- Anzeige -

Phänomene, wissenschaftliche Fun Facts und echtes Entdeckertum – in der Sternwarte in Costitx erforschen Experten die Himmelskörper, während Laien ihren Blick in die unendlichen Weiten des Weltalls schulen.

Nachthimmel über einer alten Windmühle in Montuiri

Glitzernd flimmern die Sterne am winterklaren Nachthimmel. Sie erinnern an den Weihnachtsschmuck, der dieser Tage aus Schaufenstern und in den beleuchteten Straßen die Dunkelheit in festliches Licht taucht. Doch wo romantische Naturen hoch am Firmament blinkende Himmelslichter sehen, erblickt Salvador Sánchez Kometen, Asteroiden und Planeten. Der Leiter der Sternwarte in Costitx betrachtet den Himmel über Mallorca mit wissenschaftlichem Scharfblick und durch präzise optische Geräte. „Über Mallorca gibt es zwar keine Besonderheit am Sternhimmel zu verzeichnen, aber abends, wenn es kühl ist und dunkel, bewegt sich die Luft nicht mehr, ist klar wie ein Spiegel und die Himmelsobjekte lassen sich besonders gut herausvergrößern.“ Ganz im Gegensatz zu anderen Gegenden der Welt, wo Observatorien mit Luftflimmern zu kämpfen haben. Wegen der idealen Konditionen hat sich das Astronomische Observatorium von Mallorca (OAM) auf die Beobachtung der Atmosphäre von Jupiter und Saturn spezialisiert und versorgt mit den Aufnahmen den Astrophysiker Agustín Sánchez-Lavega von der Uni des Baskenlandes in Bilbao, den absoluten Spezialisten für Planetenatmosphären.

Leiter Salvador Sánchez und das von ihm gebaute “Große Weiße”-Teleskop

Mallorcas Spuren im Weltall
Sánchez, selbst Ehrendoktor der Planetenwissenschaften der British Open University, hat dazu beigetragen, dass Mallorca mit der Einweihung des Observatoriums 1991 Teil des weltumspannenden Netzwerkes von Himmelsbeobachtern geworden ist. Dank ihm hat sich Mallorca auch im Universum verewigt. Denn Tausende Asteroiden wurden seither von den Wissenschaftlern
entdeckt, gleich den ersten nannten sie „Costitx“, den zweiten nach dem mallorquinischen Philosophen „Ramón Llull“. Seit 2008 schwirrt zwischen Mars und Jupiter sogar ein Planetoid mit dem Namen „Rafael Nadal“ durchs Weltall. Er hat einen Durchmesser von vier Kilometern und bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 20 Kilometern pro Sekunde. Dem Vorschlag der Sternwarte in Costitx ist es zu verdanken, dass der hier entdeckte kleine Himmelskörper mit der Bezeichnung 128036 von der International Astronomical Union nach dem Tennis-Genie aus Manacor benannt wurde.

Kopf des Zeiss Skymaster Projektors vor dem Abbild des Planeten Saturn in der Kuppel des Astronomischen Observatoriums Mallorca in Costitx.

Auf Neptun regnet es Diamanten
Die Faszination, mit der Salvador Sánchez von den unbekannten Weiten erzählt, die wir Menschen nicht einmal ansatzweise begreifen können, ist ansteckend. Vor allem, wenn man die Gelegenheit wahrnimmt, in dem populärwissenschaftlichen Part der Sternwarte, dem 2003 eingeweihten Planetarium, in die geheimnisvolle Welt der Sterne einzutauchen. Bis zu 90 Besucher passen in die schrägen Sessel, die einen bequemen Blick auf die Leinwand in der riesigen Kuppel erlauben. Der Vorführer Martin Cali am Regiepult erklärt die auf den künstlichen Nachthimmel projizierten Planetenkonstellationen, lässt den Mond so lange um die Erde kreisen, bis jedem Anwesenden klar geworden ist, wie die Mondphasen entstehen, und zeigt in bildlicher Darstellung die Form der Sternbilder. Immer wieder geht ein Raunen durch die Reihen, wenn die Fakten die Fantasie der Leute anregen. Oder welches Bild haben Sie vor Augen, wenn Sie hören, dass es auf dem Neptun Diamanten regnet? Wahlweise ist auch der großartige Film „Dawn of the Space Age“ zu sehen, eine realistische Animation über die Raumfahrterfolge der Menschheit.

Der neunjährige Muir Christie aus Schottland darf im Observatorium die Welt aus den Angeln heben.

Warum wir wegen Meteoriten zunehmen
Vor allem Kinder sind hier das wissbegierige Publikum. Sie löchern die Angestellten mit Fragen und staunen über die so begreiflich vermittelten Informationen aus der Astrophysik. Im Foyer findet sich eine Hörerschaft ein, die mucksmäuschenstill den Ausführungen des Guides über Meteoriten lauscht. „Jeden Tag kommen 10 Tonnen Gestein aus dem All auf die Erde, jeden Tag wird die Erde 10 Tonnen schwerer. Mehr Masse, mehr Gravitation. Das heißt, wir wiegen jeden Tag ein bisschen mehr“, erzählt Joan Guillem schmunzelnd. „Machen Sie sich also keine Sorgen, wenn Ihre Waage wieder mehr anzeigt.“ An den ausgestellten Meteoriten lassen sich Besonderheiten erklären und im Anschluss – sofern der Himmel klar ist – geht es hinaus zu denTeleskopen im Park, um den Planeten sozusagen Auge in Auge zu begegnen. Neueste Anschaffung, um die Beobachtung für Laien noch spannender zu machen, ist das „Gran Blanco“, das stärkste Okularteleskop Spaniens, wie Salvador Sánchez betont, mit dem man das gesamte Sonnensystem direkt beobachten kann, ohne es nur auf einem Bildschirm dargestellt zu sehen.

Die kleine Greer hat sich im gleich mit E.T. angefreundet.

Großes Interesse am Weltraumtourismus
Jährlich kommen bis zu 70.000 Besucher in die Sternwarte Costitx, von Schulklassen bis hin zu Fachpublikum. Die Arbeit der acht Beschäftigten, drei Ingenieure und fünf Guides, wird durch die Einnahmen des Planetariums finanziert, da andere Geldquellen weggebrochen sind. Martin Cali, ein IT-Fachmann, und Joan Guillem, studierter Geologe, der auch als Osteopath arbeitet, gehen neben ihrer eigentlichen Arbeit dem Dienst in der Sternwarte ehrenamtlich nach. Direktor Sánchez will mit aktuellen Themen und Konzentration auf die neuen Wissenschaften noch mehr Besucher anlocken. „Die Leute interessieren sich für Sonden auf dem Mars, für Raketen und für Weltraumtourismus.“ Die Chancen dafür werden schließlich immer reeller. Elon Musk hatte schon vor Jahren angekündigt, 2023 den ersten zahlenden Passagier zum Mond und retour zu bringen. Als zweite Ausbaustufe will Salvador Sánchez den Wissenschaftstourismus fördern – also den auf Mallorca, nicht auf dem Mond.

Sterne gucken umsonst und draußen
Manchmal ist es aber auch ganz schön, die Sterne einfach nur als Wunderkerzen am Himmel zu bestaunen. Wo lassen sich also die Stars der nächtlichen Show am besten beobachten auf Mallorca? „Auf keinen Fall rund um Palma“, sagt der Fachmann. Wer den Himmel leuchten sehen will muss dorthin gehen, wo keine Lichtverschmutzung den Blick trübt. Er empfiehlt das Tramuntana-Gebirge, zum Beispiel am Cúber-Stausee, oder das Innere der Insel. Im Dezember sind am besten die Sternbilder Fuhrmann, Zwillinge, Stier, Großer Hund und Kleiner Hund zu sehen. Im Großen Hund ganz im Süden des Sternenhimmels leuchtet der Sirius als hellster Stern am Winterhimmel.
Christiane Sternberg, Fotos: Marcos Gittis

- Anzeige -