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In der Branche rumorte es schon lange: Thomas Cook sei Pleite. Doch wie das so ist – man hoffte auf Regierungshilfen, auf Investoren und auf den Weihnachtsmann. Nichts von alledem kam, die Insolvenz wurde unvermeidlich. Zunächst nur für den britischen Teil der Unternehmensgruppe, doch am letzten Mittwoch (25.09.) hat auch die deutsche “Tochter” mit Sitz in Hessen Insolvenz angemeldet, weitere Unternehmens-Bereiche werden wahrscheinlich folgen…

150.000 Urlauber sind gestrandet
Die Zahlen von letzter Woche (Redaktionsschluss 25.09.) besagen, dass sich knapp 150.000 Urlauber mit den zu Thomas Cook gehörenden Reiseveranstaltern Neckermann, Bucher Reisen, Öger Tours und Air Marin auf Reisen befinden. Während die Briten mit Sondermaschinen “ihre” Urlauber von Mallorca nach Hause holen, stellt sich das Problem für die deutschen Touristen etwas komplizierter. Viele der Hotels, wo sie untergekommen waren oder unterkommen sollten, haben entweder den Aufenthalt abrupt abgebrochen und die Gäste gebeten zu gehen, oder schickten auch Neuankömmlinge, die am Krisentag kamen direkt wieder nach Hause. Es sei denn, sie würden nochmals für den ja eigentlich schon bezahlten Urlaub bezahlen. Chaostage auf der Insel, denn keiner weiß, ob und in welchem Umfang die Insolvenzversicherung zahlen kann oder wird, was man machen kann oder was man nicht machen darf. Auch die balearische Regierung ist besorgt, hat sie doch nach eigener Aussage im Verbund mit hiesigen Hotelverbänden und sogar der Zentralregierung in Madrid noch vor kurzem Hife signalisiert, die aber von der britischen Regierung abgelehnt worden sei.

Condor fliegt
Kleiner Lichtblick: die ebenfalls zur Thomas CookGruppe gehörende Fluggesellschaft Condor ist weiter liquide, weil ihr ein Überbrückungs-Kredit von 380 Millionen Euro von der Bundesregierung bewilligt wurde. Die eigentlich wirtschaftlich gut funktionierende Gesellschaft hofft zum einen nicht in den Strudel zu geraten und zum anderen auf einen liquiden Kaufinteressenten – hat aber seit letzten Montag (23.09.) ebenfalls den Verkauf komplett eingestellt. Ein Banner auf ihrer Homepage besagt am 25.09. jedoch: “Zusatzinformation für Pauschalreisegäste von Thomas Cook: Alle Condor-Flüge finden planmäßig statt.

Man sieht Schwarz
Fakt bleibt aber, dass die Tourismus-Branche aktuell erst einmal Schwarz sieht. Man befürchtet heftige Einbußen auch in den Bereichen Transport, Gastronomie und Einzelhandel. Bei allem halt, denn die Insel ist nun mal fast vollständig direkt oder indirekt mit dem Tourismus verknüpft und allein durch Thomas Cook kamen jährlich rund eine Million Urlauber. Hinzu kommen die Befürchtungen vieler Hotels, die sich quasi komplett dem Pauschaltourismus dieser Reiseveranstalter verschrieben haben. Ihnen fehlen jetzt nicht nur die Zahlungen für die Urlauber der letzten Wochen – Reiseveranstalter zahlen meist mit Verzögerung von sechs bis acht Wochen an die Hotels, die somit stets in Vorleistung gehen – sondern auch die Zahlungen für die jetzt nicht mehr kommenden Urlauber von Neckermann & Co. Wer jetzt keine Alternativen hat, bleibt auf der Strecke. Etliche Hotels gehen jetzt schon in die vorgezogene Winterpause, um keine zusätzlichen Kosten mehr zu verursachen.

Exkurs: Als Thomas Cook noch Prediger war
Wir schreiben das Jahr 1841. Der Baptistenprediger und Verleger christlicher Schriften, Thomas Cook, organisiert für rund 500 Reisende eine Fahrt von Leicester ins 34 km entfernte Loughborough zu einem Treffen der Abstinenzbewegung. Es folgten Reisen nach Liverpool und 1855 die erste Europa-Rundreise, damit begann die Ära des Pauschaltourismus. 1868 führte er den Hotelvoucher ein, 1869 gab es die erste Kreuzfahrt, dann wurden Reisebüros in europäischen Großstädten und das Unternehmen “Thomas Cook & Son” gegründet. 1872 startete die erste, 222 Tage währende Weltreise.

Exkurs: Neckermann macht‘s möglich
Mit diesem Werbespruch auf den Lippen flogen Millionen Deutsche “Neckermänner” bereits seit 1963 in den Urlaub. Unternehmer Josef Neckermann offerierte Reisen nach Mallorca, Tunesien, Dalmatien, Montenegro, an die Costa del Sol und ans Schwarze Meer und listete diese in einem sechsseitigen Prospekt, das er seinem dicken Neckermann-Katalog beilegte, der an Millionen Haushalte ging – der Erfolg war sensationell. Auch wegen der unschlagbar guten Preise, quasi der Aldi des Reisens: Günstig, günstiger, Neckermann. Infolge übernahm Karstadt, die mit der Lufthansa zur C&N Touristik fusionierten, inklusive der Condor-Flugdienst. Die Thomas Cook-Holding wurde von C&N wiederum gekauft und alles wurde nach der Umfirmierung zur Thomas Cook AG. Später verkaufte Lufthansa seinen 50%-Anteil an Karstadt Quelle, später umbenannt in Arcandor. Übernommen wurde der britische Reiseveranstalter My Travel und 2010 Öger Tours. Und jetzt: In der Nacht vom 22. zum 23. September 2019 hat die Thomas Cook Group plc die Zwangsliquidation beantragt…
Martina Zender

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