Etliche Autofirmen weltweit haben ihre Produktion eingestellt. Und aktuell dürfen wir auf der Insel nur notwendigste nahe Wege mit dem Auto machen, doch man kann ja mal träumen…

Britisches Understatement mitsamt dem dazugehörigen Snobismus gehört traditionell seit nunmehr 111 Jahren zum Selbstverständnis der Morgan Motor Company aus Malvern Link. Das 30.000-Einwohnernest im Westen Englands liegt in der britischen Grafschaft Worcestershire, die durch ihre gleichnamige Würzsauce zu Weltruhm kam. Nun wurde ihr neuestes Wägelchen vorgestellt, der einen ähnlichen Namen hat wie dessen Vorgänger – Plus Four statt Plus 4 – und ihm auch optisch sehr ähnelt. Der Plus 4 bildet seit seinem Debut 1950 das Umsatz-Rückgrat der Morgan-Produktion und gilt als eines der am längsten in Serie gebauten Fahrzeuge der Welt. Jetzt aber, 70 Jahre nachdem der erste Plus 4 in dem Werk an der Pickersleigh Road vom Band lief, beginnt ein neues Kapitel.

Modern mit Morgan-Gen
Wenn auch wahrscheinlich noch kein anderer Morgan derart tiefgreifende Zugeständnisse an die Automobiltechnik von heute gemacht hat – etwa mit unabhängiger Einzelrad- statt Blattfederung hinten und einem Chassis aus Aluminium – so ist zumindest mit dem Rahmen aus Eschenholz ein wichtiges Morgan-Gen geblieben. Eine solche Fertigungstechnik nutzten einst Stellmacher beim Kutschenbau. Und statt auf Automatisierung und Fließband verlässt sich die Produktion immer noch in erster Linie auf Handwerk und Augenmaß. Wer einmal mit eigenen Augen gesehen hat, mit welcher Kunstfertigkeit und Ruhe die Werktätigen bei
Morgan arbeiten, muss sie bewundern. „Handwerkskunst ist und bleibt der Kern der Morgan-Produktion“, bekräftigt Firmenchef Steve Morris.

Die Details machen den Unterschied
Mit ähnlichen Maßen wie sein Vorgänger bietet er jedoch mehr Platz für Passagiere und Gepäck. Daneben hält er eine Reihe von Neuheiten bereit, darunter als Option neue 15-Zoll-Speichenräder. Dieses Raddesign, das einen Kernbestandteil der Formensprache des Unternehmens darstellt, erforderte umfangreiche Entwicklungsarbeiten, einschließlich neu gestalteter Querlenker, neuer Aufhängung und Bremskomponenten. Ein anderer Leichtmetallradstil, der Erinnerungen an Sportwagen der 1960er- und 1970er-Jahre wach werden lässt, ist ebenfalls auf Wunsch erhältlich. Andere Details klingen für Morgan geradezu revolutionär. Dazu gehören zum Beispiel automatisches LED-FrontLicht und LED-Rückleuchten, Zentralverriegelung, ABS sowie Servolenkung und ein Audiosystem mit Bluetooth.

Vier Zylinder und 255 PS
Zum ersten Mal kommt mit dem 2,0-Liter-Turbomotor von BMW ein aufgeladener Vierzylinder in einem Morgan-Auto zum Einsatz. Er leistet 255 PS (190 kW). Mit dem Gewicht von nur 1009 Kilogramm des Plus Four hat er leichtes Spiel, katapultiert das Auto in nur 4,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und sorgt für eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h. Da dürfte bei offener Fahrweise so manches Haar das Weite suchen. Seine Kraft überträgt der Motor entweder mittels eines Sechs-Gang-Handschaltgetriebes oder einer Acht-Gang-Automatik. Sie verfügt über eine Paddelschaltung und hat sich bereits im Plus Six bewährt. Wird der Gangschalter nach vorne bewegt, setzt der Sportmodus ein.
Er verändert die Schaltpunkte und das Ansprechverhalten und sorgt für noch mehr Dynamik. Während Leistung und Drehmoment im Vergleich zum Vorgänger laut Werksangaben um mehr als 65 Prozent zugenommen haben, bescheidet sich der Neue mit einem ähnlichen Kraftstoffverbrauch von rund sieben Litern auf 100 Kilometer. Die Emissionswerte sollen um 30 Prozent gegenüber dem alten Plus 4 zurückgegangen sein.
Der Morgan Plus Four ist bereits bestellbar, die Preise starten bei rund 80.000 Euro.
Quelle: Auto-Medienportal

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