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Die feinen Schnäpse der Destillerie Ca Na Mora bei Porto Cristo

Drei liebenswerte große Hunde (“die tun nichts, die wollen nur spielen”), ein paar Katzen, Esel und jede Menge Hühner – das erwartet einen, wenn man dem Schild von der Landstraße ein paar Minuten ins Hinterland von Porto Cristo folgt. Eine malerische Finca mit einem ganz besonderen Kick, denn darin verbirgt sich noch viel mehr: Die Destillerie Ca Na Mora, wo Connie Otto Schnäpse und Brände herstellt – zu 100 Prozent aus mallorquinischen Produkten auf Mallorca und von Hand gemacht. Mehr Mallorca geht quasi nicht.

Die Gründerin, Betreiberin und Schnapsmacherin ist die Schweizerin Connie Otto, die unterstützt von ihrem mallorquinischen Lebensgefährten Jesús Henares auf ihrer Finca im Osten der Insel edles Hochprozentiges brennt: Feine, schon mehrfach bei renommierten Spezialmessen prämierte Tröpfchen aus Feigen, Kaktusfeigen, Johannisbrot, Süßkartoffeln und Weintrauben. Dazu ein Cognac-ähnlicher Weinhefebrand mit siebenjähriger Fasslagerung (der Favorit der Autorin), ein Eier-, Zitronen- sowie ein Orangenlikör. Und Rum wird’s demnächst auch noch geben – doch dazu später mehr. Trotz der hohen Qualität ihrer Produkte ist sie bislang nicht so bekannt, fast noch ein Geheimtipp. “Ich bin nicht so gut in Bezug auf Vermarktung”, so ihre Aussage. Man kann auch sagen: Sie stellt ihr Licht ein wenig zu intensiv unter den berühmten Scheffel…

Die Eltern haben’s vorgemacht
Mit der Schnapsbrennerei schlägt sie den Bogen zu ihrer Kindheit, denn ihre Eltern und Großeltern waren Gärtner und betrieben Landwirtschaft. „Ich bin quasi damit aufgewachsen, bei uns hatten alle entweder eine kleine eigene Brennanlage und machten ihren Obstler oder aber sie brachten die Früchte zu sogenannten Lohnbrennereien, die dann das Obst verarbeiteten“, erzählt Connie Otto. Auch wenn sie zunächst einen kaufmännischen Beruf ergriff und später dann als Sattlerin Bootsausstattung fertigte, ließ sie der Gedanke an eine eigene Brennerei nie los. „Ich war schon immer eine ‚Verarbeiterin‘: Einlegen, einwecken – alles, was man mit den Erzeugnissen aus unserem Garten machen kann, habe ich ausprobiert. 2009 brachte uns ein Nachbar Süßkartoffeln für unsere Tiere, die garnicht soviel essen konnten. Somit haben wir sie gelagert. Als sie dann zu viel Sonne abbekamen und anfingen zu gären, war auf einmal das Brennen wieder ganz nah – und es ließ mich nicht mehr los.“ Wie das Schicksal es so wollte, verkaufte gleichzeitig der Vater eines deutschen Bekannten aus Altersgründen seine kleine Brennanlage in Deutschland. Spontan wie sie ist, schlug Connie Otto zu. Und begann zu experimentieren mit ihren vier Glocken-Kochböden. Wenn gebrannt wird, setzt sich der Alkohol in der ersten, nach oben geschlossenen „Glocke“ als Dampf ab und verflüssigt sich beim Abkühlen wieder. Anschließend wird der Durchgang zur nächsten Glocke geöffnet, der Prozess beginnt von vorne.

Bio-Erzeugnisse und viel Liebe
Zu den auf der eigenen Finca wachsenden Zutaten wie Johannisbrot oder Feigen kommen auch Erzeugnisse von Nachbarn hinzu. „Unsere Schnäpse haben quasi Bio-Qualität, denn wir und die Bauern, von denen wir Obst bekommen, nutzen keine Chemie, also keine Düngemittel oder Pestizide.“ Die Trauben für ihre Tresterbrände (orujo) stammen ebenso vom BioWinzer Toni Gelabert wie der Satz in den Weinfässern, die Rotwein-Maische, die Connie mit ein wenig Reinzuchthefe anreichert, um eine Spontangärung zu vermeiden. Dann wird die Maische gebrannt – es entsteht der Weinhefebrand, der bis jetzt sieben Jahre lang in einem Fass, ebenfalls von Toni Gelabert, gelagert hat. Eine Delikatesse! Spannend ist auch der Wodka Diabolo aus Süßkartoffeln, der mit einer Chili-Schote versetzt ist. Oder der Brand aus Johannisbrotschoten. Dafür nutzt man trockene braune Schoten, die man zerkleinert, mit Wasser knapp bedeckt, ein wenig Hefe beifügt und das Ganze mindestens einen Monat fermentieren lässt.
Auf die Gase achten…
“Meine Fermentierfässer haben ein kleines Ventil, damit die entstehenden Gase entweichen können, sonst fliegt dir alles in die Luft, wenn du nicht aufpasst.” Gut ist eine Temperatur von etwa 20 Grad, wie sie in der Brennerei besteht. Wäre es kälter, würde der Fermentiervorgang nicht perfekt laufen. Wäre es viel wärmer, dann geht es teils zu schnell. “Man muss das Ganze regelmäßig kontrollieren, auch um entstehende Fäulnis zu bemerken.” Man könnte denken, dass Johannisbrot kaum Fruchtzucker beinhaltet, doch es hat sogar eine Menge. In Kombination mit zusätzlicher Hefe entsteht daraus Alkohol. Zu Anfang noch gering, unter 10 Prozent. Doch wenn die Maische dann den Brennvorgang durchlaufen hat, sind es etwa 80 Prozent. Daher wird das Ergebnis mit Wasser verdünnt, so dass ein 40-prozentiger Schnaps herauskommt. Allerdings erzielt man aus 140 Kilo Maische – soviel fasst die Brennmaschine – etwa maximal 8 Liter 80-prozentiger Alkohol und durch die Verdünnung somit 16 Liter fertigen Schnaps mit 40 Prozent.

Ein Fass voll Rum…
Ebenfalls schwer nachgefragt ist der Likör Limonetta. „Das ist meine Variation des italienischen Limoncello, allerdings nicht so süß, sondern zitronig-herber“, erzählt Otto. „Er wird auf Basis unseres Tresterbrands gemacht, hat 27 Prozent Alkohol, passt perfekt über Desserts wie Flan oder Eis oder schmeckt als Zutat eines Cocktails.“ Ein weiteres Highlight, ebenfalls auf Basis eines der selbstgebrannten Tresterschnäpse, und ebenfalls pur oder als Dessert-Zutat zu verwenden, ist der Eierlikör. In einigen Fässern lagert aktuell Rum, den sie – als einziges nicht-mallorquinisches Produkt – aus karibischer Zuckermelasse gemacht hat, den sie aus Deutschland bezieht. “Den gibt’s hier nicht, beziehungsweise er ist hier nur für die Fertigung von Tierfutter erlaubt.” Diese Melasse wird ein wenig mit Wasser verdünnt, bleibt aber doch noch zähfl üssig, bevor er in die Brennanlage kommt. Der erste, noch junge Rum wird noch vor Weihnachten auf den Markt kommen. Eine Geruchsprobe am Fass lässt uns schon jetzt frohlocken. Ein mittelalter Rum kommt dann in etwa drei, vier Jahren und der alte Rum ist in sieben, acht Jahren so weit. Allerdings wird der Rum nicht unter ihrem Firmennamen Ca Na Mora vertrieben, sondern hierbei hat sie Investoren, sodass der Firmenname R & R lautet.
Lohnbrennen wie in früheren Zeiten
Aber die umtriebige Connie macht noch mehr: FruchtEdelbrände nach Wunsch für Fincabesitzer, was man als Lohnbrennen bezeichnet. Falls jemand beispielsweise Feigen, Aprikosen, Birnen, Zitrusfrüchte, Kaktusfeigen, Weintrauben oder andere Obstsorten im Überfl uss hat, destilliert sie daraus einen persönlichen Schnaps. Die Bedingungen sind simpel: Man sollte gesundes, aber kein angefaultes Obst bringen – natürlich auch ohne Laub oder Zweige – und es sollten 140 Kilo pro Sorte sein (oder 280, 420 Kilo usw.), denn das ist das maximale Fassungsvermögen der Brennanlage. Dann wird die Ernte eingemaischt. Der Ertrag richtet sich nach dem Zuckergehalt der Maische und beträgt je Brennvorgang à 140 Liter nach der fachgerechten Verschneidung auf 40 bis 43° Alkoholgehalt etwa 8 bis 20 Liter hochprozentigem Edelbrand. Ideal zum selber trinken oder als individuelles hochwertiges Geschenk für gute Freunde.

Angebote jenseits von Schnaps
Zusätzlich gibt es in ihrem Hofl aden selbstgemachten Senf (Feigen, Tomaten und Estragon), Marmeladen und Chutneys (Feige, Orange-Ingwer, Zitrone), die sie mit einem Schuss Schnaps anreichert, sowie aromatisierte Salze (Orange-Rosmarin, Lorbeer und Zitrone-Estragon). Als neuestes Produkt, wovon bislang aber nur Freunde und Familienmitglieder profi tieren, macht sie zudem Rotweinessig. “Es gibt ständig neue Ideen, die gehen mir nie aus”, so die sympathische Schweizerin, die sich selbst manchmal humorvoll als Schnapsdrossel bezeichnet.
Wo man die Schnäpse bekommt
Wem der Weg aufs Land zu weit ist, der hat kann manche ihrer Edelbrände im Laden Can Gourmet in Palma (www.can-gourmet.com) oder bei Isla Catavinos im Gewerbegebiet Can Valero (www.islacatavinos. com) kaufen. Außerdem gibt es einige Sorten in der Manacor-Filiale von Hiper, im Feinkostgeschäft Tipic in Porto Cristo, in den Geschäften von Cosmo- Gelat und im Flughafenladen GourMed. Manchmal ist sie auch auf Märkten aktiv, so kann man ihre Produkte auf den Wochenmärkten in Pollença und Alcudia fi nden sowie auf dem kommenden Weihnachtsmarkt in Porto Cristo. Natürlich führen auch einige Restaurants der Insel die Brände, so beispielsweise Can March in Manacor, Ca Na Toneta in Caimari, Bens d’Avall an der Küste bei Deià, Lila Portals in Portals Nous und das Roland von Roland Schulte in Porto Cristo. Dort werden die Mallorca-Schnäpse auch zur Zubereitung einzelner Gerichte verwendet. Beste Möglichkeit aber zum Kauf und zur Besichtigung ihrer Brennerei bietet ein Besuch in ihrem Hofl aden (4 Minuten entfernt von der Landstraße an einem kleinen Weg – ist ausgeschildert). Dort kann man auch nach Anmeldung eine Degustation genießen: Für 11,50 Euro pro Person gibt es drei Schnaps-Proben und hausgemachte Snacks.
Destilería Ca Na Mora, geöffnet Fr 14.30-19 Uhr (und nach Anmeldung).
Ctra. Manacor-Porto Cristo, km 8,7. Tel.: 971 820 553 oder 652 217 596, www.canamora.eu (mit Wegbeschreibung)
Martina Zender, Fotos: Nele Bendgens


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