Romantische Strandpicknicks, mitternächtliches Schwimmen, Feuertänze und Sant Joan auf Menorca

Wer das Johannisfest nicht auf Menorca feiert, kann speziell die Nacht vom 23. auf den 24. Juni – diesmal ohne Pferd und Reiterspiele – auch auf Mallorca genießen. Hier feiert man in der Nit de Sant Joan gleichzeitig auch den Beginn des Sommers, die Sommersonnenwende. Man trifft sich mit Freunden und Familie am Strand, Jung und Alt, ausgerüstet mit Essen, Trinken und guter Laune. Manche sitzen im Sand, manche bringen ganze Picknickausrüstung mit samt Stühlen und Tischen. Für Licht sorgen Teelichter, die man in Papiertütchen stellt und damit einen Kreis um sich bildet (Müll bitte wieder mitnehmen!). Ein einmaliges Erlebnis. Aber Achtung: Gehen Sie nicht zu spät, denn erstens gibt es dann keine Parkplätze mehr (die Anfahrt per Bus ist zweifelsohne die bessere Alternative) und zweitens nur noch wenige schöne Plätzchen im Sand – der Andrang wird jedes Jahr größer.

Magische (Fast-)Vollmondnacht
Auch wenn wir in diesem Jahr schon am 17. Juni Vollmond haben, ist es eine faszinierende Erfahrung, ins schwarze, in diesem Fall von einem Dreiviertel-Mond beleuchteten Meer zu schwimmen. Eine fast magische Stimmung durch die vielen Lichter der zahllosen Grüppchen, die picknicken, Musik machen oder auch über Feuerhaufen springen. Mit dem Sprung übers Johannisfeuer, am besten gleich dreimal, will man übrigens – ebenso wie mit dem Bad – alles Böse und böse Geister hinter sich lassen. In Palma werden daher auch die hiesigen Teufelsgruppen wieder Feuer speiend durch die Straßen ziehen und eine Performance im Parc de Mar unterhalb der Kathedrale veranstalten. Etliche Konzerte versprechen wiederum Geister abwehrende (laute) Musik.
Übrigens: Vergessen Sie nicht, Zettel und Kugelschreiber mitzunehmen, denn eine andere Sitte ist es, Negatives zu notieren und diesen Zettel anschließend zu verbrennen, während man auf einen anderen Zettel Wünsche notiert, daraus ein Schiffchen faltet und es ins Meer setzt. Je länger es sich im Wasser hält, desto wahrscheinlicher ist es, dass Ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Man muss nur fest genug daran glauben und sich dem romantischen Zauber der Johannisnacht hingeben..

Trip nach Menorca an Sant Joan
Pomada, das berühmte kühl getrunkene Gin-Limonaden-Mixgetränk, nennt man eigentlich nur in Menorcas Hauptstadt Mahón so. In Ciutadella – die Städte liegen wie Köln und Düsseldorf im Clinch – heißt es simpel „gin amb llimonada“ oder „ginet“. Unter welchen Namen auch immer: Das von vielen geliebte Getränk fließt in Strömen und ganz Ciutadella ist Tag und Nacht auf den Beinen, wenn am 24. Juni (und einige Tage zuvor und danach) die große „Fiesta de Sant Joan“ steigt. Das traditionelle Johannisfest wird dort schon seit Jahrhunderten gefeiert. Im Mittelpunkt stehen die reinrassigen schwarzen menorquinischen Pferde, die dafür lange trainiert werden – nicht nur der Kunststücke wegen, sondern auch, um angesichts der sie umringenden Menschenmenge nicht nervös zu werden.
Obwohl das Fest durchaus auch eine religiöse Komponente hat, ist es mittlerweile ein bedeutendes Volksfest und zieht sowohl spanische Besucher aus Mallorca und dem Festland als auch zahlreiche Touristen an, die von diesem einzigartigen Spektakel begeistert sind, das alljährlich nach den gleichen Regeln abläuft und bei dem (fast) alles, von Flaggen über Kleidung und Dekoration, die Farbe Rot trägt.

Menorca: Flötentöne und Reiterspiele
Um 14 Uhr des 23. Juni beginnt das eigentliche Fest: Der „Fabioler“ reitet mit seiner Flöte auf einem Esel zum Palast des Caixer Senyor, um sich die Erlaubnis einzuholen, das Fest eröffnen zu dürfen. Zum anschließenden, immer gleich verlaufenden Festzeremoniell gehört, dass die Reiter die ersten Drehungen, „caragol“ (Schnecke) genannt, zelebrieren, es gibt zudem eine Prozession, das Vespersingen in der Klause von Sant Joan und die berühmte Haselnussschlacht, bei der sich die Einwohner von Ciutadella mit Tonnen von Nüssen bewerfen. Erst im Morgengrauen enden die Feierlichkeiten. Der große Tag aber ist der 24. Juni. Schon am frühen Morgen flötet der Fabioler erneut Teilnehmer und Hauptakteure des Festes zusammen. In der Kathedrale wird zunächst eine Messe gelesen, bevor die Reiter dann feierlich hinab zum Pla de Baixamar an den Hafen ziehen, um ihr Können, ihre Schnelligkeit und Geschicklichkeit bei den anschließenden Reiterspielen zu zeigen, umringt von Tausenden Menschen. Ein farbenfrohes Spektakel. Das Fest nimmt sein Ende unter dem Klang von Trommel und Flöte und einem opulenten Feuerwerk.


Martina Zender

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