Meinung: Es brennt! Es ist Fünf nach Zwölf!

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Während ich diese Zeilen schreibe, ist es Abend und immer noch 30 Grad in meiner Klimaanlagen-freien (mit Absicht) Wohnung. Heiß ist es, schwül und es gäbe sicher jetzt angenehmeres als Zeitungsmachen. Der Besuch in einem Restaurant am Strand beispielsweise, den man sich nach einem wunderbaren Bad im Meer gönnen könnte. Und doch, mir geht es super gut, verglichen mit all jenen, die aktuell in einer wirklich heißen, ja brennenden Region dieser Erde leben oder gerade noch rechtzeitig vor dem großen Feuer fliehen konnten: im oder nahe des Regenwalds rund um den Amazonas in Brasilien, Bolivien und Paraguay. Seit Januar gab es unglaubliche 73.000 Brände im Amazonas-Gebiet, das sind 83 Prozent mehr als im Vorjahr. Hunderte Quadratkilometer brennen seit Anfang August. Tausende Tiere sind elendig gestorben und die “grüne Lunge”, wie man den Regenwald nennt, weil er genau das für die Welt ist, wird täglich kleiner, dramatisch kleiner.

Der wahnsinnige Regierungschef
Regierungschef Jair Bolsonaro von Brasilien hat jetzt, Wochen zu spät und nur auf Druck der weltweiten Kritik, zwei popelige Löschflugzeuge geschickt und ein paar Soldaten. Letztlich kommt ihm der Brand komplett gelegen. Er will den Regenwald anderweitig nutzen, hat keinen Sinn für die Umwelt und deren Schutz. Und das indigene Völker entheimatet werden, ist dem Rassisten nicht nur egal, wahrscheinlich begrüßt er es sogar. Er selbst hat letztlich das Feuer gelegt – wenn auch nicht mit eigener Hand – so hat er doch all jene Brandstifter “ermutigt” und auch sanktioniert, die durch Brandrodung den Regenwald zerstören und ihn dann als Weidefläche für Rinderherden nutzen wollen oder für Soja-Anbau. Denn das ist es, was auch er will. Der Rechtspopulist Bolsonaro hat seit seinem Amtsantritt im Januar alle die über Jahre aufgebauten institutionellen und rechtlichen Kontroll- und Schutzmechanismen für den Regenwald, Indigenenreservate und Naturschutzgebiete systematisch zerstört und so quasi den illegalen Abholzungen und Brandrodungen Tür und Tor geöffnet. Irrwitzig: Er hatte sogar behauptet, Umweltschützer hätten den Brand gelegt. Ein Wahnsinniger, dazu ein Hardcore Rechter. Eine gefährliche Mischung. Kleine positive Hilfen kommen beispielsweise von Umweltschützer Leonardo DiCaprio, der gerade 5 Millionen Dollar von seiner Stiftung Earth Alliance für die Hilfe vor Ort, speziell für die Wieder-Aufforstung gespendet hat. Und ob die mehrheitlich beschlossene Soforthilfe der Regierungschefs des G7-Gipfels in Biarritz für Löschflugzeuge tatsächlich umgesetzt wird, bleibt fraglich. Zumal Bolsonaro die 20 Millionen Dollar abgelehnt hat.

Was können wir tun?
Man kann zumindest versuchen, bei der Vermeidung der Ursachen mitzuwirken. Dies bedeutet: Kein Fleisch aus industrieller Massentierhaltung kaufen, denn die Tiere werden mit Soja gefüttert, das vorzugsweise aus brasilianischem Anbau stammt. Und vermeiden Sie den Kauf von südamerikanischem Fleisch – zwei der Gründe für die Brandstifter. Laut der NGO Amazonwatch
(www.amazonwatch.org) kamen im Jahr 2018 allein 41 Prozent der Rindfleischimporte der EU aus Brasilien.
Vermeiden Sie Palmöl – auch dafür wird Regenwald gerodet. Unterstützen Sie Aufforstungsprojekte. Und informieren Sie sich bei NGOs wie Greenpeace, Amazonwatch, Oro Verde oder dem BUND. Unter dem Hashtag #PrayforAmazonia, #Amazonrainforest oder #AmazonFires kann man auf Facebook, Twitter oder Instagram Bilder, Artikel oder einfach seine Gedanken teilen. So sorgt man dafür, dass so viele Menschen wie möglich auf die Situation aufmerksam werden und das Thema im Gespräch bleibt. Denn: Der Schutz des Regenwalds ist essenziell für das Fortbestehen der Menschheit. Und je mehr Lärm gemacht wird, desto weniger können Politiker, Konzerne und andere Entscheidungsträger wegschauen.

Martina Zender

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