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„Mein Freund der Baum ist tot, er fiel im frühen Morgenrot“, textete und sang die nunmehr vor 50 Jahren tödlich verunglückte Sängerin Alexandra. Die Klage um ihren „ermordeten“ Baum entbehrte damals noch jeglichem ökologischen Bezugs. Mehr als ein Schlager mit dem Zeug zum Hit war es wohl nicht.
Heute, wo wir den „Massenmord“ an unseren Bäumen – auch politisch sanktioniert – erleben, aber zunehmend zu beklagen beginnen, erhält dieses Lied eine tiefe, beinahe eine dramatische Bedeutung. Es wird uns sicher noch schwerfallen, Alexandras Lied als den ersten Öko-Song der Popgeschichte zu feiern. Das besungene und beklagte Schicksal eines Baumes bekommt in unseren Tagen des Natur-Raubbaues allerdings eine Bedeutung, die unsere Einsicht und unser Begriffsvermögen noch immer übersteigt.

Aufforstung statt Abholzung
Erinnern wir uns doch nur an die aberwitzigen Forderungen einiger Automobilclubs nach der Wende Mecklenburgs prächtige Alleen abzuholzen nur damit depperte Autofahrer nicht ihr mobil-beschleunigtes Leben an einem dieser wunderschönen Alleebäume aushauchen müssten. Gäbe es die aufrüttelnde wie wegweisende Studie der ETH Zürich (Eidgenössische Technische Hochschule) nicht, würden wir wohl weiter ziellos an Lösungen, unsere Umwelt zu retten, laborieren. Und dabei ist alles gar nicht so schwierig, bei der richtigen Einstellung ist es sogar einfach: Pflanzt Laubbäume, hegt und pflegt sie, denn sie bedeuten für uns Leben. Ein ausgewachsener Baum produziert täglich für 15 Menschen deren Sauerstoff! Nach Erkenntnissen der Schweizer Forscher bedarf es „nur“ einer aufgeforsteten Fläche von 0,9 Milliarden Hektar (Größe der USA), um so zwei Drittel der von uns verursachten CO2 Emissionen aufzunehmen. Eine effektivere Lösung, unseren Planeten vor dem Kollaps zu bewahren, gibt es nicht.

Beispiel Balearen
Eine europäische „Baum-Ausnahme“ – wer hätte es gedacht – stellen die Balearen dar. Bereits zwischen 1741 und 1745 wollten die Mallorquiner wissen, wieviele Bäume auf ihren Inseln stehen und zählten sie. Vor 278 Jahren verfügten sie über 4,7 Millionen Kiefern, über 2,3 Millionen Steineichen, über 216 Eschen, 150 Pappeln und zwei Kastanien. Die aktuelle Baum-Bilanz der Mallorquiner ist erfreulich positiv. Heute stehen 62 Millionen Bäume auf den Balearen, in der Mehrheit Laubbäume und unter strengem staatlichen Schutz. Eine exzellente Baumschule nebst Samenbank im Landgut Menut bei Lluc zieht jährlich 300.000 heimische Setzlinge zur Aufforstung abgebrannter Bereiche heran. Einem besonders strengen Schutz unterstehen so seltene Bäume wie die Feldulme, die Eibe, die Korkeiche sowie die zahlreichen Steineichenwälder, die vor jeglichen Eingriffen geschützt sind. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang das 95 Prozent von Mallorcas Wäldern in privater Hand sind.

Überlebenswichtiger CO2-Verarbeiter
Unser Freund der Baum ist für uns überlebenswichtig. Bevor wir aus irgendeinem blöden Grund unbedacht oder gar wütend zur Kettensäge greifen, nur weil wir zu faul sind, immer wieder sein abgeworfenes Laub ordentlich zu kompostieren oder ihn einem hysterischen Nachbarstreit zu opfern, sollten wir uns immer ins Gedächtnis rufen, das dieser Baum uns die Luft zum Atmen schenkt!
Gleichzeitig oder besser noch zusätzlich verarbeitet er das Kohlendioxyd (CO2 ), das dank unserer Unvernunft in so beängstigendem Ausmaß unsere Luft und somit auch unser Klima belastet. Je weniger Bäume für unser Wohl „Dienst tun“ und je länger wir verantwortungslos unser modernes, wachstums- und konsumorientiertes Leben unserer Erde zumuten, desto stärker erwärmt sich durch den hohen CO2 Gehalt die Atmosphäre unsere Erde. Die 40 Grad Celsius in Mitteleuropa kommen also nicht von ungefähr! Und so lange wir einem unberechenbaren rechten brasilianischen Politrambo die unkontrollierte Abholzung weiterer Teile des Regenwaldes gestatten, wird sich unser Klima schwerlich wieder normalisieren (Anm. d. Red.: Allein im Juli 2019 sind über 2.200 Quadratkilometer Regenwald gerodet worden. Der Amazonas-Regenwald verarbeitet jährlich über zwei Milliarden Tonnen CO2 und erzeugt ein Fünftel des weltweit verfügbaren Sauerstoffs, weswegen er als „Lunge der Erde“ gilt.).
Brach liegende oder anderweitig nicht genutzte Flächen von der Größe der Vereinigten Staaten zu bewalden ist unsere einzige, erfolgversprechende Lösung gegen den Klimawandel. Allerdings ist Eile geboten, denn es wird Jahrzehnte dauern bis diese Wälder dann wieder als CO2 Speicher und Retter dieses Planeten funktionieren.
Ralph D. Wienrich

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