Jaume Prohens, 1964 geboren in Felanitx, verbrachte seine Kindheit in der „Franco-Zeit“. Sein Vater, Besitzer eines Schuhgeschäftes im Zentrum der Gemeinde und seine Mutter, Hausfrau, erzogen ihren Sohn sehr liberal, was ungewöhnlich für diese Zeit war. Schon in jungen Jahren skizzierte er die Satirezeichnungen aus den Zeitungen. Er war sehr neugierig und aufgeweckt und sah in seiner Familie und den Menschen, die Schuhe kauften, seine Modelle. Sein wohl prägendstes Modell war sein schlafender Bruder, den man bis heute immer wieder in seinen Werken wiederfindet.

Wie es weiter ging….
Als Jaume Prohens als junger Mann das erste mal in einer Ausstellung des bekannten Künstlers Miguel Barceló (ebenfalls gebürtiger Felanitxer) war, verstand er das Kunst Raum schafft für Begegnungen, Gespräche und es ein Medium ist, zu dem er sich wie magisch hingezogen fühlte. Und so geschah es, das er 1983 mit fast 20 Jahren in der Dorfbar seine erste Ausstellung organisierte und im darauf folgenden Jahr an der Akademie der Schönen Künste in Barcelona Ästhetik, Kunstgeschichte, Modeling und Fotografie studierte. „Es war eine der schönsten und kraftvollsten Jahre, die ich in meiner Studienzeit in Barcelona erlebt habe, denn überall gab es Musik, Kunst, Philosophische Kreise, Wein, gutes Essen, Tanz… alles war leicht und besonders.“ Während seines Studiums hatte er seine ersten Einzel- und Kollektivausstellungen auf den Balearen und dem spanischen Festland. Bis zur heutigen Zeit folgten Ausstellungen u.a. in Italien, England, Deutschland, Frankreich.

Kunst und Philosophie…
In seinen frühen Werken erkennt man den Einfluss der abstrakten Malerei. „Wie herrlich, keine Gegenständlichkeit, keine Objektbezogenheit, reine Kompositionen von Farbe und innovativen Formen, grenzenlos und frei, in Schönheit und Reinheit, das alles in seiner Gegensätzlichkeit, wild. Einfach alles was kraftvoll und kreativ in dir ist, darf raus auf die Leinwand, egal wie.“ Angebunden an diese Form der Malerei, begegnet er dem Kubismus genauso leidenschaftlich in seinen Bildern wie dem Impressionismus, und genau mit Hilfe dieser Stilmittel entwickelte sich, mit dem Blick auf seine neuen Werke, seine dringlichste Konfrontation mit der Thematik in seiner Kunst „Zurück zur Leichtigkeit, unverletzt!“ Dabei kommt ihm die antreibende Suche nach der eigenständigen persönlichen Entwicklung, die ständige Neuerfindung seines eigenen Stils zu gute. Jaume Prohens, der sich hingezogen fühlt zur griechischen Antike und deren Mythologie, gibt den Platz in seinen Bildern Chimären, Athleten, tanzenden nackten Frauen und Männern, skizziert, gemalt, mit einer großen Intensität. Er bedient sich lediglich drei bis vier verschiedenen Farben, die ihm ausreichen, um Festlichkeit, Erotik, Innigkeit und Purheit zu vermitteln. Gesetztes Dripping wird verwischt und bekommt den Hautton, den es braucht, um die Wärme der Körper zu spüren. Konturen in Tinte gesetzt, um die Sinnlichkeit zu verschärfen, athletische nackte Männerkörper in erotischer Position und es macht sich eine Komposition von freudigem, leichten Treiben bemerkbar, gemalt mit einer fast schon kindlichen Technik, in Wasserfarben. Immer wieder wird der Nackte im Bild positioniert und zum Thema gemacht. „Ja, ich malte mich selbst, denn ich konnte keine männlichen Modelle finden und ich entdeckte die Nacktheit auf wundersame reine Art. Ich lasse die Nacktheit tanzen, Freude haben, trinken, kommunizieren, schlafen, sich begegnen und das ganze Nackte hat seinen Ursprung in der Unschuld der Seele.“ Gemalte Skizzen oder skizzierte Gemälde, es bleibt dem Betrachter überlassen, wie er sie definiert.
Jaume Prohens in Felanitx….
Mittig, ganz im Stadtkern gut plaziert, liegt die Galerie von Jaume Prohens auf der Carrer Major 38, unweit der städtischen Bibliothek. Genau da, wo jetzt die Bibliothek ist, entstand in der Zeit von 1997-2002 die Künstlergruppe „Underground Pruaga“. Jaume Prohens, der ein Teil dieser Gruppe wurde, beschreibt diese Zeit als „Aufschwung für alle Künstler“. Die Energie der Gruppe wurde bedeutender durch das ermöglichen von Verbindungen unter neuen Künstlern. Ausstellungen, Installationen, Konzerte, Feste – die Künstler hatten Raum. Als der Kunstraum geschlossen wurde, brauchte Jaume sein eigenes Atelier. Als das Schuhgeschäft der Eltern schloss, übernahm Jaume das Haus der Eltern und gestaltete sein Atelier und seine Galerie dort. Er ist und bleibt Felanitxer und wer an seiner Kunst interessiert ist, kann ihn besuchen.

Kontakt Jaume Prohens: Galeria Can Cabestre C/. Major, 38, Felanitx Öffnungszeiten Sonntags 10-14 Uhr Tel.: 971 582 297 www.jaumeprohens.com
Roman Hillmann, Nermin Goenenc Fotos: Roman Hillmann, Irina Cotseli, Joan Forteza

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