Die Zeiten sind nicht einfach. Speziell für Gastronomen änderten sich die Bestimmungen und Regeln häufig. Viele Gäste haben weiterhin Angst auszugehen, andere sorgen sich um ihre materielle Zukunft und wollen möglichst wenig Geld ausgeben. Da ist es umso erstaunlicher und auch mutiger, wenn man gerade jetzt Restaurants eröffnet. Natürlich haben es bekannte Köche in guten Lagen etwas einfacher. Hier sind einige Beispiele von deutschen und mallorquinischen Restaurantbesitzern.

Rapeat

Sterne kochen günstiger

Sterneköchin Maca de Castro leitet, gemeinsam mit Bruder Daniel de Castro, eine kleine Gastrogruppe in Port d’Alcúdia, bestehend aus dem nach ihr benannten Sternelokal, dem Bistro Jardín, Danny’s Gastrobar und einem Cateringbereich. Erstere drei Lokale bleiben in diesem Jahr voraussichtlich geschlossen, der Cateringbereich läuft erfolgreich und Mitte Juni kam ein neues Lokal in Palma hinzu, das Andana in einem Bahnhofsgebäude von Palma. “Wir bieten hier bodenständigere Küche aus hiesigen Produkten zu fairen Preisen an”, so Maca de Castro. Schon nach kurzer Zeit avancierte das Lokal zu einem der beliebtesten kulinarischen Treffpunkte Palmas (www.macadecastro.com).

Sternekoch Andreu Genestra (Restaurant Andreu Genestra in Capdepera, Aromata in Palma, restaurants hotel Es Princep in Palma) hat ebenfalls ein neues Projet gestartet: das Rapeat in S’Illot, direkt oberhalb der Cala Morlanda. Dort wird seit 18. Juni – gemäß dem aktuellen Trend und der Tatsache, dass das Geld in den Taschen nicht mehr so üppig vorhanden ist – keine teure Sterneküche serviert, sondern mallorquinisches Fastfood, also Hamburger mit mallorquinischem Schwein, Hotdogs mit Schwarz-Schwein-Würstchen und Tacos mit Spanferkel (www.andreugenestra.com, FB: Rapeat).

Neues in Palma

Susana Bellafont und ihr Partner waren glücklich, als sie im Januar den Vertrag für ihr zweites Lokal unterschrieben hatten, das El Puente Arrocería & Tasca am Rand des Santa Catalina-Viertels. Doch als alles umgebaut und das Personal eingestellt war, inklusive des Chefkochs Kike Erazo, der noch an der Speisekarte feilte, kam der Lockdown. Dank einer großen Terrasse konnten sie schon in Phase 1 eröffnen. Ihr Angebot: Paellas, vor allem am Mittag, und ein kreatives Tapas-Angebot samt einiger Hauptgerichte. Der Koch weiß, was er tut, war er doch zuvor u.a. im Baiben oder im Zweitlokal Olivera des Luxuxhotels Son Claret.

Der Palacio Can Marquès, gebaut im 18. Jahrhundert, ist ein luxuriöses Hotel, aber auch Sitz des neuen Restaurants The Merchants, das Betreiber Edgar Lagassi ebenfalls schon Ende März eröffnen wollte, dies aber erst Mitte Juni konnte. Man schmaust hier Fleisch-Hummer-Kombis, Austern, Kaviar, aber auch “normales” wie Steak mit hausgemachten Pommes Frites, delikat marinierte Hühnerflügel oder Langusten-Garnelen-Kroketten. Nicht billig, aber auch nicht so teuer, wie es das unsagbar schöne Nobelambiente samt Palmen-Garten vermuten ließe (www.merchantspalma.com).

Neues im Südwesten

Gerade mal zwei Tage vor dem Lockdown unterschrieben Jens Bräuning und seine Frau Nicole den Vertrag für ihr eigenes Lokal: Adelfas by Jens in Nova Santa Ponça. Die Eröffnung war für Ende März geplant. Pustekuchen! Glück haben sie mit ihrem Vermieter, der ihnen die Miete bis zur Eröffnung sozusagen schenkte – keine Selbstverständlichkeit. Nun ist das schöne Lokal mit der von Pflanzen umstandenen großen Terrasse seit Mitte Juli eröffnet und auch erfolgreich. Kein Wunder, hat Jens Bräuning doch zuvor als langjähriger Chefkoch im Restaurant Lila Portals in Portals Nous eine beachtliche Fangemeinde begeistert, die ihm ins neue Lokal gefolgt sind. Wie er kocht: kreativ mediterran mit Ausflügen ins Asiatische. Ein Beispiel dafür ist das superzarte Zwischenrippenstück vom Rind, lackiert mit Hoisin Sauce, dazu sautierte Zuckerschoten und gebackene Ingwer-Reis-Frischkäse-Pralinen (www.adelfas-restaurant.com)

Die herzliche Nicole Stange, die etliche Jahre in Paguera Chefköchin im La Vida war, wollte ebenfalls ihren Traum von der Selbständigkeit verwirklichen. Den Vertrag für ihr Nira d’Or, am Bulevar in Paguera gelegen und mit Meerblick von der Terrasse aus, unterschrieb sie am 20. Februar, Eröffnung war schließlich Ende Juli. Auch hier gab es einen verständnisvollen Vermieter, der erst ab Eröffnung Miete verlangte. Sie kocht mediterrane und deutsche Gerichte mit Pfiff. Es muss ihr schmecken und den Gästen. Auf Wunsch erfüllt sie auch deren Gusto. Vorbestellung ist dabei erforderlich, damit sie die Zutaten besorgen kann. Beispiele von der Karte: Von einem mit Thymian und Honig überbackenen Ziegenkäse bis zur Rinderleber Berliner Art ist alles dabei. Spezielle Themenabende am Montag ergänzen ihr Angebot (www.nirador.com)

Fast neu in Artà

Nicht neu, aber umgezogen ist das Ca’n Sión. Probleme mit dem (uneinsichtigen) Vermieter hatten Birgit und Christian Lischke mit ihrem beliebten Restaurant Ca’n Sión auf der Fußgängerzone der Carrer Ciutat. Kurzentschlossen haben sie sich entschlossen nach 10 Jahren umzuziehen – direkt ums Eck in die Gran Vía de la Constitución, Hausnummer 11, schräg gegenüber vom Goldschmiede-Atelier Mona. Eine schöne Terrasse wird dem Lokal ebenfalls hinzugefügt. Anfang Oktober werden sie nach dem Umbau Eröffnung feiern, und zwar mit einem leicht veränderten Konzept und einem ergänzten Namen: Ca’n Sión – Tapas & Vinoteca. “Wir wollen der neuen Situation Rechnung tragen und ein legeres Tapas-Lokal mit Weinangebot – auch zum Kaufen – eröffnen, natürlich auch mit entsprechend günstigeren Preisen, um damit verstärkt die Einheimischen anzuziehen” erklärt Christian Lischke. “Deshalb werden wir auch Bratwürste und Mini-Schnitzelchen in Tapas-Format anbieten, weil diese deutschen Spezialitäten speziell bei Mallorquinern besonders beliebt sind.” Aber eins werden sie auch im neuen Lokal nicht ändern: “Auf die Qualität unserer Produkte legen wir weiterhin großen Wert. Das meiste kommt aus Bio-Anbau beziehungsweise Bio-Zucht” (www.can-sion.com).

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