Die Motorsport-Legende Helmut Kalenborn, Streckenrekordhalter der berüchtigten 8,2 Kilometer langen Strecke des höchsten Bergs Mallorcas, dem Puig Major, insgesamt 49 Gesamtsiege auf den Balearen, plus an die 70 Siegerehrungen, trat seine Rennen, zum Erstaunen der anderen Fahrer, mit auffälligen Fahrzeugen an. Vom March Formel Super V, über Chevron BMW Formel 2, bis hin zum Reynard Formel 3, Tiga Sports Car und Lola BMW Gruppe C3 war alles dabei. Die regionale Meisterschaft erzielte er gleich neunmal im Bergaufrennen, den sogenannten „Pujadas“. In zwei Streckenrekorden bleibt er ungeschlagen. Auf der Bergstrecke von Deià und San Salvador war bis heute keiner schneller als Helmut, der auf der Insel auch „Don Helmut“ genannt wird. 1996 und 1997 wurde der beliebte Rheinländer zum “Sportler des Jahres“ der Balearen gewählt und 2014 setzte ihm der Motorsportverband der Balearen anlässlich der 35. Auflage des Rennens ein Denkmal. Damit wird er wohl der erste Deutsche auf Mallorca sein, dem man zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt hat. Zu besichtigen am Fuße des Puig Majors gegenüber des Restaurants „Sa Teulera“ bei Sóller.

Der Film – eine Hommage

Anfang März diesen Jahres, kurz vor seinem achtzigsten Geburtstag, kam es zu einer weiteren Auszeichnung in Form einer Hommage an ihn. Der Regisseur und Produzent Joan Gibert, selbst begeisterter Amateur-Rallyefahrer und Geschäftsführer der Filmproduktionsfirma RLM in Palma, der schon seit vielen Jahren mit Helmut befreundet ist, drehte zwei Jahre lang an dem 75-minütigen Dokumentarfilm mit dem Titel „Helmut Kalenborn, el kaiser de las alturas” („Helmut Kalenborn, der Kaiser der Höhen”). Dafür reiste er mit seinem Team nach Deutschland, lernte Kalenborns Familie und Freunde kennen und interviewte u. a. auch ehemalige Rennfahrer auf dem Nürburgring. Nationale und internationale Rennsportfahrer kommen zu Wort, beispielsweise der ehemalige Moto GP-Weltmeister Jorge Lorenzo. Der Film zeigt sehr sehenswert die 80er- und 90er Jahre der Insel. Dies waren die wohl populärsten Zeiten des Bergrennsports und Helmut war einer der Besten unter ihnen. Die Insulaner verehrten ihn nicht zuletzt wegen seiner unkomplizierten, offenen, hilfreichen und sehr herzlichen Art. Gezeigt wurde der Film im Trui-Theater. „Ich hätte niemals gedacht, dass so viele Menschen kommen, höchstens an die 100, aber es waren über 500, das hat mich wirklich zu Tränen gerührt“. Auf der Bühne trocknete er die Tränen mit seiner um die Schulter gehängten Mallorca Fahne. 

Begegnungen

Ob Schauspieler Heiner Lauterbach, Uwe Ochsenknecht, Heinz König und Claus Theo Gärtner, den Kölner Volksschauspieler und Theaterbesitzer Willy Millowitsch, Schlagerstar Heino, die Rallye-Legende Walter Röhrl, den Helmut bei einem Oldtimer Rennen traf, welches er mit organisierte, Niki Lauda in der Formel Super Vau Box einen Tag vor seinem Unfall 1976 auf dem Nürburgring, Ex-Torwart Toni Schumacher, Ex-Außenminister Hans Dietrich Genscher, Bettina Böttinger beim „Kölner Treff“… es waren in seiner Laufbahn „unendlich viele und tolle Begegnungen, die nie vergessen werden“ und sein Blick schweift dabei in die Ferne.

Der amerikanische US-Schauspieler, Regisseur und Produzent James Brolin und Helmut Kalenborn haben eines gemeinsam, die Liebe zum Motorrennsport. Entdeckt haben sie das beim Dreh auf der Insel zum Action-Thriller „Der schwarze Fluch“ 1994, in dem Helmut den Hauptdarsteller Brolin bei einer Verfolgungsjagd doubelte und in der er in einer kleinen Szene zusammen mit dem Star einen Gefängnisdirektor spielte. In den Drehpausen steckten die beiden oft die Köpfe zusammen. So erfuhr er, dass Brolin auch Rennen fuhr und am Nürburgring schon beim 24-Stunden-Rennen teilgenommen hatte. Michael Douglas wurde Helmut über Brolin vorgestellt und als der erfuhr, wer Helmut ist, sagte er lachend zu ihm „so sind sie also einer derjenigen, der die Straße als Rennstrecke blockiert, die ich sonst befahren kann“.

Mit Heiner Lauterbach und Heinz Hönig

Sein Verhältnis zu Oldtimern

Wir fragen Helmut Kalenborn ob er Oldtimer mag. „Natürlich, 2001 habe ich auf der Insel als Verbindungsmann für den damaligen deutschen Veranstalter „The Classic Concept“ und dem einheimischen Motorsportclub „Escudería Balear“, dessen Repräsentant ich bis heute noch bin, das erste und weitere Oldtimer Rennen “Trofeo Baleares Clásico“ mit aufgebaut.“ Und was hält Helmut von dem Event „MCW – Mallorca Classic Week“, das dieses Jahr vom 28. Oktober bis 1. November 2020 in Port Adriano stattfindet? „Alles, was die Insel protegiert und fördert und ihr guttut finde ich gut. Liebhaber von Oldtimern aus der ganzen Welt zeigen hier ihre Schmuckstücke und die Besucher erleben viel Abwechslungsreiches“.

Was gibt es neues Herr Kalenborn?

Hinter halb vorgehaltener Hand erzählt uns Helmut von einem Event, das in Planung ist und im Mai 2021 auf der Insel stattfinden wird. Der Motorsportclub „Escudería Bunyola“ plant ein einmaliges Event, hier spielen nationale und internationale Prominente eine große Rolle, ebenso wie interessante und seltene, auch historische Fahrzeuge. Er wurde angefragt als Botschafter und Werbeträger mitzuwirken. Dazu ist ein Werbefilm für diese Veranstaltung gedreht worden, gemacht von Filmproduzent Joan Gibert, der schon zuvor den Dokumentarfilm über ihn drehte.

Ziel ist es der Insel, die 1999 zu seiner Heimat wurde, in den schwierigen Zeiten des Überlebens, neuen Glanz zu verleihen. „Hier geht es nicht um alltägliche Autos, es geht um absolute Raritäten. Es werden Routen geplant. Dabei sind Sóller, Lluc, Cap Formentor, Sa Calobra, Pollença. Mehr wird noch nicht gesagt. Diejenigen, die das organisieren, sind hochkarätige Leistungsträger, Ferrari-Fahrer, Hoteliers, Bankiers. Es wird eine absolute Luxusveranstaltung sein. Die Teilnehmer werden im Son Vida wohnen. Maximal werden voraussichtlich 35 Fahrzeuge mit je zwei Personen zugelassen. Seitens der Veranstalter werden auf hohem Niveau keine Kosten und Mühen gescheut“.

Wir sind gespannt!

Nermin Goenenc, Roman Hillmann, Fotos: Archiv Helmut Kalenborn, Roman Hillmann

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