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Der Kosmopolit Ato C. Yankah ist der bekannteste Gentleman-Blogger im Internet und beschäftigt sich mit Themen wie „Stil“ und „Haltung“. EL AVISO befragte den Neffen des im August verstorbenen UN-Generalsekretär Kofi Annan zu gesellschaftlichen Vorbildern und deutscher Politik.

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EL AVISO: Bei den Themen „Stil“ und „Gentleman“ könnte man meinen, es geht ihnen um eine Neuauflage der Benimm-Regeln des altbekannten Knigge. Was bedeutet für Sie Stil?Ato C. Yankah: Stil hat nicht nur etwas mit Benimm Regeln, sondern auch mit der holistischen Anschauung von sich selbst zu tun. Es gibt den Teil der Umgangsformen, die das Leben erleichtern, aber auch eine Haltung, beispielsweise: Erwarte nichts und wertschätze alles, was Dir gegeben wird. Das heißt, jemand der stil- sicher ist, verfügt über die Basiskenntnisse des Benehmens  „danke“, „bitte“ und „Guten Tag“  ist aber auch jemand, der sich selbst bewusst ist und sich dementsprechend kleidet und präsentiert. Wir leben in einer wahrlich komischen Zeit und alles was bei Knigge so festgeschrieben ist, müsste eigentlich fließend sein. Schauen sie sich alte und neue James-Bond-Filme an da hat sich auch der Gentleman entwickelt. Ich glaube, dass man Stil nicht lernen kann, sondern dass man Stil begreifen muss.

EA: …sozusagen als Gegenentwurf zum gesellschaftlich dominanten Alpha-Mann oder auch der Alpha-Frau?
AY: Vielleicht ist der Alpha-Mann auf den ersten Blick erfolgreich, aber ist er auch glücklicher? Immer vorne, immer stark, immer der Erste, immer laut und so weiter  wenn ich mir ein Getränk mische aus all dem, fehlt immer die menschliche Komponente. Wie sieht es bei ihm aus, wenn er die Augen zumacht, wann kommen die Dämonen? Übrigens der Wolf im Wolfsrudel läuft selten vorne voran, er will doch lieber seine Kinder im Blick haben. Es hilft übrigens, Kinder zu haben. Dann ist zumindest die Chance da, die Prioritäten anders zu setzen. Einen reichen Mann erkennst Du daran, wenn seine Kinder auf ihn zukommen und nichts von ihm wollen, außer einfach mal gedrückt zu werden.

EA: Wir werden ja noch ein wenig über den Gentleman sprechen, wie ist denn in der Welt des Gentleman die Rolle der Lady?
AY: Die Lady ist es, die den Gentleman antreibt. Ich habe eine sehr starke Mutter und habe eine tolle Frau und weiß das zu schätzen. Ladies sind so wie ein Kraft- werk. Sie haben eine ungeheure Verantwortung, gerade wenn es um die Kinder geht, geben aber immer den Anschein, es ist alles nicht beschwerlich. Für Kinder ist der gegenseitige Umgang wichtig in der Erziehung, als Vorbildfunktion.

EA: Passen Stil-Regeln in eine Zeit, in der es für viele Menschen um das schlichte Überleben geht, denken sie nur an viele Flüchtlingsschicksale?
AY: Stil ist unerlässlich, gerade in dieser Zeit, die kalt, digital und sarkastisch ist und die von Populismus geprägt wird. In einer Zeit, in der Trump und die Kadashians die meist gegoogelten Namen sind, läuft es wie Brot und Spiele  ich gebe euch etwas, das euch ab- lenkt, aber nach zwei Minuten kommt der Hunger wieder. Aber ich sehe auch eine Gegenbewegung, immer mehr Menschen wünschen sich Inhalte, die ihnen Orientierung geben und das erwärmen, was einen Menschen ausmacht und das ist Nächstenliebe und Liebe überhaupt.

EA: An welche prominenten Menschen denken sie – positiv wie negativ – bezogen auf die Vorbildfunktion eines Gentleman?
AY: Zu den Begriffen Stil, Gentleman und Erfolg fallen mir Menschen ein wie mein Onkel Kofi Annan, John Mc-Cain oder Hans-Dietrich Genscher. Das sind Menschen, die etwas geleistet haben, die etwas zu erzählen gehabt haben und sich moralisch nicht haben korrumpieren lassen. Das setzt voraus, dass ich in wichtigen Fragen auch Nein sagen kann, etwa bei einem vermeintlich guten Geschäft, dass man aber nach hinten heraus nicht vertreten kann. Das hat den Stil eines Gentleman und ist Leadership. Das absolute Negativ-Beispiel ist Trump. Seinen Aussagen ist zu entnehmen, dass es ihm vor allem um äußere Bestätigung geht, die der Gesellschaft nicht dient, was einem Gentleman fremd ist.

EA: Sie haben ihn bereits erwähnt, welche Bedeutung hat ihr Onkel Kofi Annan in diesem Zusammenhang für Sie?
AY: Er hat es geschafft, erfolgreich zu sein, aber auch erfolgreich als Mensch zu sein. Dass sind zwei verschiedene Dinge – und das zeichnet einen Gentleman aus. Für die Politik ist er als ein Fels in der Brandung verloren gegangen. Als er starb, habe ich meinen Kindern von ihrem Großonkel erzählt, und dass wenn man zu ihm kam, er immer einen Rat hatte, vielleicht war das nicht immer die Lösung, aber er hat immer inspiriert, in eine Richtung zu denken, die höchst wahrscheinlich zur Lösung geführt hat. Mit einer ganz besonderen Aura hat er Menschen zusammengeführt und zwischen ihnen ver- mittelt. Diese Art Menschen fehlen uns komplett.

EA: Trump, Fake-News und Populismus – was läuft denn bei den Vorbildern falsch?
AY: Zunächst einmal haben wir ja keine Vorbilder mehr. Ich sehe zurzeit niemanden, der uns mit Würde, Integrität und Haltung ins 22. Jahrhundert führt und für mich ist fraglich, was nun nachkommt. Ich habe kürzlich einen Satz von Platow gelesen, der ja bekanntlich rund 400 vor Christi lebte. Da wurde eine Szene mit Kindern und ihrem schlechten Benehmen in einem Schulraum beschrieben, vergleichbar einer Situation aus der heutigen Zeit. Das hat mir sehr viel Hoffnung gegeben, dass es die nächste Generation doch irgendwie hinbekommt. Wir brauchen künftig Menschen, die affin sind mit moderner Technik, die aber zugleich die traditionellen Werte und Bräuche ebenso schätzen.

EA: Was ist ihr Rat für Menschen, die eigentlich Vorbild sein sollten?
AY: Konsequent sein. Man sollte nicht über alles zehnmal diskutieren, um zu sagen, wir haben darüber diskutiert und meinen, es könnte richtig sein. Das versteht der normale Bürger nicht und das verstößt auch gegen unsere Sitten wie im aktuellen Fall Saudi-Arabien. Da ist ein Mord passiert, man hat aber gerade Deals mit den Menschen laufen, die diesen Mord scheinbar befohlen haben und dann entsteht eine unsägliche Diskussion: Ein Lager sagt, wir machen nie wieder mit denen Geschäfte und ein anderes Lager sagt, es ist ja nur ein Menschleben, wir können doch nicht 450 Millionen Dollar und Arbeitsplätze auf das Spiel setzen wegen eines Menschenlebens. Das ist der falsche Ansatz.

EA: Und wie sieht es mit der Gentleman-Tugend Konsequenz mit Blick auf den Populismus aus, der ja vor allem gegen das Establishment agiert?
AY: Die rechtspopulistischen Entwicklungen sind aus- schließlich Ergebnis von Nicht-Konsequenz. Parteien müssen aufhören, Everybodys Darling zu sein. Die AFD ist daraus die logische Folge. Erst wenn Politiker und Parteien konsequent sind, führt das wieder zu Respekt. Ich muss einen Politiker ja nicht unbedingt mögen, aber ich muss wissen, wo er steht. Heute weiß ich doch nicht mehr, wer für was steht. Wenn Deutsche auf mich zu- kommen und sagen, Mensch Ato, Du kannst das sagen, Du hast ja eine andere Hautfarbe, wir werden gleich als Nazi verdächtigt, dann läuft schon etwas ziemlich falsch in einer Gesellschaft. Ich darf sagen, kriminelle Ausländer gehören ausgewiesen, der sogenannte Bio-Deutsche bekommt ein Problem damit, wenn er das sagt.

EA: Da sind wir nun auch beim Thema Integration  als Frage einer Haltung?
AY: Ja, selbstverständlich. Fragen Sie sich mal, ob Sie einem Menschen, der in Not geraten ist und vor ihrer Tür steht, reinlassen würden. Ja klar, sagen sie, und das hat die Politik gemacht. Und die Antwort der Politik ist auch ehrenwert, die Tafel einfach etwas länger zu machen. Nur man muss es natürlich so machen, dass die eigenen Menschen im eigenen Haus immer geschützt sind. Wenn Menschen, die das Land jahrzehntelang aufgebaut haben, Flaschen sammeln müssen, um ihre Rente aufzubessern und plötzlich kommen Fremde ins Land, denen alles gestellt wird, warum wundert man sich über den Erfolg von Parteien wie der AFD?

EA: Wo beginnen sie angesichts dieser sehr komplexen Gemengelage, Stil und Werte in diese Welt zu tragen?
AY: Ich versuche meinen Kindern beizubringen, dass es richtig und falsch gibt. So versuche ich auch mein Leben zu leben. Dieses, es ist richtig, es ist falsch, aber… ist schon so eine Aufweichung, die gar nicht geht. Wir müssen es schaffen, dass wieder Vorbilder aufgebaut werden. Dabei müssen wir wieder lernen, das die Kraft Positives zu erbringen, zum Beispiel einfach freundlich jemanden einen guten Tag zu wünschen, erfüllender ist, als sich mit starrem Blick auf das IPhone durchs Leben zu wurschteln.

Sein berühmter Onkel: Kofi Annan            Ato C. Yankah und Frank Heinrich (EL AVISO)

Das Gespräch führte Frank Heinrich.

Ato C. Yankah hat seine Wurzeln in Ghana und stammt aus einer der bekanntesten Familien Afrikas. Sein Onkel ist der kürzlich verstorbene ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan, sein Vater ein berühmter Herzchirurg. Der Kosmopolit lebt nach Stationen auf vier Konti- nenten mit seiner Frau und zwei Kindern in Hamburg. Yankah produzierte u.a. Bed & Breakfast und Coolio, schrieb Songs für die Söhne Mann- heims, Tic Tac Toe und Scorpio und managte Pierre Sarkozy und Nastassja Kinski, bevor er 2013 die Internet-Plattform “Gentleman’s Essentials” gründete. Dort propagiert er das Thema Stil, von der Bekleidung bis zur Haltung.Er berät zudem Celebrities und Unternehmen bei Social Media Auftritten und hat als Influencer derzeit rund 850.000 Follower.
Website: www.gentlemansessentials.tumblr.com

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