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Er ist der Herr über das Feigen-Reich: Montserrat Pons i Boscana. Und er führt gerne Interessierte und Feigen-Fans über seine Finca Son Mut Nou bei Llucmajor.

Auch wenn die verbotene Frucht im Paradies, woran Eva naschte, ein Granatapfel war, so waren Feigenbäume dennoch schon damals existent, denn die beiden nackten Liebenden bedeckten ihre Scham mit einem Feigenblatt. Der Forschung nach soll es sich um ein Blatt der aus Abessinien und dem Himalaya stammenden Sorte Ficus Palmata handeln. Montserrat Pons i Boscana, Gründer und Besitzer der Feigenfarm Son Mut Nou, zeigt das recht üppige Blatt – dahinter lässt sich so einiges verstecken. Seit Adam und Evas Feigenblatt-Nutzung wird die Feige sowohl mit Sexualität als auch mit Fruchtbarkeit assoziiert. Augustinus von Hippo, Kirchenlehrer und Philosoph (er lebte im 1. Jahrhundert), sagte: „Feigenblätter bedeuten das Jucken der Sinnlichkeit“. Und schneidet man eine Frucht auf, so zeigt sich eine Herzform. In einigen Sprachen wird das Wort für Feige auch für die Vagina genutzt. Generell jedoch stand die Feige im Alten Testament für Wohlstand und Frieden. Und in einigen Kulturen für Erwachung und Erleuchtung, denn nach der buddhistischen Lehre soll Siddharta Gautama, unter einem Feigenbaum der Sorte Ficus religiosa (Pappel-Feige) sitzend, sein “Erwachen” erlebt und sich fortan Buddha genannt haben, was “Der Erwachte” heißt. Die Pappel-Feige gilt seither in der buddhistischen Kunst als Symbol des Buddha und man findet sie allen Klöstern diesen Glaubens. Und natürlich auch auf Son Mut Nou.

Die größte Feigen-Farm der Welt
Wir sind auf einem Landgut bei Llucmajor, dem Reich von Pons. Eigentlich ist er ja Apotheker in Llucmajor (Farmacía Sebastián Gamundí nahe des zentralen Rathausplatzes) und steht auch als gerade 65 Jahre alt gewordener Mann dort noch gemeinsam mit seiner Frau hinter der Theke, berät Kunden und verkauft viele Medikamente, die ihre Effizienz durchaus der Chemie verdanken. Auf seiner Finca Son Mut Nou jedoch gibt’s Natur pur. Insgesamt gehören ihm 130 Hektar Land mit vielen Johannisbrot-, Mandel- und Olivenbäumen, gekauft 1977. Knapp 20 Jahre später fing er mit den Feigen an, motiviert durch seinen Freund und Feigen-Experten Josep Sacarès. 18 Hektar sind mittlerweile ausschließlich den Feigen gewidmet. Und nicht irgendeiner Sorte, nein vielen Sorten aus aller Herren Länder von fünf Kontinenten – wie auch der abessinische Feigenblatt-Baum. Knapp 3.000 Bäume sind es insgesamt, aufgeteilt auf etwa 1.300 Varianten, darunter auch alle 264 nur auf den Balearen beheimateten Feigensorten. Damit ist es die größte Experimental-Farm in ganz Euro- pa, ja eigentlich sogar der ganzen Welt. Dafür arbeitet Pons auch mit Insititutionen, Samenbänken und Universitäten in verschiedenen Ländern zusammen.

Von Feigenbrot bis Feigenkaffee
Im August ist Hochsaison, denn die meis- ten Feigen sind reif. Pons, der als anerkannter Experte gilt, Bücher geschrieben hat und Vorträge in der ganzen Welt hält, belässt es nicht bei der Wissenschaft. Er, seine Frau Hortensia Thomás und eine Mitarbeiterin kreieren seit 18 Jahren auch köstliche Produkte aus ihren Feigen, allerdings ausschließlich aus mallorquinischen Sorten, denn diese würden letztlich am authentischsten schmecken, denn sie seien mit dem hiesigen Klima und der Erde vertraut, meint Pons. „Jede Feigenart schmeckt anders, hat eine andere Textur und eignet sich mal besser, mal schlechter für ein bestimmtes Gericht. Wir haben für einige Produkte bis zu 300 Varianten ausprobiert – aber das macht ja auch Spaß.“ Das fängt ganz traditionell bei in Anis eingelegten Feigen, Feigenbrot, Konfitüre, Senf und Chutney (mit Kurkuma, Zimt, Zwiebeln, Essig, Zucker und Salz) an und reicht bis hin zu leckeren Experimenten wie Essig, Schnaps, Likör, Wein, Tee und Kaffee. Spaß haben auch ihre Freunde, die zuerst als Versuchskaninchen die Delikatessen probieren. „Vieles, wie Liköre oder den Kaffee, habe ich auch die Besucher der Finca testen lassen und mir die Bemerkungen dann zu Herzen genommen.“ Für den speziell für Diabetiker gut geeigneten Tee werden die Blätter von acht verschiedenen mallorquinischen Feigenbaumsorten getrocknet, zerrieben und mit Zimt aromatisiert. Für den Kaffee werden ausgesuchte Feigen („verschiedene mallorquinische Sorten – mehr möchte ich nicht verraten“) zunächst knapp drei Wochen lang getrocknet, damit sie komplett entwässern. Dann werden sie bei kleinem Feuer in einem Ofen weitergetrocknet, geröstet und schließlich zu Pulver zermahlen. Mit dem Pulver kann man nicht nur Kaffee aufsetzen, sondern auch Desserts zubereiten. “Als nächstes widmen wir uns der Feigen-Kosmetik. Wir experimentieren mit Cremes und Parfums.”

Kaum öffentliche Gelder
Im kleinen Hofl aden lassen sich alle diese Delikatessen erwerben – und natürlich gibt es auch Feigen. “Aber die kann man sich selbst pfl ücken – wir sagen genau, wo man Feigenbäume aus welchen Ländern fi ndet.” Da man nie wisse, wieviele Besucher kämen und Feigen kaufen würden, ist es so einfacher, denn “Feigen sollte man möglichst frisch gepflückt essen. Sie halten sich aber etwa drei Tage”, meint Pons. Darüber hinaus gibt es seine Bücher (auch in Englisch, eine deutsche Übersetzung ist in Arbeit) und T-Shirts, um ein wenig Geld einzunehmen, denn Pons´ Leidenschaft kommt ihn teuer zu stehen. “In diesem Jahr erhalten wir erstmals eine kleine
Subvention des Landwirtschaftsministeriums, die die Arbeit auf dem Feld finanziert, alles andere zahle ich wie alle Jahre zuvor aus eigener Tasche.” Bei vielen eher überfl üssigen Dingen, die vom Staat fi nanziert werden, ist diese Ignoranz kaum zu verstehen. Immerhin gehört die Feige seit Tausenden von Jahren zum landwirtschaftlichen Kulturgut der Insel, und Pons hat zahlreiche Schulklassen und Wissenschaftler vor Ort, gibt Kurse in Pfl anzen und Beschneiden und ist als Feigenbotschafter Mallorcas weltweit im Einsatz. Vor allem aber fi ndet man bei ihm alle autochtonen Arten, also nur auf den Balearen wachsende Feigenbaumsorten, die teilweise nur noch auf Son Mut Nou wachsen, denn mit Hilfe von Samenbänken konnte er auch vermeintlich ausgestorbene Sorten wieder anpflanzen, also rekultivieren. Gleichzeitig bleibt er bescheiden: “Wir berechnen für die Feigen lediglich den aktuellen Marktpreis und für die Führungen berechnen wir Institutionen, also auch Schulkassen nichts.” Sie beinhalten eine Video-Präsentation, Erklärungen von Pons, einen Rundgang über das Areal sowie eine Verkostung und kosten acht Euro. “Das ist nicht viel, aber meine Besucher sind glücklich, finden die Finca toll, was ja letztlich mein Lebenswerk ist, und ihr Lächeln ist wie eine Bezahlung.” Apropos: Wer einfach so zu den Öff nungszeiten kommen und sich die Finca anschauen will, zahlt nichts. Haben Sie eine Lieblingsfeige, lautet meine Abschlusfrage. “Wissen Sie, das ist so, als wenn Sie eine mehrfache Mutter nach ihrem Lieblingskind fragen würden. Nur mit dem Unterschied, dass ich über 3.000 “Kinder” habe, denn für mich sind alle meine Feigenbäume auch meine Kinder. Ich liebe sie alle.” Und natürlich auch seine “echten” drei Kinder und die fünf Enkelkinder…
Kontakt: Finca Son Mut Nou Geöffnet Di, Do, Sa 8-14 Uhr (und nach Vereinbarung) Cami d’es Palmer s/n, Llucmajor, (ausgeschildert ab der Ma-19, Ausfahrt 22). Tel.: 646 633 259, https://monserratpons.com/
Martina Zender, Fotos: Nele Bendgens

Feigen sind gesund
Feigen schmecken nicht nur verführerisch gut, sondern wurden schon in der Antike als Mittel gegen unterschiedliche Krankheiten geschätzt. 100 Gramm der frischen Frucht haben nur etwa 60 Kilokalorien. Sie verfügen über eine ausgewogene Kombination aus 11 Vitaminen, 13 Mineralstoff en und 14 Aminosäuren (Eiweißbausteinen). Das in ihnen enthaltende Magnesium hilft bei der Stressreduzierung und wirkt positiv auf das Herz-Kreislauf-System. Sie stärken die Abwehrkräfte, unterstützen die Konzentration, helfen bei Leistungsschwäche, Müdigkeit und Antriebslosigkeit und beeinfl ussen die Stimmung. In der Volksmedizin wird die weiße Milch, die austritt, wenn man die Blätter von den Zweigen bricht, zur Linderung bei Insektenstichen und zur Beseitigung von Warzen angewendet. Die Feige ist ballaststoff reich und hilft unserem Körper, Säuren auszuscheiden, wirkt also basisch.

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