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Er ist Mitglied im Norddeutschen Regattaverein, Eigner und Skipper der ClubSwan50 Earlybird (GER 5005) und Sieger der europäischen Regattaserie der ClubSwan50 Mediterranean League in 2018 und zwei Mal in Folge Klassensieger der Copa del Rey (2017 und 2018).
El Aviso: Sie kommen gerade von der Mediterranean LeagueRegatta in St. Tropez. Herzlichen Glückwunsch zum 3. Platz!
Hendrik Brandis: Danke!

EA: Als Nächstes steht die Copa del Rey vor Mallorca an. Sie haben die Copa zuletzt zweimal in Folge in der ClubSwan50 gewonnen…
HB: Ja, wir haben die Copa sogar schon viermal gewonnen, zuvor zweimal mit der Swan45.
EA: Und Sie haben bei der Swan50-Serie im letzten Jahr auch insgesamt triumphiert und die Nations Trophy geholt. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?
HB: Ich lege sehr viel Wert darauf, dass das Team funktioniert und dass wir Spaß beim Segeln haben. Dabei geht es auch um das Drumherum an Land: Wir kochen zum Beispiel oder gehen zusammen essen. Wenn der Teamspirit passt, bringt sich jeder Einzelne viel stärker für den Erfolg des Ganzen ein.
EA: Es gibt in der Med League mehrere erfolgreiche deutsche Crews. Treffen Sie sich auch bei nationalen Events, um euch zu messen und zu verbessern?
HB: Der Regattaplan in der Mediterranean League ist schon recht zeitintensiv. Und der Transfer der Earlybird in den Norden wäre zu aufwändig. Dabei muss ich das Segeln auch mit Beruf (Anm. d. Red: er leitet ein erfolgreiches Finanzunternehmen) und Familie unter einen Hut bringen. Doch das Tolle an dem One-Design ist ja, dass jedes Boot nach einer guten Einstellung ähnlich funktioniert. Auf der Kieler Woche habe ich zum Beispiel eine russische Swan gesegelt.

EA: Wie sehen Sie die Zukunft der ClubSwan50?
HB: Die Swan50 ist erst in der dritten Saison und hat in der Mediterranean League schon über 20 Crews. Das ist für diese Yachtgröße enorm. Dabei ist die Gruppe auch noch sehr dynamisch – gute Voraussetzungen für eine langfristige Weiterentwicklung.
EA: Was ist an der TP52 anders als bei der Swan50?
HB: Die Swan hat bei etwa der gleichen Größe ca. 800 kg mehr Gewicht und das drückt auf die Performance. Die TP52 ist aber ein Extrembau. Und sie ist kein One-Design. Um an der Spitze mithalten zu können, benötigt man in der TP-Klasse jedes Jahr ein neues Boot. Das geht in die Kosten und dadurch gibt es nur ungefähr drei Teams, die eine echte Gewinnchance haben.
EA: Das Foilen steht im Moment hoch im Kurs. Zunächst hat es die Katamaran-Szene erwischt. Nun schwappt der Virus auch auf die Einrümpfer über…

HB: Ja, das Foilen macht den Segelsport medialer. Allerdings konzentriert sich dabei viel auf den Speed. Die Komplexität des Segelns mit Taktik und Wettereinflüssen tritt leider in den Hintergrund.
EA: Sehen Sie dabei Potential für den Amateursport?
HB: Eine Swan36 mit moderatem Foiling-Effekt befindet sich gerade im Test. Der Lift ist dabei nicht so enorm wie bei den Profigeräten, aber die Verdrängung wird deutlich herabgesetzt. (Anm. d. Red.: Die ClubSwan36 wurde im Mai in Scarlino/ Italien enthüllt und durchläuft über die Saison umfangreiche Tests, bevor sie im Oktober bei der Nations Trophy vor Mallorca ihr Regatta-Debut feiern wird. Sie soll als erste foilende One-Design-Yacht auf den Markt kommen.)
EA: Vielen Dank für das Interview. Viel Spaß und Erfolg auf der Copa und über die gesamte Saison!
Das Gespräch führte Maja Wiegemann

Segel Wissen
Klassenwertungen: Um den Wettkampf fair zu gestalten, gibt es so genannte Ausgleichsformeln, mit denen das Geschwindigkeitspotential der Yachten berechnet wird – nach dem älteren System IRC (das sich an der Länge der Wasserlinie orientiert) oder nach den modernen, komplexeren Systemen IMS und ORC. Yachten desselben Designs (als One-Design bezeichnet) können ohne umständliche Berechnung gegeneinander antreten. Der Sieg ist auf der Ziellinie entschieden. Aufgrund der direkten Vergleichbarkeit sind solche Regatta-Yachten sehr beliebt – bei den Seglern wie bei den Zuschauern.
Monohulls und Multihulls:
Die „Monos“ sind die üblichen Einrumpfboote, während an den „Multies“ mehrere Schwimmkörper (zwei für den Katamaran, drei für den Trimaran) montiert sind.
Foiling oder Hydrofoiling:
Foiling bezeichnet das Anheben des Schwimmkörpers über die Wasseroberfläche. Der Lift wird über einen gekrümmten „Tragflügel“ erreicht (also durch entsprechend geformte Schwerter oder Ruderblätter). Die dadurch reduzierte Wasserverdrängung führt zu enormen Geschwindigkeiten

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