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„Bauernregeln“ gibt es nicht nur in Deutschland, auch auf Mallorca setzt die Natur Zeichen. So ist der frühe Besuch der wild lebenden Schildkröten auf der Suche nach Wasser der Erfahrung nach eine zuverlässige Wetterprognose für einen heißen Sommer.
Das dieser Sommer an Trockenheit sehr wahrscheinlich einen neuen Rekord aufstellen wird signalisieren mir meine Schildkröten, die “Testudo hermanni”. Kamen sie für gewöhnlich erst Ende Juli, Anfang August zum Trinken auf die Terrassen meiner Finca, so geben sie sich jetzt bereits seit Ende Mai die Ehre. Wobei sich die Feinschmecker unter den älteren Schildkröten genüsslich über die auf der Terrasse liegenden Maulbeeren hermachen und diese sogar noch in ihr Gebüsch schleppen.
Opfer der Naturzerstörung
Das rege Kommen und Gehen um diese Jahreszeit ist eine völlig neue Erfahrung, wobei sich auch die beiden Handteller großen Jungtiere schon regelmäßig um Wasser bemüht haben. Die Schildkröten hier auf der Insel leben aktuell in einer sehr bedrängten Welt. Die allmähliche Zerstörung ihres Lebensraumes und die damit einhergehende Wasserknappheit hat die Schildkröten längst schon zu einer bedrohten Spezies gemacht. Noch leben die meisten Schildkröten im Naturpark Llevant, im Osten Mallorcas.
Hilfe durch Wasser Aber dennoch ist Hilfe geboten, ohne die Tiere in ihrem Lebens-Rhythmus allzu sehr zu stören. Daher sollte eine Schildkröte nach Möglichkeit nicht aufgenommen werden und man sollte sich in ihrer Nähe auch nicht schnell bewegen, um sie nicht unnötig zu erschrecken und somit zu verscheuchen. Schildkröten sehen ausgezeichnet – besser als wir Menschen. Tun Sie diesen Tieren, die wegen ihres Durstes Ihre Nähe suchen, etwas Gutes: Graben Sie ein, zwei Trinkgefäße mit einem Wasserstand von bis zu sieben Zentimetern wenige Zentimeter in die Erde ein und belegen Sie den Boden mit ein paar Steinen. Da die Schildkröten ihren Kopf in das Wasser tauchen müssen, um trinken zu können, ist ein ausreichend hoher Wasserstand besonders wichtig.

Verliebte Schildkröten
Mit ihren bemerkenswerten kognitiven Fähigkeiten können sie sich mit anderen Reptilien durchaus messen. Sie merken sich ihre Futterstellen und ihre Fluchtwege. Dabei kommt ihnen ihr ausgeprägter Orientierungssinn zu Hilfe, der mit zunehmenden Alter immer besser wird. So orientieren sich meine paarungswütigen Tortugas immer in Richtung Westterrasse, um sich dort der Liebe hinzugeben und dies bereits zum wiederholten Mal. „Das musst du sehen“, winkte mich meine Frau Brigitte amüsiert kichernd an den Ort des Geschehens. „Na und?“, fragte ich etwas distanziert, weil ich jegliche Störung der Schildkröten ablehnte. Sie sollten hier auf der Finca ihre absolute Ruhe haben so war es verabredet. Der Lebensraum der Tiere sollte unbedingt respektiert werden und niemand sollte ihnen näher als drei Metern kommen, da ein Schildkröte nicht nur gut sieht, sondern ihre Umwelt auch sehr gut wahrnimmt. Bei 24.000 Quadratmetern durchaus machbar. Aber das rhythmische Keuchen, oder war es mehr ein Fauchen, weckte doch meine Neugier und lockte mich an den Schafszaun, der unweit unserer Westterrasse für Nachbars Schafe aufgestellt worden war. „Schau Dir das an, was die beiden da veranstalten“, sagte Brigitte. Während sich der Schildkrötenkerl mit weit aufgerissenem Maul beim Aufreiten und Behaupten fast umzubringen schien, ließ sich Madame Schildkröte stoisch durch die Botanik stoßen.

Adam und Eva
Wir haben acht Schildkröten auf der Finca. Immer wenn sie in den besonders heißen Tagen in die Nähe des Hauses kamen, kennzeichnete ich sie mit kleinen Nagellack-Punkten. Was mich bei dem Liebesspiel von Nummer 5 und Nummer 8 in diesem Augenblick überraschte und nicht minder erfreute, war die Tatsache, dass der sich gerade so heftig der Liebe hingebende Schildkröten-Mann eine ganz besondere Schildkröte war. Meine Söhne und ich hatten sie in Colònia de Sant Pere vor Jahren zwei jungen Engländern unter Hinweis auf die Strafbarkeit ihres Unterfangens abgenommen und Britannien hatte einen tierischen Untertan weniger. Erfreut darüber, wer hier nun welchen Geschlechts ist, taufte ich die beiden auf Adam und Eva.
Ralph D. Wienrich

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