- Anzeige -

Das Bild der „schwarz“ bezahlten Putzfrau oder des Gärtners, der sein Gehalt in bar bekommt, mag ein Klischee sein. Dennoch besitzen Klischees nur allzu oft ein Fünkchen Wahrheit. In einem Interview mit dem Mallorca Magazin im Jahr 2016 schätzte Maria Llanos Gómez von der Gewerkschaft UGT, dass mindestens doppelt so viele Personen als Haushaltshilfen auf Mallorca arbeiten, wie offiziell angemeldet sind. Aber Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt. Meldet man seine Haushaltshilfe nicht korrekt an, drohen empfindliche Strafen. Deshalb sollte man sich über die Gesetzeslage informieren, bevor man eine helfende Hand im Haushalt anstellt. In seinem Blog stellt der Rechtsanwalt Armin Reichmann die wichtigsten Informationen zum Thema zusammen.

Muss ich meine Haushaltshilfe anmelden?
Die Antwort ist ein ganz klares Ja. Dabei ist es egal, ob der Hausangestellte Vollzeit arbeitet oder nur eine Stunde in der Woche zum Putzen vorbeikommt. Neben Reinigungskräften und Haushaltshilfen müssen auch Gärtner, Chauffeure, Kinder- und Altenbetreuer angemeldet werden. Auch wenn es zunächst verlockend erscheinen mag, die Haushaltshilfen schwarz zu beschäftigen: Das Risiko für den Arbeitgeber ist sehr hoch. Nicht nur drohen hohe Geldstrafen, wenn das illegale Beschäftigungsverhältnis auffliegt. „Viel schwerer wiegen die Risiken bei einem eventuellen Arbeitsunfall der Angestellten“, so Reichmann. Selbst wenn die Haushaltshilfe die Beschäftigung „unter der Hand“ von sich aus vorgeschlagen hat: Gibt es einen Arbeitsunfall, wird sie im Zweifel etwas ganz anderes berichten. So oder so profitieren sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer von einer ordnungsgemäßen Anmeldung.

Was hat sich 2019 geändert?
Im Ursprung waren die gesetzlichen Bedingungen für Haushaltshilfen gesondert geregelt. Grund dafür war das besondere Vertrauensverhältnis, das zum Haushalt des Auftraggebers besteht. Deshalb sollte die Kündigung einfach gehalten werden – zum Nachteil der angestellten Haushaltshilfen. Schon 2013 wurde die Sozialversicherungspflicht neu geregelt, 2019 wurden die Haushaltshilfen den regulären Angestellten gleichgestellt. Wurden bisher feste Beiträge bis zu einer Höhe von 255,63 Euro an die Sozialversicherung bezahlt, ist die Zahlung nun vom Einkommen der Hilfe abhängig. Mindestens 29,8 Prozent des Bruttogehaltes müssen an die Sozialversicherung gezahlt werden, davon 25,1 Prozent vom Arbeitgeber und 4,7 Prozent vom Arbeitnehmer. Die Obergrenze liegt bei einem monatlichen Bruttogehalt von 4.070,10 Euro.

Welche Formulare müssen ausgefüllt werden?
Ohne Bürokratie geht es nicht, das ist in Spanien nicht anders als in Deutschland. Für die Anmeldung einer Haushaltshilfe müssen verschiedene Formulare ausgefüllt werden. Das erste Dokument (TA.6-138 Hogar ) bezieht sich auf den Arbeitgeber und Haushaltsvorstand, der sich einmalig bei der Sozialversicherung anmelden muss, um eine Sozialversicherungsnummer zugewiesen zu bekommen. Das Formular enthält ausschließlich Fragen zum Arbeitgeber. Auch bei späterer Neueinstellung muss es nicht noch einmal ausgefüllt werden. Wenn der Hausangestellte weniger als 60 Stunden im Monat arbeitet, kann im Vertrag geregelt werden, dass er selbst zahlungspflichtig ist. Dabei haftet der Arbeitgeber allerdings subsidiär.

Über das zweite Formular (TA.2/S-0138 Hogar )wird das tatsächliche Arbeitsverhältnis zur Sozialversicherung angemeldet. Es muss sowohl von Arbeitgeber-, als auch von Arbeitnehmerseite aus unterschrieben werden.Nahe Verwandte des Arbeitgebers dürfen nicht als Haushaltshilfe angestellt werden. Aus diesem Grund wird im zweiten Formular nach dem vollständigen Namen des Ehepartners gefragt. Auch muss das Bankkonto, die Telefonnummer und die E-Mail-Adresse des Arbeitgeber angegeben werden. Zudem muss angegeben werden, wo Arbeitsunfall- und Krankenversicherung abgeschlossen werden soll.

Die Formulare und Musterverträge gibt es auf der Website des Arbeitsministeriums:
hier

Gibt es noch mehr zu beachten?
Nach dem Ausfüllen der Formulare muss der eigentliche Vertrag mit dem Hausangestellten geschlossen werden. Dafür reicht ein privater Vertrag mit den persönlichen Angaben von Arbeitgeber und Arbeitnehmer, dem vereinbarten Gehalt und der Arbeitszeit sowie einer eventuellen Befristung. Der Urlaubsanspruch bemisst sich anders als in Deutschland nicht an den Arbeitstagen, sondern an den Kalendertagen. Üblich sind 30 Tage. Arbeitet die Haushaltshilfe allerdings nur eine oder wenige Stunden in der Woche, betrifft sie dieser Urlaubsanspruch nicht.
Außerdem müssen im Zeitraum von einem Jahr insgesamt 14 Gehälter gezahlt werden. Sind diese schon im Gehalt berücksichtigt, muss klar im Vertrag darauf hingewiesen werden. Der staatliche Mindestlohn bei 14 Gehältern beträgt 900 Euro Brutto. Das entspricht einem Mindest-Stundenlohn von 7,04 Euro und einem Jahresgehalt von 12.600 Euro für eine 40-Stunden-Woche.Mit dieser offiziellen Anmeldung ist die Haushaltshilfe gegen Krankheit und Arbeitsunfälle abgesichert, hat einen Anspruch auf Rentenzahlungen und Arbeitslosengeld. Im Falle einer Krankheit muss der Lohn vom vierten bis zum achten Tag vom Arbeitgeber gezahlt werden. Nach dem achten Tag übernimmt die Krankenversicherung die Zahlung. Vor dem vierten Tag kommt der Angestellte selbst für die Kosten auf. Alle Zahlungen (auch die des Angestellten) werden beim Arbeitgeber abgebucht. Er steht wiederum in der Pflicht, diesen Betrag dem Angestellten vom Lohn abzuziehen. Reichmann weist in seinem Blog darauf hin, dass es durch die Neuregelung nun keinen Sinn mehr mache, Hausangestellte bei einer natürlichen Person anzustellen. „Es macht keinen Unterschied mehr, ob ein Hausangestellter bei einer Gesellschaft oder einem privaten Eigentümer angestellt ist.“

- Anzeige -