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Die außergewöhnliche Frau starb mit 101 Jahren

Florence Knoll, spätere Basset, geborene Schust wurde am 24. Mai 1917 in den USA geboren und starb dort 101 Jahre später am 25. Januar diesen Jahres. Sie war eine der renommiertesten US-amerikanischen Designerinnen und Architektinnen des 20. Jahrhunderts und eine Vorreiterin in der Herstellung moderner Möbel. Ihre innovative Innenraumgestaltung beeinflusste die zeitgenössische Innenarchitektur nachhaltig. Und das in einer Zeit, wo alles männlich dominiert war.

Wie alles begann Florence Schust stammte aus einer vermögenden Großbäckerei-Dynastie. Nach dem Tod der Eltern war sie Internatsschülerin. Auf dem Gelände des Schulkomplexes befand sich die Cranbrook Academy of Art, die sich unter der Leitung von Eliel Saarinen zum Zentrum für fortschrittliche Architekten und Künstler entwickelte. Saarinen und seine Frau Loja wurden auf die Begabung des jungen Mädchens aufmerksam, und wenn sie während der Ferien mit ihrem Sohn Eero in ihre alte Heimat Finnland und andere Länder Europas reisten, nahmen sie das Mädchen mit. Dort lernte es die herausragenden Bauwerke der europäischen Architekturgeschichte kennen. Auch machte das Ehepaar Saarinen das junge Mädchen mit befreundeten Künstlern wie Le Corbusier, Frank Lloyd Wright und Alvar Aalto bekannt. Die intelligente, unaufgeregte Eleganz, die später ihre Interiors prägt, zeichnete sie schon damals auch als Person aus. „Florence ziert jede Party“, ist 1934 im Jahrbuch der Kingswood Mädchenschule in Michigan zu lesen. Nach dem Schulabschluss begann Florence Knoll ein Studium an der Cranbrook Academy of Art. Ab 1935 studierte sie an der ältesten Hochschule für Architektur, der Architectural Association in London. Als mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs alle amerikanischen Studenten in Europa in die Vereinigten Staaten zurückkehren sollten, kamen der Studentin ihre Kontakte zugute: Wesentlich für ihre Entscheidung für die Universität Harvard war, dass der emigrierte Bauhaus-Designer Marcel Breuer, der Erfinder der Stahlrohrmöbel, dort an der Harvard University Graduate School of Design unterrichtete. Am Illinois Institute of Technology war sie Studentin von Ludwig Mies van der Rohe. Von ihm habe sie „mehr gelernt als von jedem anderen und das in weniger Worten“, denn „das Wichtigste, was Mies mir beibrachte, war, Ideen zu verdeutlichen, Dinge bis auf das bloße Skelett herunterzubrechen und nur mit der reinsten Form von Design zu arbeiten.“

Aus Schust wurde Knoll
Sie begann ihre berufliche Tätigkeit im Architekturbüro von Marcel Breuer und Walter Gropius in New York. Parallel arbeitete die Berufsanfängerin bereits als selbstständige Architektin und lernte im Rahmen ihrer Arbeit den Möbelfabrikanten Hans Knoll kennen und trat 1943 in seine Firma ein, 1946 heirateten die beiden. Laut Florence war Hans ein „phantastischer Verkäufer und brillanter Unternehmer“, der die geschäftliche Leitung übernahm, während sie an der Spitze der neu gegründeten Planungsgruppe stand und alle Designbereiche der Firma ihr unterstellt waren. Das ständig expandierende Unternehmen baute nicht nur auf Florence Knolls eigene Entwürfe, sondern spezialisierte sich auch auf Ideen innovativer Architekten und Designer wie Ludwig Mies van der Rohe oder Marcel Breuer, die Einrichtungsgegenstände für Knoll konzipierten. Zu den berühmtesten für die Firma Knoll ausgeführten Entwürfen gehören der „Womb Chair“ (1946) oder der einbeinige „Tulip Chair“ (1955–56) von Eero Saarinen, der legendäre „Barcelona Chair“ von Mies van der Rohe (1947, den die Firma bis heute baut) und die Drahtstuhl-Kollektion von Harry Bertoia (1952). Ihre eigenen Stücke bezeichnete Knoll als Füllstoff, aber sie übernahm von Ludwig Mies van der Rohe die Konzentration auf Details und von Eliel Saarinen die Einbeziehung aller Elemente in ihren Entwurfsvorgang. Das „Modell 44“, der Sessel ohne Armlehne, den sie 1946 für Nelson Rockefeller entwirft, zeigt die sinnliche Raffinesse, die hinter ihrer sachlichen Zurückhaltung steckt.

Barcelona Stuhl – Design von Mies van der Rohe

Good Business
Florence Knoll handelte nach dem Motto “Good Design is Good Business” und löste mit der Knoll Planning Unit eine Revolution aus. Knoll band ihre Firmenkunden mit einem Zwölf-Punkte-Plan ein und fragte nach spezifischen Bedürfnissen. Sie präsentierte Modelle und klebte auf ihre Raumentwürfe Muster für Möbel oder Vorhänge, sodass man ein Gefühl für Farbe und Material bekam. Die Strategie ging auf. Bald zählten IBM, General Motors und CBS zu Knolls Großkunden, sie stattete auch Ministerien und diplomatische Vertretungen aus. Nach dem Unfalltod ihres Mannes im Jahr 1955 leitete Florence Knoll bis 1965 die Firma allein. Erst 1965 zog sich die seit 1958 zum zweiten Mal verheiratete Unternehmerin aus der Firma zurück.
Infos. www.knoll.com

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