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Abwartend stehen Don, Camillo und Pepone in der duftenden Blumenwiese und beäugen die Besucher, die ihr Terrain betreten haben. Nur an den aufgestellten Ohren ist zu erkennen, dass sie aufmerksam verfolgen, was vor sich geht. Neugierig sind die drei Alpaka-Wallache zwar schon, doch mit dem Näherkommen lassen sie sich Zeit. Wer ihr Vertrauen gewinnen will, der muss es ruhig angehen lassen. Auch wenn ihr niedliches Aussehen dazu verleitet, sich in das weiche Fell schmiegen zu wollen – Alpakas sind keine Kuscheltiere. Sie lassen sich nicht mit Aufmerksamkeit überfallen wie ein Ziegengehege im Streichelzoo. Alpakas wollen selbst entscheiden, wann und wie die Begegnung zwischen Mensch und Tier stattfinden wird. Also Geduld!

Armin Haider unterhält sich mit einem Alpaka.

Das Geschenk der Alpakas
Vor einem Jahr haben Don (9), Camillo (9) und Pepone (3) auf der Hacienda von Iris und Armin Haider ein neues Zuhause gefunden, nachdem die vormalige Alpaka-Farm auf Mallorca schließen musste. „Wir haben uns bewusst für die drei entschieden, obwohl wir wussten, dass Don krank ist“, sagt Iris. Bei den Haiders wohnen außerdem noch vier Pferde, vier Hunde und eine zwanzig Jahre alte Katze. Ihr Wissen über Alpakas haben sie sich aus Büchern und bei Treffen mit dem österreichischen Kenner der Szene, Joe Thöni, genannt „Lama-Joe“, angeeignet. Den Rest haben die Tiere selbst sie gelehrt. „Es sind kluge und absolut entspannte Wesen“, schwärmt Iris. „Die Ruhe, die sie einem geben können, ist ein Geschenk.“

Iris Haider läßt ein Alpaka im Parqour springen.

Wellness für die Seele
Die drei Mallorca-Alpakas hatten jetzt genügend Zeit, den Besuch einzuschätzen und nähern sich bedächtig. Ihre Mimik vermittelt den Eindruck, als würden sie ständig lächeln. Damit erinnern sie frappierend an Fuchur, den Glücksdrachen aus der „Unendlichen Geschichte“. Ihre Freundlichkeit ist ein Charakterzug von ihnen, ebenso wie ihre sprichwörtliche Geduld. Die Ruhe, die sie ausstrahlen, fällt auf einen selbst zurück. Hektische Bewegungen und innerer Stress verflüchtigen sich, wenn man ihnen beim Füttern oder Baden zuschaut. Wellness für die Seele! Um den Effekt noch zu steigern, bietet die Alpaka-Hacienda ihren Gästen auf Wunsch zusätzlich ein kleines Picknick im Gehege, einen Besuch in der hauseigenen Turmsauna und sogar Massagen an.

Am liebsten baden die gemütlichen Tiere in ihrem kleinen Pool.

Erlebnis für Tiere und Besucher
Damit Don, Camillo und Pepone sich nicht langweilen, brauchen sie allerdings auch neue Herausforderungen. „Es sind intelligente Tiere, die schnell lernen. Sie wollen beschäftigt werden“, erklärt Iris. Der kleine Parcours auf dem Gelände ist daher eine Art sensorische Schule für die Alpakas mit Steig- und Balance-Übungen. Dem kleinen Pepone kommt das Hindernis mit den Flatterbändern äußerst suspekt vor, aber gutes Zureden und das Vorbild seiner Artverwandten machen ihm Mut. Als er die Hürde genommen hat, schaut er sogar stolz in die Runde. „Besucher können sich zusammen mit den Alpakas den Parcours erobern. Dazu müssen sie sich aufeinander einlassen, das schweißt zusammen.“ Die ParcoursRunde ist als Anreiz gedacht und nicht als Dressurübung, betont Iris. „Alpakas bleiben immer ihr eigener Herr, sie lassen sich weder reiten noch fremd bestimmen.“ So, wie sie selbst respektiert werden wollen, so begegnen sie auch anderen Wesen mit Rücksicht. „Sie halten sich stets an den natürlichen Individualabstand und werden einen Menschen nie absichtlich umrennen oder treten.“ Aber zur Wehr setzen können sie sich sehr wohl! Ihre Waffe ist grün und riecht unangenehm. Wie Lamas spucken sie, wenn sie Zorn oder Unwillen ausdrücken wollen, vor allem wenn es darum geht, die Rangordnung zu klären.

Artgerechte Haltung
„Das Wohl der Tiere geht immer vor“, sagt Iris. „Deshalb lassen wir auch Besuchsprogramme nur für bis zu vier Gäste zu und das lediglich einmal pro Tag.“ Für die artgerechte Haltung der Alpakas wurde ein großes Geländestück komplett umgestaltet. Hier haben die Tiere alles, was sie brauchen: Schatten, Rückzugsorte, eine große Graskoppel, um sich ordentlich auszutoben, windgeschützte Ecken und luftige Plätzchen. Im Sommer steht ihnen sogar ein eigener Pool zur Verfügung. Den haben die Haiders jetzt schon aufgebaut, denn nichts lieben Don, Camillo und Pepone mehr als im Wasser zu planschen. Als Armin den Gartenschlauch aufdreht, trotten sie näher. Um die herumstehenden Besucher machen sie gechillt einen Bogen und kümmern sich nicht weiter darum, dass sie beobachtet werden. Den Genuss, mit dem sie sich dem Wasserstrahl hingeben und sich schließlich auf den Knien in das kleine Becken niederlassen, kann man an ihren Gesichtern ablesen.

Alpakas im Gehege

Vlies der Götter
Das schöne dichte Fell klebt jetzt nass an ihrem erstaunlich schmalen Körper. „Bald werden sie geschoren“, erklärt Iris, „dann sehen sie von ihrer Form her so ähnlich aus.“ Die Wolle von Don, Camillo und Pepone lassen sie zu Kissen für Allergiker verarbeiten. Für die Qualität ihres Fells sind die Tiere schließlich ebenso bekannt wie für ihr friedliches Wesen. Das „Vlies der Götter“ soll neben Seide und Kaschmir zu den kostbarsten Geweben der Welt zählen. Alpakas sind auch absolut reinliche Tiere. Sie haben auf der Hacienda extra ein paar Plätze auserkoren, um ihr Geschäft zu erledigen, der Rest der Anlage bleibt sauber.

Armin Haider füttert die Tiere.

Keine Kuscheltiere
Stundenlang könnte man in der Koppel stehen und ihnen zuschauen. Deshalb haben die Haiders im Gehege auch einen kleinen Tisch und Stühle aufgestellt, wo Besucher ganz in Ruhe eine Stunde zubringen können. „Das Verhalten der Alpakas spiegelt die Menschen und ihren Zustand wider“, sagt Iris. „Wenn die Gäste nervös sind, halten die Tiere Abstand. Wenn sich die Besucher
entspannen, kommen die drei auch näher.“ Streicheln und umarmen lassen sie sich zwar nicht, aber wenn man sie füttert, haben sie nichts dagegen, wenn sie ein wenig am Hals gekrault werden. Gerade Kinder entwickeln offenbar ganz instinktiv ein Gespür dafür, wieviel Nähe die Tiere zulassen. „Dass unsere Alpakas so zugänglich sind, ist auch den Besuchern zu verdanken, weil sie erfahren, dass Menschen gut zu ihnen sind.“
Infos: Alpakas Mallorca bei Felanitx, www.alpakas-mallorca.com
‘Besuch nur nach Voranmeldung 1 Std. Alpakas hautnah mit Fütterung 22 € p.P. / 1,5 Std. Fütterung inkl. Picknick 39 € p.P. / 1 Std. Trailparcours 49 € p.P.
Komplettpaket (Alpakas hautnah, Jacuzzi, Sauna, Massage, Getränk und Tapas) 170 € p.P.
Alpaka Steckbrief:
Das Alpaka ist eine aus den südamerikanischen Anden stammende domestizierte Kamelform, die vorwiegend wegen ihrer Wolle gezüchtet wird. Schon die Inkas besaßen große Alpakaherden, doch nach der Eroberung Perus durch die Spanier, die ihre mitgebrachten Schafe den einheimischen Nutztieren vorzogen, wurde das Alpaka nur noch von der indianischen Bevölkerung genutzt und war zwischenzeitlich fast ausgestorben.
Christiane Sternberg. Fotos: Marcos Gittis

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