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Robert Bartha hat neben der erfolgreichen Coverversion des Elvis Presley-Welthits „In the Ghetto“ in den 90er-Jahren unter anderem die Hymne „Emporio“ für Box-Champion Wladimir Klitschko produziert und komponiert. Er ist als Songwriter, Komponist und Produzent erfolgreich. Viele seiner Songs kann man in US-amerikanischen und deutschen Kinofilmen und Serien hören. Etliche Musik für Werbespots gehen ebenfalls auf sein Konto. Zudem hatte er als Fotograf Weltstars wie Tom Cruise und Rihanna vor der Kamera und gilt als einer der Top 20 an der Orgel. Seit 2017 produziert er im eigenen Tonstudio bei Llucmajor.

Entspanntes komponieren

EL AVISO: Vor dem Hintergrund Ihrer vielen erfolgreichen Engagements: Haben Ihre Eltern geahnt, was sie mal alles machen werden?
Robert Bartha: Geahnt, ist gut gesagt… (lacht). Nein, ich glaube nicht, dass sie das geahnt haben. Meine Eltern sind relativ konservativ, obwohl sie eine abenteuerliche Reise hinter sich hatten, in den 60er Jahren aus Ungarn vor dem Kommunismus geflohen waren, und dann in Deutschland als technische Zeichnerin bzw. als Konstrukteur arbeiteten. Beide haben mir zu einer Ausbildung geraten. Die habe ich dann auch abgeschlossen, als Industriekaufmann. Auf der anderen Seite wuchs immer mehr das Interesse an Musik und ich entdeckte auch mein Talent. Meine Eltern haben mich allerdings super unterstützt, indem sie mich einfach nach Lust und Laune „machen ließen“ und das Talent nicht überehrgeizig gefördert haben – nach dem Motto „du musst jetzt üben“. Und klar – schon mal hörte ich auch „Lern lieber was anständiges“. Irgendwann wurde das mit der Musik immer mehr, mit 17 Jahren habe ich ein erstes Solokonzert in Köln gegeben, in der damaligen Stadthalle. Da waren 500 Leute und alle begeistert und aus dem Häuschen.

EA: Wie sind Sie zum Orgelspiel, zur Produktion und zum Komponieren gekommen?
RB: In der Schule hatte ich einen Klassenkameraden, der hatte zuhause eine Orgel stehen. Diese tollen Töne und Klänge, diesen Spaß, den dieses Instrument vermittelt, das hat mich total angesteckt. Ich lag meinen Eltern in den Ohren, dass ich auch unbedingt so eine Orgel haben möchte, bis ich dann irgendwann zu Weihnachten eine kleine Orgel bekam, verbunden mit Gruppenunterricht. Nach anderthalb Jahren war ich mit den sechs Lehrheften durch, zu denen man eigentlich fünf bis sechs Jahre brauchte. Mein Lehrer war verzweifelt, und ich bin zu Privatunterricht gewechselt, habe Harmonielehre gelernt bei einem Musikprofessor der Musikhochschule Köln, wo ich dann auch später studierte, Komposition und so weiter. Mein ehemaliger Orgellehrer hatte übrigens später Unterricht bei mir, weil er sich wiederum ein paar Tricks abschauen wollte.

EA: …und der Schritt auf die Bühne?
RB: Das kam sehr früh. Mit 18 Jahren bin ich dann von der Firma Dr. Böhm entdeckt worden, die in Linden Orgeln baute. Die haben mich mit einem Vertrag auf Welttournee geschickt, ich war manchmal mehrere Wochen im Stück unterwegs. Dann kam die Ausbildung zum Industriekaufmann und in der Probezeit die Anfrage nach einer sechswöchigen Europatournee, ich war sehr dankbar, dass es dafür Sonderurlaub gab. Das war dann meine erste große Europatournee durch 24 Städte, mit jeweils 800 bis 1.000 Zuschauern. Als die Firma Böhm dann vier Jahre später Konkurs anmeldete, weil Orgeln zum selber zusammen bauen nicht mehr so liefen, war das auch für mich ein Schuss vor den Bug und ich überlegte, ob Orgel spielen wirklich Zukunft hat. Ich spiele noch immer, bin regelmäßig mit der Wersi Orgel weltweit auf Konzert-Tournee, trotzdem war das damals so ein Weckruf: Das kann nicht alles sein… und dann fing das irgendwann richtig an mit dem Komponieren und Produzieren.

EA: Udo Jürgens hat komponiert, aber ungern getextet. Was liegt Ihnen am meisten?
RB: Ich komponiere auch lieber. Ich kann mich nicht hinsetzen und mir sagen, ich schreibe jetzt einen tollen Text, dann fällt mir wahrscheinlich lange nichts ein. Bei der Klitschko-Hymne war das beispielsweise eine naheliegende Eingebung. Ich bin mit Wladimir Klitschko bei fünf Kämpfen mit einmarschiert, bevor er in den Ring stieg. Das sah sicherlich witzig aus, der sehr große Klischko mit noch zwei größeren Bodyguards und der kleinere Bartha, aber das war die Auflage, damit ich das vom Tempo her richtig einschätzen und die Emotionen auffangen kann. Danach vergingen drei Wochen, in denen ich noch suchte, und dann war alles komplett da, die Musik, der Text… und ich habe geschrieben, und geschrieben… bis alles komplett war.

EA: Was bedeutet für Sie Mallorca, privat und als Ort der Arbeit?
RB: Haben Sie viel Zeit mitgebracht? (lacht) Ich fasse es kurz zusammen: Ich liebe Mallorca. Als ich Mitte 20 war, war ich das erste Mal auf Mallorca, noch sehr befangen durch das Image als „Putzfrauen-Insel“. Aber es war dann alles ganz anders: Die Vielseitigkeit und die Herzlichkeit der Menschen, die Integrationsfähigkeit, auch von Kindern und alten Menschen, da ging mir das Herz auf, das ist in Deutschland nicht so. Ich bin regelmäßig zurückgekommen und habe auch schnell den Finca-Urlaub für mich entdeckt. Das war noch eine Steigerung: Eine Finca und mit dem Mietwagen um die ganze Insel rumfahren und erforschen, entdecken – das hat mir so viel Freude gemacht. Zusammen mit meiner Verlobten wuchs die Sehnsucht auf der Insel zu leben. Nach drei Jahren kann ich sagen, es war die richtige Entscheidung.

EA: Ein wesentlicher Teil Ihrer Arbeit passiert im Hintergrund. Sie sind erfolgreich, werden aber nicht erkannt.
RB: Das ist großartig, es macht mit total viel Spaß, dass ich dieses Zweigleisige habe. Einerseits produziere ich gewisse Stars, die im Rampenlicht stehen, bei denen viele Tausend Zuschauer in die Arena rennen, und ich Backstage sitze und denke: Wow, dass meine Musik so gut ankommt, das ist toll. Auf der anderen Seite bin ich dann mit meinen eigenen Orgel-Konzerten in einer Nische „Star“ und werde ansonsten nicht erkannt. Das ist für mich ein Vorteil, da kann man in Ruhe Kaff ee trinken gehen.

EA: Musik emotionalisiert, Musik manipuliert. Was ist Ihr Anspruch an Musik, gibt es Grenzen beim Komponieren und Produzieren?
RB: Manipuliert ist mir als Wort zu negativ behaftet. Mit Musik kann man sehr viel erreichen, aber ich habe Musik immer als ein positives Tool gesehen. Zum Beispiel kann Musik heilen, das ist nachgewiesen. Was im Körper mit entsprechender Musik passiert, ist erstaunlich. Ich habe ein Projekt mit der Akademie für Neurowissenschaften und wir arbeiten mit vielen führenden Professoren zusammen, zum Beispiel dem Nobelpreisträger Prof. Dr. Eric R. Kandel, mit dem ich in New York darüber diskutiert habe, was Musik mit dem Gehirn macht. Musik kann emotionalisieren, das habe ich bei dem Klitschko-Kampf gesehen. Hätte er den Kampf verloren, wäre die Hymne vielleicht negativ behaftet gewesen. Er hat aber genau mit dieser Hymne seinen ersten Weltmeister-Titel geholt, und schon war die Hymne in den Top-10 und hat Gold gemacht. Oder auch der Song den ich für die Akademie geschrieben habe „Children are the Future“, da geht es um Bildung und Förderung, für Bücherlesen und Musikhören. Denn wenn man ein Buch auf dem iPad liest, passiert neurowissenschaftlich etwas ganz anderes als wenn man eine Zeitung oder ein Buch liest. Da bilden sich Synapsen, beim iPad interessanterweise nicht.

EA: Gibt es Aufträge, die Sie abgelehnt haben? Es ist interessant, was Musik in der Politik bewirken kann, würden Sie für Parteien komponieren?
RB: Ich bin tatsächlich schon gefragt worden und habe lukrative Aufträge abgelehnt, ich möchte mit meiner Musik gar nicht so politisch werden. Denn was mir generell wichtig ist, ich möchte mir treu bleiben und nicht meine Seele verkaufen. Es gibt andere Beispiele, etwa bei der Klitschko-Hymne einen Milliardär, der die Hymne kaufen und als Komponist erscheinen wollte. Er hat Summen genannt, wo andere sicherlich überlegt hätten. Ich habe ihn nur etwas irritiert angeschaut und gesagt, das mache ich nicht. Mein Nein konnte er gar nicht fassen.

EA: Wir sind gerade in der Weihnachtszeit, man hört immer wieder die gleichen Lieder. Das hat auch Ihren Ehrgeiz für neue Kompositionen geweckt…
RB: Ja, ich habe tatsächlich schon drei Weihnachtsalben produziert, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Da sind auch viele Eigenkompositionen dabei, und ich habe viele Weihnachtslieder „auf links gedreht“, was bedeutet, ich habe diese typischen Weihnachtslieder zum Beispiel lateinamerikanisch verpackt oder im Swing-, als Jazz- oder im Big Band-Style. Angefangen hatte es mit 12 Weihnachtstiteln bei Sony Music, mittlerweile sind es vier Alben.

EA: Was bedeutet für Sie Weihnachten und wie verbringen Sie Weihnachten?
RB: Ich bin ein traditioneller Weihnachter. Ich mag die echte Tanne, die im Wohnzimmer geschmückt wird, es gibt seit gut sechs Jahren eine Wichtel-Party mit Freunden, so zehn Tage vor Weihnachten. Jeder bringt Baumschmuck mit und dann wird der mittlerweile vielleicht verrückteste Baum der Insel geschmückt.

EA: Welche Projekte sind für Sie in Zukunft besonders spannend? Was steht in nächster Zeit an?
RB: Nach drei Jahren habe ich gerade wieder ein eigenes Album herausgebracht „Live in Concert“ als Organist. Ganz spannende Projekte, die jetzt gerade auf der Insel produziert werden, sind einmal Ozzy Lino, ein Sänger aus Malta, der vor zwei Jahren weltweit mit einem Video über 100 Millionen Views auf Facebook erreichte. Damit verbunden ist ein kleines Wunder: Meine Verlobte hatte mit mir über ihn gesprochen und zwei Tage später rief ein Bekannter an: Hier sucht jemand aus Malta einen Produzenten. Dann gibt es noch eine Solistin an der Geige aus Polen, Alicja Chrzaszcz, das wird ein Klassik-Crossover-Album mit modernen Beats und Styles. Untypisch für mich ist ein Projekt mit deutscher Schlagermusik, gesungen von Roman Neyer, allerdings mit sehr viel Musikalität und auf hohem Niveau, auch das ist ja möglich.
www.robertbartha.com

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