Ein kleines Mallorcaschätzchen, das keinen Massentourismus kennt, ist das Kloster bei S‘Alqueria Blanca (Gemeinde Santanyí), das Santuari de la Consolaciòn. Schon so mancher Heiratsantrag wurde auf dem Abteigelände gemacht und meistens wurde diesem Ansuchen voller Glücksgefühle zugestimmt. Als „Ort der Liebe“ oder auch als „Ort des Trostes“ ist der unscheinbare, festungsähnliche Stift bei den Einwohnern der Umgebung bekannt und hoch geschätzt.

Zwei Wege führen zu dieser, auf 205 Metern über den Meeresspiegel liegenden, etwas verschlafenen Lokalität. Die erste Zugangsvariante führt über die 230 Treppenstufen aus Sandstein, die leichter zu erklimmen sind als sie aussehen, und die zweite Option ist der provisorische Schotterpfad, der nicht besonders autoschonend ist und somit die Stoßdämpfer des Transportmittels hartnäckig herausfordert. Die eigentliche Zufahrtstraße ist im Jahre 2007 eingebrochen und bis dato wartet man geduldig und voller Zuversicht auf den Wiederbau eines vernünftigen Zugangsweges.

Die Quelle des Lebens
Oben angekommen und nachdem man den schönen Weitblick genossen hat, stellt man fest, dass das rustikale Gebäude, dessen genaues Entstehungsjahr bis heute nicht bekannt ist, sich total abgeschieden von der Außenwelt befindet. Es ist sehr ruhig, nahezu absolut
still um einen drumherum, nur das leise Knirschen der alten Kiefernäste, die von dem leichten Wind geschaukelt werden, ist ab und an zu hören. Hinein geht es über die bogenartige Eingangstür, direkt in den kleinen, von prachtvollen Blumen umrandeten Innenhof. Der erste Blick fällt auf den antiken Brunnen. Seit Jahrhunderten wird von den Bewohnern der nahe liegenden Gemeinden unter vorgehaltener Hand behauptet, dass dieses Wasserreservoir nie versiegt. Es heißt, dass sobald die Zisterne fast leer ist, der liebe Gott wieder Regen auf die Erde schickt und somit das Wasser wieder reichlich auffüllt, die nächste Dürre kann also kommen. Das nasse Element ist trinkbar und besonders für die Besucher, die vorher den Treppenparcours absolviert haben, eine erfrischende Wonne.

Erinnerungen bleiben im Herzen
Damit der Herrscher des Himmels weiterhin wohlgesonnen seinen Untertanen gegenüber bleibt, wird jedes Jahr am 11. Februar ihm zur Ehre eine Andacht gehalten. Bei diesem Ereignis bitten die zahlreichen Besucher die heilige Schutzpatronin des Regens ein gutes Wort bei dem Allgütigen einzulegen, damit dieser auch künftig das so lebenswichtige Nass herabregnen lässt. Nicht nur die Schutzpatronin ist in diesem Gotteshäuschen zu Hause, sondern auch die Madonna der Tröstung, die direkt über dem Altar aufgebahrt ist. Meistens sind es die Einheimischen, die Trost suchen und die heilige Jungfrau um diesen bitten. Zur rechten Seite des Gnadentisches ist eine kleine Nische in die Wand eingemeißelt. Jeder der es
möchte, kann ein Foto seines geliebten Verstorbenen hineinstellen, für die gemeinsame Zeit danken und für den eigenen Seelentrost beten.

Dem Himmel so nahe
Das Beste kommt ja bekanntlich immer zum Schluss und hierbei handelt es sich zweifelsohne um die Aussichtsplattform, die sich auf der Rückseite des urigen Baus befindet. Von hier aus hat man einen wunderschönen Blick auf die hügelige Landschaft, auf das Meer und an klaren Tagen ist sogar die Schwesterinsel Cabrera zu sehen! Unter den verliebten Romantikern wird dieser Panoramapunkt als der Geheimtipp schlechthin gehandelt – vor allem wegen dem Sonnenuntergang, der sich in seiner vollen Pracht über den ganzen Berg ausbreitet. Unzählige Hochzeitszeremonien wurden in dem Kloster durchgeführt und anschließend gefeiert. Doch nicht nur für Feiern ist genügend Platz vorhanden, sondern auch für Treffen von sämtlichen Sportvereinen, Kulturverbänden und sogar die verschiedensten Parteien aus der Politik sind herzlich willkommen. Keiner wird ausgeschlossen und jeder soll sich in diesem Konvent wohl fühlen. Damit es auch so bleibt, dafür sorgen drei Familien aus dem Dorf. Abwechselnd kümmern sie sich liebevoll um die ganze Anlage, hegen und pflegen diese, schließen auf und wieder ab. Das ganze geschieht natürlich ehrenamtlich und die Mühen werden nicht vergütet. Wer sich persönlich von der verwunschenen Schönheit dieser Abtei beeindrucken lassen möchte, der kann es gerne an 365 Tagen im Jahr tun, im Sommer von bis 20 Uhr und im Winter von 8 bis 19 Uhr. Es ist kein Eintrittsgeld zu entrichten. Mehr Informationen gibt es unter der Telefonnummer: 971 653 152
Juliane Mayol Pons

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