- Anzeige -

Er kann die Preise kaum noch zählen und gilt als einer der Top Ten-Fotografen der Welt. Wir trafen den Mallorquiner in einer kurzen Pause auf der Insel zwischen seinen Aufträgen, die ihn gerade wieder in die Karibik führten.

Wenn er am 3. April 40 Jahre alt wird, werden 25 Jahre vergangen sein, in denen sich Nando Esteva der Fotografie widmet, denn schon als Jugendlicher faszinierte ihn diese Kunst und er wusste auch, dass man dafür die entsprechende Technik benötigt. Das Geld für seine erste hochwertige Kamera kam von der Bank, wo er sich kurzerhand einen Kredit beschaffte und dafür den Bankbeamten überzeugte. “Meine Eltern hatten am Anfang Sorge, dass ich mich verzettele, aber so nach und nach erkannten sie meine Passion.” So wie die freundlichen Bankbeamten: “Als ich später mein Atelier kaufte, benötigte ich erneut einen Kredit und man vertraute mir wieder”, erinnert sich Nando Esteva lächelnd. Heute nutzt er die perfektesten und modernsten Equipments von Nikon, Canon und Hasselblad.

Maestro Gerhard Schwaiger

“Ich probierte mich an allem aus, auch am Essen, aber da waren dann eher Hamburger und Nudelgerichte meine Motive.” Per Zufall bekam er die Gelegenheit eines Jobs für das damals berühmte Restaurant Tristán. “Der Chefkoch Gerhard Schwaiger gab mir jungem Spund, damals war ich 23, die wirklich erste Chance. Wir arbeiteten eng zusammen, so dass ich viel von ihm gelernt habe. Für mich ist er mein Maestro, der mich zudem mit den Worten lobte ´Du hast Talent`. Wahnsinn!”
Damit begann alles, und viele Auftraggeber folgten. “Damals war ich der erste und einzige Fotograf der Insel, der sich so intensiv der Gastronomie widmete.” Heute zählen Topköche wie Fernando Arellano, Macarena de Castro, Victor García, Gerhard Schwaiger, Marc Fosh und immer wieder auch Gerhard Schwaiger zu seinen Kunden.
In der Werbung sind es Marken wie Teka, Adidas, Braun, Bacardi oder Farrutx. Sein Stil ist unverkennbar: Ausgefallen, einzigartig und modern. Da werden Schuhe und Handtaschen einer Nobelfirma schon mal in Eis, Kühlschränke an den Strand und Duschen auf den Rücken eines Läufers gepackt. Werbung mit Kunsteffekt. Die Firmen lassen ihm seinen künstlerischen Freiraum und der Erfolg gibt ihm Recht.

Nandos Kunstprojekte
Je größer sein Erfolg, desto eher kann er sich auch seinen künstlerischen Projekten widmen. War dies anfangs ausschließlich ein kostspieliges “Hobby”, bedenkt man die aufwändigen Installationen und Arrangements, die dafür seiner Fantasie entspringen, so kann er mittlerweile auch seine “Kunst” verkaufen. Das erste Projekt ist bis heute auch sein emotionalstes geblieben: Rostros, eine Hommage an seinen Vater, der mit 57 Jahren an Krebs gestorben ist. Dessen jahrelanges Leiden wollte er visualisieren. Dafür zeigte er nackte Menschen und Gesichter, bedeckt mit aufbrechendem, getrockneten Ton. “Es war 2010 mein Einstieg in die Kunstfotografie, ein trauriger Einstieg, aber für mich auch wichtig, um meiner Trauer Ausdruck zu verleihen. Mittlerweile trauere ich noch mehr, denn einige der Teilnehmer meines Projekts sind sehr krank, eine ist gestorben – sie war eine meiner besten Freundinnen.” Esteva ist überaus kreativ. Da werden Stiletto-Schuhe durch den Fleischwolf gedreht, Meeresfrüchte mit Werkzeugen kombiniert, Obst genagelt, Spiegeleier “punkisiert”, Bananen zu Kakteen, aus Pilzen werden Pinsel, Knoblauch erhält Tattoos, in Schuhen liegen Fische. Für jede seiner Kollektionen wie Rostros, Carpintería de mariscos, 250 gr de tacón, Pelea de gallos, El Moderno, Punk Food, Al-Hambre, White Food Structure oder Pincelades wurde er bislang mit renommierten Preise überhäuft, über 90 weltweit sind es bis jetzt. Ein Ranking aller Fotografen sieht ihn aktuell in Spanien auf Platz 3, weltweit auf Platz 10 mit Tendenz nach oben. Dabei besteht ein Großteil der Arbeit aus Recherche: “Wenn ich eine Idee habe, durchwühle ich vor dem Start natürlich sämtliche Fotoseiten, um zu sehen, ob irgendjemand diese Idee schon hatte.” Und er hat natürlich längst die Grenzen der Fotografie überschritten. Es gibt etliche Videos, auch unter Zuhilfenahme von Drohnen – “die sind bei meinen Hotelfotos unerlässlich geworden, ich habe natürlich dafür auch die entsprechenden Lizenzen” – und einige seiner Arbeiten sind eigentlich 3D-Kunstwerke wie “Marine Migration”, die er abfotografiert hat. Die Ausstellung zeigte sowohl die Originale, für die er tote Meeresfrüchte mit Sand und Lehm überzogen hat, wie die Fotos. “Dahinter steckt natürlich die Botschaft der verdreckten Meere.”
Charity & Familie
Charity-Projekte sind sein Anliegen. Mindestens ein bis zwei Projekte pro Jahr widmet er Non-Profit-Organisationen, fotografiert für den guten Zweck, macht Solidaritätskalender oder ähnliches. “Das ist mir wichtig, dafür nehme ich mir immer Zeit.” All der Erfolg lässt den weltweit anerkannten Topfotografen nicht abheben. “Ich will nicht in der Komfortzone leben, sondern mich ständig weiterentwickeln, neue Wege gehen, mich verbessern.” Am Wichtigsten jedoch sind ihm seine Familie, speziell die Mutter Charo Medina, seine Frau Ana, die ihm bei der “Firma Nando Esteva” organisatorisch den Rücken freihält, und seine beiden Kinder – eins zwei Jahre alt und ein zweites ist auf dem Weg. Deshalb widmet er auch seine Preise seiner Familie, die, wie er sagt, seine “verrückte Kreativität tagtäglich aushält.”
Infos: www.nandoesteva.com

- Anzeige -