Das wahrscheinlich unbekannteste Kloster auf Mallorca ist das „Santa Maria de S`Olivar des Ferias” bei Fornalutx, dem Dorf, das schon mehrmals als das schönste Dorf Spaniens gewürdigt wurde. Drei Kilometer nach Sóller, wenn man der Schnellstraße Ma-10 Richtung der prämierten Gemeinde folgt, ist rechterhand der schmale Zufahrtsweg zum Claustrum, auf den ein einfaches Schild hinweist. Die Fahrtstrecke gestaltet sich als relativ holprig, doch man bemerkt diesen Mangel kaum, weil man von der wegbegleitenden, beidseitigen Steinmauer mit ihren Schießscharten von dem Makel abgelenkt wird. Am Ziel angekommen, schon vom großen und kostenlosen Parkplatz aus, fallen einem die aus Fliesen gefertigten Thesen auf, die in katalanischer Sprache, unter anderem Ruhe, Gemeinschaft und Freiheit offerieren. Über den kleinen Vorhof gelangt man direkt in das Herzstück des im modernen Stil erbauten Stiftes, den großzügigen und hellen Kirchenraum. In diesem Saal bilden die Holzbänke ein Rechteck und nicht, wie man es normalerweise gewohnt ist, Reihen, die nacheinander folgen.

Das Kloster

Bescheidenheit und Zufriedenheit
Dies sind die weiteren Leitthesen der Klosterresidenz. Der Altar besteht aus einem einfachen Holztisch, der von einer blütenweißen Tischdecke geschmückt wird, und einem Stuhl. Über dem Gottestisch hängt die goldfarbene Ikone der heiligen Jungfrau Maria, der Mutter Jesu. Auf der gegenüberliegenden Wand, von der Maria-Figur aus gesehen, befindet sich ein großes Bild, das mit viereckigen Platten aus buntem Steingut gelegt wurde. Das Tableau zeigt die heilige Jungfrau Catalina, die ewige Königin des Himmels, die den Mallorquinern voller Vertrauen und Frieden zugewandt ist. Ein großer, roter musterbedruckter Teppich aus den siebziger Jahren rundet den elementaren Charme des Klosters ab. Wieder zurück auf dem Parkplatz angekommen, führt von da aus ein kleiner Kieselsteinpfad zu der zauberhaften kleinen Kapelle. Entlang des Weges genießt man den freien Blick auf das Tramuntanagebirge, den gelegentlichen Windhauch, der den Duft der alten Kiefern und Orangenbäume nach sich zieht.

An Einzigartigkeit kaum zu übertreffen
Dies könnte man über die „Sa Capelleta“ sagen. So wird das Gotteshäuschen liebevoll von den Einheimischen genannt. Die Wallfahrtskapelle ist aus Natursteinen gebaut und wird von vier Säulen, die aus sehr großen Steinen konstruiert sind und mit ihren spitzen Enden gen Himmel zeigen, gestutzt. Doch die wahre Schönheit dieses Bauwerkes entdeckt man in seinem Innern. Durch das ausgeschnittene Holztürfenster blickt man hinein und ist fürs Erste sehr überrascht von den Innenwänden weil diese einer Tropfsteinhöhle sehr ähneln und man somit den Eindruck hat, in einer Tropfsteingrotte zu sein. Auf dem Altar wird das Erscheinen der heiligen Maria nachgestellt, die sich insgesamt 14 Mal über der Jungfrau Bernadette erhoben haben soll. Am Fuße des Szenarios ist Marias Sohn Jesus zu sehen. Leider bleibt der direkte Zugang in das Innere dem öffentlichen Publikum verwehrt und so ist die Bewunderung des Innenbaues nur durch die zwei Fensterluken der vergitterten Türen gegeben.

Kapelle von innen

Auf das Wohlwollen der Bürger angewiesen Leider trifft dies auf das Sanktuarium mit seinem Kapellchen schon vom Anfang an seiner Geschichte zu. Das religiöse Ehepaar Catalina Verd i Mayol und Damia Canals i Bernat, überließen im Jahre 1904 unentgeltlich ihre Grundstücke für die Errichtung einer Gedenkstätte der heiligen Maria. Der Kaplan Pere Lluc Ripoll i Moragues sowie seine Schwester Maria Magdalena sorgten für die Finanzierung der Andacht, in dem sie einen Teil aus ihrem Privatvermögen beitrugen und Spenden bei den Mitbürgern sammelten. Anschließend wurde die Gedenkstätte errichtet und im Jahre 1943 wurde, unter den gleichen Umständen, mit dem Bau des Klosters begonnen. Die ursprüngliche Idee war, die Baupläne von Gabriel Alomar komplett umzusetzen, doch aus den verschiedensten Gründen ist es bis heute noch nicht ganz dazu gekommen.
Viele Wege führen zum Sanktuarium
Dieses Ausflugsziel ist über viele Wanderwege zu erreichen. Die Wanderrouten beginnen in Sóller oder Felanitx und es gibt sie in verschiedenen Längen und Schwierigkeitsgraden. Es bleibt einem selbst überlassen den passenden Wanderpfad für sich zu finden. Bei der Besichtigung der Santa Maria de S`Oliver ist der Eintritt frei und dies ist im Sommer von Dienstag bis Sonntag von 9.30 bis 20.30 Uhr möglich (im Winter von 9.30 bis 17.30 Uhr). Achtung, Montag ist Ruhetag! Eine Beherbergung wäre, nach individueller Absprache, ebenfalls machbar. Mehr Informationen, Tel.: 971 631 870 oder 637 747 433.
Juliane Mayol Pons

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