Juan Carretero

Die Geburt oder der „schwangere Künstler“

Seit zwei Jahren beobachten wir den Künstler Juan Carretero, der vor vier Jahren auf die Insel kam, der Liebe wegen und vor Kurzem stolzer Vater einer kleinen Tochter mit Namen Julia wurde. Begeistert sehen wir in seinen Bildern, wie sehr ihn die Phase der Schwangerschaft bis hin zur Geburt inspiriert hat und fragen nach.

Die Geburt
In vielen kleinen Zeichnungen hat er die verschiedenen Stadien der Schwangerschaft von den Momenten der Ruhe bis hin zum Glück gemalt. In „La Espera“ (Das Warten) und „El Descanso“ (Die Pause) ist es ihm gelungen, durch eine leichte, dezente Auswahl an Bleistiftfarben, die Atmosphäre der Momente festzuhalten, die die Titel signalisieren. 

„The Beginning“ (Der Anfang), in dominierendem Blau, deutet die Wehenschmerzen an und das Wasser in dem seine Tochter geboren wurde. Die gelungene Mischung durch figurativen, abstrakten und expressiven Austausch in seinem Werk, lassen ahnen, wie gefühlsstark und inspirierend diese Momente für ihn waren. Das Gemälde „The Light“ (Das Licht) zeigt die Geburt, die sich hier in komplexer Organik ausdrückt, die zur Natur des Menschen gehört und das Leben widerspiegelt. 

Diese Komposition zwischen Motiv, Farbe und Symbolik sind neu, genauso wie in „The Beginning“. Seine Bilder tauchen in lebenskräftige Farben und werden symbolisch bunter. Die Zeitspanne der Geburt markiert Juan links oben im Bild mit dem Sonnenaufgang und rechts oben im Bild durch die Anwesenheit der Nacht. Die Natur und das Universum sind vereint im Körper der Frau. Die spirituelle Geburt, hinaus in das Licht, die Sonne und das Leben, kündigen das Neugeborene an, das durch die Farbe Gelb sichtbar wird. „Das Gemälde „The Light“ ist ein Reflektieren und Wertschätzen dieser einzigartigen und faszinierenden Erfahrung“.

Zyklus „Natura“ 
In dem Zyklus „Natura“ werden organische Formen klarer definiert und erkennbar. Dicht und flächig wirkt die aufgetragene durchdringende Farbe, die das Objekt leicht in Abstraktion hüllt und erkennbar wird, in seiner Detailarbeit, die wie kleine Hinweise aufleuchten. Sensorischer ist er geworden, alles, was er sehen und beobachten konnte hat er kreativ genutzt und in Zeichnungen festgehalten. Er hat seine Frau „gemalt, fotografiert, und das Baby, das heranwächst in ihrem Bauch. Es ist der Versuch nah, ganz nah bei ihnen zu sein, um dieses Wunder zu fühlen“, wie der Künstler erklärt. Von expressiv bis nüchtern drückt sich das in seinen neuen Werken aus. „Die Unfähigkeit, dasselbe zu erfahren wie meine Frau, half mir, mich um so mehr durch das Malen auszudrücken und neu zu orientieren. Eine Freiheit, die ich habe, um mein wahres Ich auszudrücken, da wo die Sprache fehlt.“ So wurde Juan quasi zum ´schwangeren Künstler` durch tiefe Empathie und „dem Bedürfnis, sowohl die greifbare Realität als auch das Sinnliche, das Abstrakte zu zeigen und auszudrücken, die unkontrollierten Kräfte, die während eines Teils des Prozesses der Schwangerschaft und der Geburt walten“, so Carretero.

Künstler sein
Juan wollte schon immer Künstler sein. Im andalusischen Huelva 1984 geboren, erkannten das seine Eltern früh und schickten ihn mit acht Jahren schon an die Kunstschule. Er machte seinen Hochschulabschluss in bildender Kunst mit den Schwerpunkten Malerei, Grafikdesign und Druckgrafik in Sevilla und studierte 2010 ein Jahr an der Kunsthochschule in Antwerpen, mit Auszeichnungen. Den Master in Design und Multimedia und seinen Doktor in der bildenden Kunst hat er absolviert. 

In Kollektiv- und Soloausstellungen hat er seine Bilder gezeigt, wurde mit Auszeichnungen prämiert und hat sich einige Jahre der Grafik und dem Design gewidmet, was ihm sehr half für spätere Projekte, sich in der Kunst zu organisieren und neue Strukturen in seine Bilder zu legen. Lachend erzählt Juan, dass er länger braucht beim Betrachten der Leinwand, als beim Malen an sich. Juan ist dem Fauvismus zugeneigt, einer der wohl kürzesten Kunst-Epochen überhaupt (nur drei Jahre, um 1900). Es war kein Manifest, keine Ideologie, die die Künstler vereinten, sondern die Suche nach Wahrheit in Formen mit wenigen Details. Er ist nicht religiös, glaubt vielmehr an das Universum, an die Natur und deren Gesetzmäßigkeiten. Alles hat eine Absicht, eine Funktion, somit hat alles seinen Sinn.

Information
FB: Juan Carretero
info@juancarreteroart.es
www.juancarreteroart.es

Nermin Goenenc, Roman Hillmann. Fotos: Juan Carretero, Roman Hillmann

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