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Das kostbare Nass wird wieder knapp, es fällt im Sommer nicht einfach vom Himmel. Aber vor allem hat das Grundwasser ein Problem. Es versalzt, verschmutzt und wird täglich vergeudet

„Wasser ist ein seltenes Gut. Denk daran!“ Dieser Sticker klebt am Bürofenster von Juana Maria Garau, Generaldirektorin für Wasserressourcen der Balearenregierung. „Nur wenige Leute fragen sich, woher das Wasser kommt, wenn sie den Hahn aufdrehen. Und wohin es geht, wenn es durch den Abfluss fließt“, sagt sie. Jetzt ist genau der passende Zeitpunkt, um darüber aufzuklären, denn die Wasserreserven von Mallorca und den gesamten Balearen sind auf 55% geschrumpft. Phase 1 des Dürreplans ist angelaufen. „In der Vorstufe haben wir mit den Sensibilisierungsmaßnahmen begonnen und machen die Menschen auf die Situation aufmerksam.“

Auch Aufkleber mahnen zur Wasser-Ersparnis

Die Aufkleber in verschiedenen Sprachen gehören dazu, aber auch die Aktionen am Flughafen, wenn Plexiglaskoff er mit Wasserfüllung über das Gepäckband rollen und den Urlaubern vor Augen halten, wie wenig davon auf ihrer geliebten Insel im Sommer übrig bleibt. Schon müssen die ersten Gemeinden sparen. In Deià werden Geldbußen verhängt, wenn das kostbare Trinkwasser zum Autowaschen, Befüllen von Pools, zum Terrasse abspritzen oder zum Gießen benutzt wird. Fast die gesamte Insel Mallorca ist auf der Karte des Umweltministeriums in das Achtungs-Gelb getaucht. Orange bedeutet Alarm, im absoluten Ausnahmezustand wird die Stufe Rot ausgerufen. „Das hatten wir aber in den vergangenen zehn Jahren noch nie“, versichert Señora Garau. „Sollte jedoch der Notfall eintreten, werden immer zuerst die Menschen mit Wasser versorgt, die Landwirtschaft steht an zweiter Stelle.“

Die Seen Gorg Blau und Cúber

Wo ist das Wasser hin?
Bei der anhaltenden Trockenheit im Sommer ist Mangel jedes Jahr vorprogrammiert. Aber eigentlich gilt für Wasser immer Alarmstufe Rot, denn es gibt Probleme, mit denen Mallorca ständig zu kämpfen hat. Eines der gravierendsten, so die Directora General, seien die undichten Wasserleitungen. Nach letzten Datenerhebungen versickern 26 Prozent des durchgeleiteten Wassers ungenutzt in der Erde. Sukzessive sollen die Gemeinden die alten Rohre austauschen, um den Verlust in den nächsten 12 Jahren auf 15 Prozent zu senken. Dass Swimming Pools nicht nur beim Befüllen ein Wassergrab sind, sondern über deren Oberfl ächen auf Mallorca jährlich 3,2 Millionen Liter Wasser in die Atmosphäre verdampfen, haben die wenigsten im Hinterkopf, wenn sie ins kühle Nass hüpfen. Von 2006 bis 2015, so eine Studie der Balearen-Universität, wuchs die Anzahl jährlich um 1.600 neue Pools.
Das leidige Thema der Golfplätze sollte längst ausgeklammert sein aus der Aufzählung der Wasserverschwender. Die Betreiber sind verpfl ichtet, Brauchwasser für die Bewässerung ihrer Anlagen zu verwenden. „Eine andere Sache ist, ob sie sich daran halten“, sagt Joana Garau. Die regelmäßigen Kontrollen waren bisher jedenfalls nicht so abschreckend, dass die illegale Nutzung von Grundwasser aufgehört hätte.

Deckel einer Wasseranschlussstelle in Pama de Mallorca.

Ziemlich weit oben auf der Liste steht auch der Massentourismus. Ein Urlauber verbraucht im Schnitt drei Mal so viel Wasser wie ein Einheimischer. Bei 14 Millionen ausländischen Besuchern wie im Jahr 2018 läuft da einiges durch die Leitungen. Mit der Finca-Flut schnellt auch die Anzahl der Brunnen nach oben. „Wir gehen davon aus, dass sich auf den Balearen etwa 50.000 Brunnen befinden“, so die Generaldirektorin. Jährlich werden zwischen 600 und 800 neue genehmigt. Zwar darf nur gebohrt werden, wenn eine Bewohnbarkeitsbescheinigung für das Grundstück vorliegt und die vorgegebene Wassermenge beim Verbrauch nicht überschritten wird, aber schwarze Schafe, die sich nicht daran halten, gibt es genügend.

Zu Besuch bei Peter Wieland von Proyectos Aguas Buenas

Trübe im Geschmack
Das Abpumpen des Grundwassers verringert nicht nur die unterirdischen Vorräte, sondern gleichzeitig strömt Meerwasser nach. Und so wären wir zusammen mit der Belastung der Böden durch die Landwirtschaft bei dem nächsten Desaster. „Mit der Kontamination des Grundwassers durch Versalzung und Nitratverschmutzung haben wir seit den 1960er zu kämpfen“, sagt Joana Garau. Wasser aus den Leitungen zu trinken, ist auf Mallorca für die meisten ein No Go. Das Chlor, das dem Trinkwasser zur Bakterienabtötung zugesetzt wird, und der starke Kalkgehalt, den das Grundwasser vom Boden aufnimmt, gelten vielen schon als ungenießbar. Dabei, so die Wasserwerke, sei das nur eine Geschmacksfrage.

Wirklich grenzwertig sind die Nitratbelastungen in den Gebieten um Manacor, Felanitx, Santanyí, Costitx, Ariany und Lloret. Es werden regelmäßig Hygienekontrollen durchgeführt und die Gesundheitsämter der Gemeinden informieren die Bevölkerung, falls das Wasser in den gesundheitsgefährdenden Bereich abrutscht. Die meisten Verbraucher greifen als Alternative sowieso zu Mineralwasser aus Flaschen oder zu Wasserfiltern. Eine weitere Variante wären UmkehrOsmoseanlagen, die nicht nur Salz und Kalk, sondern auch Verunreinigungen und Keime aus dem Wasser entfernen. „Auf etwa 80 Prozent der Fincas lässt man das Abwasser versickern, weil kein Anschluss an eine Kläranlage besteht. Und das alles kommt dann über das Brunnenwasser wieder nach oben“, beschreibt Peter Wieland von der Firma Proyectos Aguas Buenas das wenig appetitliche Szenario.

Empfehlung der Balearenregierung um Wasser im Haushalt zu sparen.

Wo kommt das Wasser her?
Natürliche Seen und Flüsse gibt es auf den Balearen nicht, nur Sturzbäche, die sich nach starken Regenfällen bilden. Zugang zu Süßwasser hatten die Menschen auf Mallorca über Jahrhunderte nur an Quellen in der Tramuntana und über Brunnen in der Ebene. Geschöpft wurde das Wasser mit Hilfe von Maultieren und ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch mit Windmühlen. Über 2.000 Windräder wurden gebaut, um das Grundwasser zu fördern. Seit Anfang der 1970er Jahre fließt Wasser aus den Stauseen Gorg Blau und Cúber zur Versorgung nach Palma. Die Meerwasser-entsalzungsanlage in Palma de Mallorca ging 1999 in Betrieb, die beiden Anlagen in Camp de Mar und Port d’Alcúdia wurden elf Jahre später eingeweiht, laufen aber erst seit 2016 auf Hochtouren.

Christiane Sternberg, Fotos: Marcos Gittis

INTERVIEW mit der Generaldirektorin für Wasserressourcen, Juana Maria Garau (44)

Juana Maria Garau

El Aviso: In welche Wasserprojekte fließen Einnahmen aus der Touristensteuer 2018?
Juana Maria Garau: Inca bekommt eine neue Kläranlage. Die Leitungen von Petra nach Manacor werden ausgebaut, um den Osten an die Wasserstrukturmaßnahmen anzuschließen. Außerdem läuft ein Pilotprojekt in Menorca, das zum Ziel hat, Brauchwasser gereinigt wieder dem Grundwasser zuzuführen.
EA: Welche Ziele sind im neuen Wasserwirtschaftsplan vorgesehen, der im Februar 2019 genehmigt wurde?
JMG: Es geht im Grunde um gutes Management der Ressourcen. Dazu wollen wir künftig die Entsalzungsanlagen ganzjährig in den Wasserkreislauf einbeziehen, nicht nur im Sommer, um den Spitzenbedarf zu decken. So können sich die Grundwasserreserven erholen. Das kostet mehr, ist aber notwendig. Natürlich sind auch die Reparaturen der Rohrleitungen Teil des Plan Hidrológico, um die Verluste zu reduzieren. In Arbeit ist die Einrichtung eines Netzes intelligenter Wasseruhren, um die Kontrolle von Großverbrauchern zu automatisieren. Für einzelne Haushalte ist das derzeit noch nicht machbar. Außerdem wird die Infrastruktur der Pipelines ausgeweitet, um das Wasser aus den Entsalzungsanlagen in den Osten der Insel zu bringen. Der Bau von neuen Entsalzungsanlagen ist nicht geplant.
EA: Was tun Sie persönlich, um Wasser zu sparen?
JMG: Ich bin fanatische Wassersparerin. Dazu gehört, Wasser nicht unnütz laufen zu lassen und Durchflussbegrenzer einzubauen. Ich trinke übrigens Leitungswasser, um Plastikabfälle zu vermeiden. Waschmaschine und Geschirrspüler lade ich voll, bevor ich sie laufen lasse und mit Resten aus Trinkgläsern gieße ich meine Blumen. Das geht einem irgendwann in Fleisch und Blut über. Als ich Kind war, gab es auf der Insel noch eine Kultur des Wassersparens, damit bin ich aufgewachsen. Es war normal, dass in den Urlaubssiedlungen, wo wir Ferien gemacht haben, nachmittags ab vier Uhr das Wasser abgestellt wurde. Wir sind auch zu Hause immer vorsichtig mit Wasser umgegangen.

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