Portrait Kate Kalashnikov

Wir hören den Namen Kalashnikov und denken an ein sowjetisch-russisches Maschinengewehr …doch das einzige was Kate und ihr Künstlername gemeinsam haben, ist, das sie aus Russland kommen. 1990 in Leningrad geboren, ist ihre Familie zwei Jahre später nach Deutschland ausgewandert. Warum dieser Nachname? Sie lacht und erklärt: „So gut wie nie konnten die anderen meinen Nachnamen aussprechen und so gut wie immer hat man mich mit Kalashnikov angesprochen, also habe ich diesen Namen zu meinem eigenen gemacht.“

Kunst kennt keine Regeln.

„Auf dieser Welt zu sein, aber nicht von dieser Welt“, mit dieser ihr essentiellen Aussage beschäftigt sie sich in ihrer Malerei. Ihre Kunst ist teils düster, dann wieder bunt, außergewöhnlich bis – wie sie es nennt – „außerirdisch“. Stillleben interessieren sie nicht. Sie drückt sich figurativ aus. Wenn sie Zustände der Psyche und Emotionen in ihren Gemälden sichtbar machen will, dann malt sie u. a. einen Kopf, der eher der außerirdischen Vorstellung eines Kopfes entspricht. Sie malt mit Bleistift, mit Marker, benutzt Acryl- und Aquarellfarben, Aerosole, Pastellkreiden und transformiert das Skelett zu einem psychedelischen, surrealen, fantastischen Fabelwesen. Alles, was sie findet, Teller, Pappe, Papier, Holzstücke, ob es aus dem Wald kommt, auf den sie schaut oder aus dem Müll, der tagtäglich wächst, verarbeitet sie in ihren Werken. Mit dem Blick auf – wie sie sagt – „den Wahnsinn unserer Wegwerfgesellschaft, den Überfluss im kapitalistischen System, den überfüllten Menschen, der sich in Krankheit und seelischer Schwere aufhält, die weltweite Ausbeutung des Planeten und ihrer Bewohner“, verarbeitet sie in ihren Bildern den Schock von Schein und Trug als Doppelmoral. Fremd fühlt sie sich, verunsichert. Ihre Verarbeitung von schmerzhaftem Verlust eines geliebten Menschen, zeigt die Skizze zu dem Bild „Anubis“, schwarz mit Marker gemalt. Düster zeigt sich der altägyptische Gott der Toten und Totenriten in weiblicher Form. In Tränenrinnen voller Farben zeigt das fertige Bild die Auflösung. Es ist die Kunst, die ihr Inneres rettet und sie einnordet.

Galerie, Kunst, Kunsttherapiezentrum

2018 entschließt sich Kate nach Mallorca zu ziehen und stellt bei einigen Kollektivausstellungen ihre Bilder aus. Es entsteht die Can Boni Galerie (Familienbetrieb). „Ich bin kein Kind mehr und habe gelernt Verantwortung zu übernehmen, mein Herz ist immer noch das eines Punks, das der Auflehnung und das eines Kindes. Ich sehe viele Menschen, die wie ich, etwas brauchen, das sie ins hier und jetzt holt und somit verbinde ich die Kunst und die Hilfestellung mit denjenigen, die ankommen wollen. Zuerst immer bei sich selbst.“ Doch es geht noch weiter, denn das alte Gebäude „Moli de Sang“, direkt neben der Can Boni Galerie aus dem 14. Jahrhundert, hat 300 qm Fläche. Dieser Ort aus alter Zeit hat alles, um ein Zentrum zu eröffnen, in dem sich Menschen treffen, Kunst kreiert wird sowie Therapien, Workshops etc. stattfinden könnten.

Die kindliche Kate

Mit sechs Jahren, bei einem Besuch des „Teatre-Museu Dalí“ in Figueres, dem Geburtsort von Salvador Dalí (1904-1989), wurde der Wunsch in ihr geboren Künstlerin zu werden: „Seine Welt schien mir so faszinierend und so nah, das ich beschloss nach seinem Vorbild meine eigene fantastische Welt zu kreieren“. Kate verstand, das „viele Werke entstanden sind durch das unerschütterliche Bedürfnis des Selbstausdrucks und die Notwendigkeit sein tiefes Inneres hervorzuholen und darzustellen.” Mit 11 Jahren lernte sie in der Galerie eines russischen Künstlers das Malen. Sie redeten viel über Kunstwerke, die Möglichkeit des Ausdrucks, die Welt der Kunst … sie will Kunst studieren.

Individualität bewahren

Das Studium der Kunst in Maastricht unterbricht sie, denn der gnadenlose Druck der Dozenten sie formen zu wollen, frustrierte sie zutiefst, sah sie doch ihre errungene Ausdrucksfreiheit in Gefahr und fühlte sie sich dort wie in einer Fabrik, in der es nur um das Produzieren ging. Sie wird Kunsttherapeutin und arbeitete in den Bereichen der Psychiatrie, Geriatrie und Pädiatrie. „Es war und ist wundervoll zu sehen, was kreatives Arbeiten im Kunstbereich mit Menschen macht. Sie lernen zu reflektieren, zu horchen, geduldig mit sich zu sein, Frustrationstoleranz zu entwickeln, Freude zu haben, aus dem Nichts etwas zu erschaffen“.

„FusiónArte“

Mit ihrem Partner Toni Caimari „Nino“ entsteht ein neues Projekt mit dem Namen „FusiónArte“. Immer mehr Künstler kommen dazu. Ein Kollektiv an neuer Kunst. Wenn die Zeit es erlaubt, wird die erste Ausstellung im Januar stattfinden. Wir halten sie auf dem Laufenden.

Kontakt:

FB: Kate Kalashnikov

www.canboni.com, info@canboni.com

Can Boni Galeria de Arte, C./ de Can Boneo 2A, Palma

Nermin Goenenc, Roman Hillmann

Fotos: Roman Hillmann, Archiv Kate Kalashnikov

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