Du sollst nicht töten (2. Moses 20.13)

In der Debatte um die Erhöhung von Spenderzahlen wird häufig auf das spanische Transplantationssystem verwiesen. Danach gilt jeder Bürger als Organspender, solange er nicht ausdrücklich widerspricht. Autor Ralph D. Wienrich ist bei der Recherche auf Fakten gestoßen, die meist verschwiegen werden, und die ihn selbst schockiert haben.

Wenn angeblich nur ein Hirntoter die Voraussetzung für eine Organentnahme ist, müssen wir uns zunächst ernsthaft fragen, wie tot ist der Hirntote wirklich? Empfindet er bei der Organentnahme tatsächlich keine Schmerzen, weil ein Toter bekanntlich ja keine Schmerzen mehr haben kann, oder erleidet er bei einer Organtransplantation, bei einer Organspende barbarische Schmerzen? Was gern als ein Akt der Nächstenliebe am Organempfänger gepriesen wird, kann schnell auch zu einem Gewaltakt am sterbenden Spender werden.

Wann ist ein Mensch tot?
Der Tod eines Menschen ist für uns dann klar, wenn das Herzkreislaufsystem zum Stillstand gekommen ist und die Atmung aufgehört hat. Abseits der Transplantationsthematik ist das wohl bis heute die für Jedermann verständlichste Todesdefinition. Doch er gibt einen kleinen Unterschied: Tote können keine Organe spenden! Hirntote wohl, weil deren Organe kühl und frisch am Leben gehalten werden. Dieser für hirntot Erklärte fühlt sich wie ein Lebender warm an, er wird beatmet. Aber die Hirntodproblematik ist nichts weiter als ein Todesvehikel, das in der Transplantationsmedizin zum Tragen kommt, weil man unbedingt Organe benötigt. Im normalen Sterbevorgang stirbt 10 bis 13 Minuten nach dem Herztod das Gehirn, 10 bis 20 Minuten später sterben die Zellen des Herzgewebes und der Lunge und nach 1 bis 2 Stunden setzen die Nieren aus. Als letztes Organ arbeitet nur noch der Magen-Darm-Trakt (Quelle: Fachliteratur).

Organe nur von noch “lebenden” Menschen
Aus diesem Grund kann die Transplantationsmedizin mit der althergebrachten Definition des Todes nicht leben. Denn mit Eintritt des Todes fließt kein sauerstoffreiches Blut mehr durch die Zellen und der Verwesungsprozess setzt ein. Die Qualität der Organe des Verstorbenen verschlechtert sich von Minute zu Minute. Das heißt also, wenn man Organe erfolgreich transplantieren will braucht man unbedingt Organe von lebenden Menschen, nicht von Toten!

Ein für hirntot erklärter Mensch ist aber mittlerweile nach Ansicht von renommierten Wissenschaftler und Forschern nicht tot und verspürt folglich bei der Organentnahme barbarische Schmerzen. Aus diesem Grund empfiehlt auch die deutsche Stiftung für Organ-Transplantation zur Optimierung des chirurgischen Eingriffs die Verabreichung sehr starker Schmerzmittel. Aber warum braucht ein Toter auf Empfehlung der Transplantationsmedizin überhaupt eines der stärksten Schmerzmittel, wenn er doch als Toter überhaupt keine Schmerzen mehr verspürt? Nicht selten berichten schockierte Chirurgen von Horrorerlebnissen und das sie Organspender auf dem OP Tisch festschnallen mussten, um irritierende Bewegungen des Spenders zu verhindern.

Hirntod-Begriff erst seit 1968
Der Stuttgarter Kardiologe Paolo Pavastro ist einer, der in dieser Situation Farbe bekennt. Für ihn ist der Hirntod eine arglistige Täuschung, die nur den Weg problemloser für eine Organtransplantation frei machen soll. Diese Hirntod-Diskussion dient ausschließlich der Transplantationsmedizin. Aber dabei ist bedeutsam, dass naturwissenschaftlich dieser 1968 in den Staaten extra für die Organtransplantation eingeführte Terminus nicht dem Tod unseres Verständnisses gleichzusetzen ist, er ist wissenschaftlich völlig unhaltbar. Aber nur über diesen Hirntod ist an die benötigten wie begehrten Organe überhaupt heranzukommen, die über das Vehikel Hirntod am Leben gehalten werden. So gesehen ist dieser für Hirntod erklärte bestenfalls ein Sterbender, aber immer noch ein lebender Mensch, für den es aber auch noch einen Weg zurück ins Leben geben kann!

Die Angehörigen
Die Diskussion mit Angehörigen um die Freigabe von Organen noch lange vor der Stunde „Null“ nimmt mitunter groteske Züge an. Was ihnen als ein Akt der Nächstenliebe und auch als eine Art Trost “verkauft” wird, das mit dem gespendeten Organ ein Teil des geliebten Angehörigen in einem anderen Menschen jetzt weiterlebe, erweist sich dann später im Leichenkeller als ein Horrorerlebnis: Entsetzt blicken sie nicht selten in völlig entstellte Gesichter und geschundene Körper.

Die Diskussion, ob eine Organspende ein christlicher Akt der Nächstenliebe oder aber doch eher ein Gewaltakt am Sterbenden ist, wird verstärkt geführt. Die Ärztin und promovierte Chirurgin Dr. Regina Breul, ist mittlerweile gegen den fremdnützigen Zugriff auf den sterbende Menschen: „2008 bin ich auf sehr vehemente Weise damit konfrontiert worden, dass die Hirntod-Diagnostik nicht stimmt, dass also diese Patienten, denen man Organe entnimmt, noch Lebende sein müssen. Als Ärztin kann ich es nicht vertreten, weil ich kein Leben beenden darf, und als Christin sowieso nicht. Mittlerweile gibt es immer mehr Kolllegen, die das Thema kritisch sehen“.

Viele Ärzte und Mitglieder des Pflegepersonals bewegt das Thema: „Ich glaube das große Problem in der Transplantationsmedizin besteht darin, dass die Verantwortung verteilt wird. Der Neurologe stellt den Hirntod fest, dann kommt der Explanteur und entnimmt die Organe. Er weiß, das der Neurologe diesen Menschen für hirntot erklärt hat, also kann er die Organe entnehmen. Dann kommen die Organe in das Krankenhaus und können transplantiert werden. Die Verantwortung ist nie in einer Hand. Sie ist aufgeteilt, und dadurch fühlt sich keiner wirklich verantwortlich.“

Der Fall Trenton McKinley
Der irreversible Hirntod war bereits bei dem 13-jährigen Trenton McKinley im US-Staat Maine festgestellt worden und seine Eltern hatten sich bereits für die Freigabe seiner Organe entschieden. Doch als die Ärzte die letzten Gehirnscans machen wollten, um seinen Gehirntod zu bestätigen, bewegte sich Trenton plötzlich. Trenton kehrte ins Leben zurück.

In einer ähnlichen Situation hat eine Familie in Europa, die lange und schwer an ihrer aus Nächstenliebe geprägten Entscheidung, Organe ihres schwer verletzten Sohnes zur Transplantation freizugeben, unter dem Trauma gelitten, den noch lebenden Sohn auf dem OP Tisch sterben zu lassen.

Zwischen dem klinischen Tod und dem biologischen Tod liegt ein Zeitraum innerhalb dessen eine Wiederbelebung gelingen kann. Biochemisch gesehen ist der Tod nämlich kein funktionelles Ereignis, sondern ein Prozess.

Zwischen Ethik, Moral und Gesetz
Ohne Hirntod würde es die Transplantationsmedizin also gar nicht geben. Es geht hier um Ethik, Glaube, Gesetz und Moral. Es erhebt sich doch die Frage, muss das Recht auf Leben nicht höher bewertet werden? Welchen Stellenwert darf der als Organspender in den medizinischen Blickwinkel Geratene für sich überhaupt noch beanspruchen und welchen der auf der Warteliste stehende, der auf ein lebensrettendes, lebensverlängerndes Organ hofft?

Krankheit, Sterben und Tod verdrängen wir, aber dennoch bleiben diese Themen wichtig für jeden, denn eines Tages wird man zwangsweise damit konfrontiert. Der Tod war früher für uns ein komplexes Problem, ein medizinisches, ein theologisches, ein juristisches, jetzt ist es nur noch ein medizinisches! Und ein finanzielles, denn beim Thema Organspende spielt auch der – illegale – Organhandel eine Rolle.

Pharmaindustrie verdient kräftig mit
Die Pharmaindustrie, die Milliarden an den teuren Medikamenten zur Verhinderung der Abstoßung implantierter Organe verdient, und die Transplantationsindustrie sind machtvolle Akteure. Wo es um Geld und Macht geht, gibt es keine Moral, auch nicht in der Medizin. In Deutschland gibt es keine gesetzliche Definition des Todes mehr. Sterbende, Schwerverletzte sind mit ihren Angehörigen allein, die mitunter noch nicht einmal am Krankenbett gern gesehen sind.

Der Fall Thomas Linder
Auf dem Weg zu seiner Einheit verunglückte der 22-jährige Bundeswehrsoldat Thomas Linder mit seinem Auto schwer und wurde im Uniklinikum zu Marburg über sechs Stunden operiert. Von der Polizei wird die Mutter über den Unfall des Sohnes informiert und ruft sofort in der 220 Kilometer entfernten Uniklinik an. Und wurde mit einer höchst befremdlichen Frage konfrontiert: Warum sie denn überhaupt noch nach Marburg kommen wolle? Die Überlebenschancen des Sohnes lägen bei Null. Sie solle ihn lieber so in Erinnerung behalten, wie er losgefahren sei.

Im Morgengrauen war Hildegard Linder trotzdem in der Klinik, der Stationsarzt wollte sie jedoch nicht mehr an das Krankenbett ihres Sohnes lassen, er sei so gut wie tot. Aber wenig später saß die resolute Mutter am Krankenbett und hielt zum Ärgernis der anwesenden Mediziner intensiven Kontakt zu dem beatmeten Sohn. Fortwährend wurde ihr deutlich gemacht, dass der Sohn keinerlei Überlebenschance mehr habe und sie sich doch Gedanken darüber machen sollte, Organe ihres Sohnes zu spenden – obwohl diese Frage eigentlich erst NACH dem Tod zur Sprache kommen dürfte. Die Mutter konnte sich des Eindruckes nicht erwehren, ihren Sohn in der Klinik mehr zu bewachen als zu pflegen.

Als in seinem Tubus 10 Zentimeter Wasser standen und er zu ersticken drohte, forderte sie eine Schwester auf die Flüssigkeit abzusaugen. Diese aber meinte, sie müsse Wäsche zusammenlegen. Erst als sich Hildegard Linder daran machte die Flüssigkeit persönlich zu entfernen, bequemte sich die Schwester und bewahrte Thomas Linder vor dem Ersticken. Nach einer Woche begann der Sohn wieder selbstständig zu atmen und nach drei weiteren Wochen wurde er auf Veranlassung der Mutter in eine andere Klinik verlegt. Dann kam er in die Reha und weitere sechs Monate später begann er ein Studium der Betriebswirtschaft und er darf sogar wieder Auto fahren (Quelle: Die Journalistin Sylvia Matthias bei KAO – Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V.).

Die dunkle Seite der Organspende
Es stellt sich angesichts solcher Vorkommnisse die Frage: Gibt es eine dunkle Seite der Organspende? Wenn man seine Organe nicht spenden will ist man dann ein schlechter Mensch? Ist der Patient, der als Organspender in Frage kommt, überhaupt tot oder ist er nicht eher von der Transplantationsmedizin zu Tode definiert worden? Geht es um Organspende stehen die auf der Warteliste stehenden im Vordergrund. Es fehlt an einer Aufklärung, die diesen Namen auch tatsächlich verdient.

Selbst der Chirurg Jobst Meier beanstandete noch Jahre nach dem Tod seines Vaters, einem emeritierten Richter, der gemeinsam mit seiner Frau auf Drängen der Ärzte Organe seines Bruders nach dessen „Hirntod“ zur Spende freigegeben hatte, folgendes: Nach sorgfältigem Studium der Akte stieß auf den Befund des Neurologen der ein EEG, also die Ableitung der Hirnströme gemacht hatte. Zu diesem Zeitpunkt war der Hirntod des Bruders bereits ausführlich befundet worden. Dieser Neurologe hatte jedoch festgestellt, dass in der Klinik in Sion zu diesem Zeitpunkt keinesfalls eine Nulllinie bei seinem Bruder vorgelegen hatte, also der Hirntod keinesfalls bei ihm eingetreten war.

Der Neurologe hatte zwar geschildert, das zwar zunächst keine potentiellen Hirnströme ableitbar waren, aber dann mit einer Langzeitableitung, einer etwas verstärkten Einstellung, sehr wohl eine Spontanaktivität als auch eine Reaktion auf Schmerzreize festgestellt wurde. „Das hat mich sehr erschüttert. Damit ist bewiesen, dass kurz vor seinem Tod vor seiner Organentnahme er noch nicht hirntot war. Und damit war mir auch klar, dass er bei der Organentnahme auch Schmerzen empfunden haben musste, weil der Neurologe ja geprüft hatte, das der Hirntod bei meinem Bruder nicht vorgelegen hatte und dass er auch auf Schmerzreize reagiert hatte. Mir war völlig unverständlich, wie dieser Befund übergangen worden war.“ Ralph D. Wienrich

Wann wird man zum Organspender?
Spanien ist, was die Organspende betrifft, Weltspitze. Pro eine Million Bewohner wurden 2018 46,9 Spender registriert, in Deutschland waren es 9,7. 2016 spendeten die Spanier knapp 5.000 Organe, die Deutschen nur 857 Organe. Auf Mallorca haben seit 1989 765 Menschen Organe gespendet. Spanien hat seit Einführung der Demokratie ein Opt-out-Modell, sowie es auch in Deutschland geplant war. Das heißt, jeder der im Gesundheitssystem angemeldet ist, ist auch Spender, solange er nicht widerspricht. In Deutschland ist zurzeit eine Zustimmung des Spenders bzw. der Angehörigen notwendig. Organspendeausweise können kostenlos bestellten werden unter: https://www.organspende-info.de/organspendeausweis-download-und-bestellen.html

Spenderpass in Deutschland, Foto Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
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