Ausflugstipp für Familien: Auf den Spuren der Piraten

Mallorca war nicht immer der idyllische Ort, der er heute ist. Vor allem im 16. Jahrhundert hatte man es sehr schwer als Einwohner der Sonneninsel. Immer wieder griffen nordafrikanische und türkische Korsaren an, plünderten und verschleppten Menschen in die Sklaverei. Die Piratenangriffe von damals wurden ein Teil der mallorquinischen Identität. Ein Zeugnis dieser bewegten Zeit ist die Firó de Sóller, die jedes Jahr im Mai stattfindet. Bei diesem Fest wird die Schlacht der “Mauren gegen Christen” szenisch nachgestellt. Ein Erlebnis für die ganze Familie.

Wie alles begann Die 22 Galeeren starke Flotte der Korsaren erreichte die Küste Mallorcas nicht unbemerkt. Sóller als Ziel der Attacke war gewarnt worden, die Wachposten auf den Wehrtürmen in Alarmbereitschaft. Doch trotz aller Vorsorge begann das, was die erfolgreichste Schlacht gegen die Piraterie werden sollte, in einem wilden Durcheinander. Ungefähr 1.600 Piraten konnten im Hafen von Sóller unbemerkt an Land gehen. Als der Ernst der Lage endlich erkannt wurde, hatten sich die Angreifer bereits in zwei Gruppen geteilt. Die eine lieferte sich eine blutige Schlacht am Strand mit dem mallorquinischen Widerstand, bestehend aus Milizen der benachbarten Ortschaften. Die andere Gruppe bewegte sich auf Schleichwegen, die nur ein Ortskundiger verraten haben konnte, nach Sóller um dort zu plündern und Gefangene zu nehmen.

Auf dem Kampfplatz
Die Geschehnisse von damals haben sich tief im kollektiven Gedächtnis Mallorcas verankert. Jedes Jahr am Montag nach dem zweiten Sonntag im Mai (in diesem Jahr am 13. Mai), wird die wohl wichtigste Schlacht der
Insel über mehrere Stunden nachgestellt. Alle Einwohner Sóllers kämpfen an diesem Tag, auf beiden Seiten. Obwohl speziell bei den kleineren Teilnehmern die Rollen der Piraten begehrter sind als die der einfachen, dafür siegreichen Bauern. Die Feier startet mit dem Glockenläuten um 15 Uhr. Bereits Mittags werden die Hauptstraßen für den Verkehr gesperrt. Der Sieg über die Piraten wird abends um 21 Uhr erklärt. Dazwischen stellen die Bewohner des Ortes an verschiedenen Schauplätzen die Geschehnisse von damals nach. Unter anderem auch die der beiden Schwestern Casesnoves, die als Ses Valentes Dones, die mutigen Frauen, in die Geschichte eingingen. Sie töteten einen Piraten, der auf dem Rückweg zum Hafen in ihr Haus eindrang und warfen ihn aus dem Fenster. Überrascht von der Heftigkeit, flohen die restlichen Eindringlinge. Sie stehen als Symbol für den Widerstand der Frauen.

Hinweise für Familien
Die Firó de Sóller richtet sich an alle Altersgruppen. Als eines der beliebtesten Feste Mallorcas freut es sich besonders bei Piratenbegeisterten Kindern großer Beliebtheit. Eltern sollten jedoch bedenken, dass es sehr voll und laut werden kann und leicht ängstliche Kinder sich mitunter erschrecken. Wichtig sind an diesem Tag bequeme Schuhe und Kleidung, die dreckig werden darf. Denn auch als Zuschauer wird man in die Handlungen mit einbezogen. Im Speziellen Frauen werden oft von den Piraten mit schwarzer Farbe bemalt, symbolisch für die vielen versuchten Vergewaltigungen während der Schlacht.
Familienaktivitäten rund um Sóller
Nicht nur während der jährlichen Schlacht ist die Gegend rund um Sóller einen Besuch wert. Die Strände des Hafens sind weitläufig und auch für kleinere Kinder geeignet. Sowohl in erster Meereslinie als auch weiter dahinter gibt es zahlreiche Spielplätze. Direkt an der Hafenpromenade empfiehlt sich der Besuch des Eiscafés Fet a Sóller, in dem man unbedingt das berühmte Orangeneis probieren sollte. Wer will kann auch die ehemalige Schlachtstrecke, den Camí de Ses Figueres abgehen. Er führt durch das Tal Sóllers, das auch als Tal des Goldes bekannt ist. Nicht wegen der Piraten, sondern aufgrund der Olivenbäume, die früher Gold im Tausch gegen Öl in die Ortschaften brachten.

Für Kinder, die lieber Drachen- als Piratengeschichten hören, haben wir noch eine kleine Legende zum Schluss:
In dem Gebirge, durch das heute ein Tunnel führt, der Sóller mit dem Hafen verbindet, lebte früher ein Drache mit Fledermausflügeln. Er war der Schrecken aller Bauern um Sóller, da er sie einfach auffraß. Blieb Menschenfleisch aus, biss er vor Hunger Löcher in die Felswände. Der Heilige Georg, der mit seinem weißen Pferd in Legenden und Sagen ganz Europas vorkommt, bereitete dem Schrecken ein Ende. Heute zeugen nur noch die “angeknabberten” Felsen und ein Loch, in dem der Drache hauste, von der Gegenwart des Untiers.
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