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Im gesamten Altertum, ob in der arabischen Welt, Persien oder Indien, waren Perlen hoch geschätzt und sie galten als Statussymbol mächtiger Herrscher. Echte Perlen sind nach wie vor sehr teuer, denn die Entstehung der Perle ist vermutlich eine Abwehrreaktion der Muschel gegenüber einem Fremdkörper, was selten vorkommt. Die Muschel bildet nach und nach eine Perlmuttschicht um den Fremdkörper bis schließlich nach Jahren eine Perle entstanden ist. In asiatischen Ländern wird dieser Prozess künstlich gesteuert, indem ein Fremdkörper absichtlich in die Muschel gesetzt wird, aber auch diese gesteuerte Perlenentwicklung dauert lange. Diese Perlenzüchtung war lange die einzige Alternative zu echten Perlen, bis Ende des 19. Jahrhunderts auf Mallorca ein Herstellungsverfahren für Kunstperlen entwickelt wurde, die kaum von ihrem natürlichen Vorbild zu unterscheiden sind.

Majórica und Orquídea
Nur wenige Firmen auf Mallorca besitzen das Herstellungspatent und auch die Verfahren unterscheiden sich. Die größte Firma, die erklärt das Verfahren erfunden zu haben, ist Majórica. Doch die einzige durchweg einheimische Firma ist Orquídea bei Montuïri mit einem eigenen Herstellungsverfahren. In der Fabrik erläutert und zeigt Eva Kristin Johannson Johannson, die Export- und Marketingmanagerin, die Herstellung der sogenannten Mallorca-Perle. Wer alte Aufnahmen der Perlen-Fabrikation kennt und heute die Fertigungsstätte betritt, hat das Gefühl 25 Jahre zurückversetzt worden zu sein, denn die Maschinen zur Herstellung der Perlen sehen beinahe noch genauso aus wie damals, als die Firma ihren Standort in Montuïri bezog. Eva Kristin Johannson erklärt: „Orquídea war zuerst in der Perlenhochburg Manacor beheimatet. Aber dort war der Platzmangel von Nachtteil, denn in den 60er Jahren boomte nicht nur allgemein der Tourismus auf der Insel, sondern im Besonderen auch im Mallorca-Perlengeschäft.“ Also zog die im Jahre 1950 von Juan Maria-Forga gegründete Firma nach Montuïri um und ist heute noch immer in Familienbesitz, mittlerweile in dritter Generation.

Vom Glasstab zur Perle
Hinter den Glasfenstern der Fabrik kann man den Weg der Perlenherstellung bis hin zum fertigen Schmuckstück nachverfolgen. Zunächst sieht man eine Frau mit einem langen weißen Glasstab. „Das sehr resistente Glas heißt Opalina und besitzt einen hohen Refraktions- bzw. Reflexionsindex. Dieser trägt dazu bei, dass die spätere Beschichtung sogenannte irisierende Perlen hervorbringt, die regenbogenfarbig glänzen. Der Glasstab wird über einem rotierenden Kupferfaden mit einer sehr heißen Gasflamme geschmolzen, so dass eine Kristallperle mit einem Loch um den Kupferfaden herum entsteht. Das ist wichtig, sonst kann man die Perlen nachher nicht auffädeln. Früher wurde so jede Perle von Hand hergestellt.“ Heute hat die Firma Orquídea Maschinen, die einen großen Teil der Arbeit abnehmen, dennoch müssen die Maschinen regelmäßig von einzelnen Mitarbeitern kontrolliert werden. Sobald die Kristallperle fertig ist, wird sie auf ein Holzstäbchen aufgesteckt und in ein Immersionsbad getaucht, dass aus Lack und natürlichen Pigmenten besteht. „Um den Perlen ihren Glanz zu geben, befindet sich in diesem Tauchbad Guanina, welches aus Fischschuppen hergestellt wird und den Perlmuttschimmer hervorruft.“

Hier werden auch die Unterschiede der einzelnen Verfahren deutlich, denn bei der größten Konkurrenz, der Firma Majorica, wird zwar ebenfalls ein Kern in Perlmuttmasse getaucht, aber dort werden die verschiedenen Schichten mittels eines Gasbrenners miteinander verschmolzen und rufen dadurch eine Polymerisierung hervor. So hat jede Firma ein eigenes Verfahren und eine eigene Zusammensetzung der Immersionsbäder. Dabei wird vor allem die chemische Zusammensetzung dieser Bäder geschützt und die fertige Perle mit einem Echtheitszertifikat ausgezeichnet. Denn die Mallorca-Perle genießt heute ebenfalls ein hohes Ansehen, fast vergleichbar mit den Zuchtperlen aus Japan – aber sie sind erschwinglicher.

Unglaubliche 34 Schichten
Nach jedem Tauchgang wurden die Perlen früher auf einem rotierenden Zylinder zum Trocknen aufgehängt, heute ist der Prozess durch Maschinen mit einem Ofen automatisiert. Es werden insgesamt 34 Schichten mit dem Tauchbad aufgetragen, was eine lange Haltbarkeit und einen schönen Glanz garantiert, der durch zusätzliches Polieren verstärkt wird. „Die Firma gibt bei den Orquidea-Perlen eine Garantie von 10 Jahren. Doch genau wie echte Perlen sind auch diese empfindlich gegenüber Haarspray und Parfüm.“
Für jeden Geschmack und Geldbeutel
Im Verkaufsraum von Orquidea wird für jeden Geldbeutel und Geschmack etwas angeboten. Es gibt Perlen von unterschiedlicher Qualität und Preisen in verschiedenen Blautönen, Rosavariationen, glänzendem Schwarz und im bekannten Perlmuttweiß, wobei alle Perlen im Licht regenbogenfarbig schimmern. So kostet beispielsweise eine klassische Kette mit 7mm-Perlen und 45cm Länge rund 140 Euro, aber es geht auch teurer. Die Firma Orquidea wirkt wie eine große Familie, die trotz der Wirtschaftskrise 2007 ihre Angestellten halten konnte und sogar ältere Einheimische zu Hause mit der Schmuckherstellung beschäftigt.

Kontakt
Ctra. Palma-Manacor, km 30, Montuiri Tel.: 971 644 144, www.orquideaonline.com Geöffnet Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa+So 9-13 Uhr (Im Sommer ist auch nachmittags geöffnet und unter der Woche bis 19 Uhr). Die Ausstellung der Fabrik: Mo-Fr 9-17 Uhr

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