Didgeridoo und eine Leidenschaft für außergewöhnliche Klänge

Seit mehr als 23 Jahren spielt Hernan Livolsi das Didgeridoo und viele andere Instrumente, die er sich als Autodidakt selber bei gebracht hat. 

Das erste Mal sah er auf einer Party zwei deutsche Männer auf einem Bambusrohr spielen und er war begeistert. Er kaufte sich in einem Baumarkt ein PVC Rohr und begann zu üben. Es dauerte lange, bis er verstand, was es bedeutet die Zirkularatmung zu erreichen, die Atmung, wodurch Klangelemente ohne Atempause nahtlos aneinander gefügt werden. Bei der Zirkularatmung wird die Luft aus dem Mundraum herausgedrückt, während durch die Nase eingeatmet wird. Er studierte sogar die Anatomie des Menschen, um dahinterzukommen. Nach einem halben Jahr der Übung – wie durch ein Wunder – machte seine Atmung das, was die nordaustralischen Aborigines, im traditionellen Zusammenhang, mit aus einem von Termiten ausgehöhlten Stamm von Eukalyptusrohr, machen. 

In ihrer Tradition dient das Didgeridoo meist als rhythmisch eingesetztes Begleitinstrument für Gesänge und Tänze und spirituelle Rituale. „Aus einem Didgeridoo kann man immer nur einen Ton spielen“, erzählt er uns, „jedoch gibt es das Didjeribone, das aus zwei Teilen besteht, die ineinander geschoben sind und dessen Tonart man stufenweise verändern kann“. Hernan hat ein solches von einem der ersten Musiker ohne Aborigine-Vorfahren mit Namen Charlie McMahon erworben, der weltweit bekannt ist als Didgeridoo-Spieler. Mit diesem Instrument arbeitet er gerne, wenn er seine Schüler unterrichtet.

Flöten und Hang Drum
Neben den vielen Didgeridoos, es müssen weit über 20 sein, wovon er viele selber gebaut hat, bestehend aus verschiedenen Hölzern von Ulme, Olive, Zypresse, Eukalyptus und Bambus, gibt es viele Flöten in einem Haus mitten in Costitx. Dort ist sein Studio, sein Proberaum und seine kleine Didgeridoo-Schule. Hier ist sein Refugium, seine Welt, in der er das australische Didgeridoo, die Hang aus der Schweiz, die Flöte Fujara aus der Slowakei, die Samsula aus Simbabwe, Bambusflöten aus Nordamerika und die Hulusi Flöte aus China, sorgfältig aufbewahrt und spielt. 

Die Hang Drum besteht aus Stahlblech, aus zwei Halbkugeln, ist ein Schlaginstrument und hat eingehämmerte Felder, die die Klangzonen bilden und die beim Spielen mit der ganzen Hand verwendet werden kann, den Fingern, den Daumen, der Handfläche und der Handwurzel. Ihr Klang ist magisch und erfunden wurde die Hang im Jahr 2000 in der Schweiz von Felix Rohner und Sabina Schärer. Der Klang der Hulusi Flöte, bestehend aus einem kleinen getrockneten Kürbis, in den drei Bambusrohre eingesteckt sind, ähnelt dem eines Dudelsacks und dem einer Mundorgel. Die Fujara Flöte ist ein typisch slowakisches Volksinstrument, hat eine länge von 1,30-1,70 Meter und wird traditionell von Hirten gespielt. Es ist eine Schnabelflöte, deshalb, weil der Spieler seine Lippen auf ein schnabelförmiges Mundstück legt. Dann gibt es noch die Bansuri Flöte, die eine Querflöte ist und in der Volksmusik und klassischen Musik Nordindiens gespielt wird. Ihr Name ist aus dem Sanskrit abgeleitet und bedeutet Bambus, woraus sie auch besteht und lässt sich bis in das erste Jahrtausend zurückverfolgen.

Hernans Projekte
Viele verschiedene Projekte hat er, darunter z. B. „The Market Noise“, ein Duo, das den Sound des Didgeridoos mit Synthesizer- und akustischen Drum-Sounds verschmelzt. Jeden Mittwoch Vormittag kann man auf dem Markt von Sineu diesen Klängen lauschen. „El Meu Petit Univers“, „Mirada al Universo“ und „Planeta Sonoro“, sind Projekte, mit denen er an die Schulen geht. „Die Geschichte unseres Universums, von seinen Anfängen bis zur Gegenwart, wird durch die Musik erzählt, mit Hilfe wissenschaftlicher Aspekte. Astronomie kommt mit ins Spiel und die Frage, wie klingt der Urknall, Big Bang, wie entstehen die Sterne und das Sonnensystem?“.

„Cosmic Session“
Mit Biyi Amez, der Spezialist ist im Programmieren und im Spielen von elektronischen Musikinstrumenten (u. a. dem japanischen Tenori-on und dem russischen Theremin), hat er in dem Projekt „Cosmic Session“ eine Live-Show kreiert, die aus der Fusion von elektronischen Klängen und akustischen Instrumenten aus der ganzen Welt eine musikalische Reise durch den Kosmos darstellt. Aus der Fusion entstand „Black Noise Produccions“, das Produktionsteam der Projekte unter der Leitung von Hernan Livolsi, Biyi Amez und Xavier Villanueva (Biologe und Naturwissenschaftler, sowie begeisterter Experte für die Popularisierung der Weltraumwissenschaften und Astronomie).

„Goodoo“
Das Trio seiner Band Goodoo, die er 2004 gründete, ist Kult auf der Insel. Sie besteht aus dem Sänger Alejandro Mascarell (Deutschland), dem Perkussionisten Kiko Pizá (Mallorca) und Hernan, der gebürtiger Argentinier ist und 1998 mit 21 Jahren nach Mallorca kam. Mit Goodoo ist den Musikern eine Mischung aus Klängen vergangener Zeiten bis hin zur Modernen gelungen. Von jazzig-souligen, gerappten Vokalelementen bis hin zu improvisierten Klangbildern, von spirituell bis rituell, erreicht Goodoo auf ihren gut besuchten Konzerten seit vielen Jahren den Puls ihres begeisterten Publikums. Gerade ist ihre neue CD „Flying Fish“ erschienen.

Kontakt & Konzertinfos:
www.hernanlivolsi.com 
FB: Hernan Livolsi

Nermin Goenenc, Roman Hillmann. Fotos: Hernan Livolsi, Roman Hillmann

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