-Lautsprecher. Die Touren sind 4,3 km (Kunstraub) bzw. 3,5 km (Schatz der Templer) lang. Wer sich verlaufen hat oder nicht weiter weiß, kann eine Notfallnummer anrufen. Ein Fortschrittsbalken zeigt an, wieviel man schon geschaff t hat. Wer keine Lust mehr hat, setzt den Rundgang einfach an einem anderen Tag fort. www.mr-wilson.eu

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