Im Dunkeln eines Souterrains im Santa Catalina Viertel in Palma sehen wir einen Spalt Licht. Dahinter, an einem großen Schreibtisch sitzt Navarro Durruty. Dicht gedrängt hängen an den Wänden seine Werke. Ein trockener Baum, Kerzen, Skulpturen, Plastiken, der Schreibtisch mit all seinen vielen Utensilien, vom Kerzenleuchter, selbst gemachten Kräuterschnaps, bis zur Flasche Wein, dessen Etikett sein Gemälde mit dem Namen „Inspiration“ trägt – all dies ist ein Teil seiner Welt. Unzählige Bücher von Mario Benedetti, Federico García Lorca, Pablo Neruda, Julio Cortázar, Picasso, Van Gogh, Leonardo da Vinci oder Miguel Ángel lassen das alte Regal hinter ihm durchhängen. Die Atmosphäre wird untermalt mit klassischer Musik. An diesem Ort verliert die Zeit an Bedeutung.

Augen seiner Kunst
Navarro liebt es Porträts zu malen, denn: „Das aufrichtigste Spiegelbild eines Malers ist sein Selbstporträt“. Das Besondere daran sind die Augen, die ihn faszinieren. Er beschreibt die Augen als „Landschaften der Seele“, die ihn in Farben tauchen lassen, die ihn sein Leben lang begleitet htatte und die immer wieder der Mittelpunkt vieler seiner Bilder sind. Seine Augen sprechen zu ihm, inspirieren ihn und lassen ihn zu dem Poeten werden, der seine Kunst als verlängerten Arm des Geschriebenen versteht. Denn immer, wenn er ein Kunstwerk vollendet hat, schreibt er ein Gedicht und interpretiert die Poesie des Gemäldes. Und immer ist sie da, seine Muse, die den Namen „Inspiration“ trägt.
Neben den großen Meistern des Mittelalters Leonardo da Vinci und Miguel Ángel sind seine Vorbilder Vincent van Gogh und Pablo Picasso. Als er Kunst studieren wollte, sagten ihm drei Lehrer, dass sie ihm nichts beibringen könnten, da er „fertig“ sei. Damit meinten sie, dass er das hat, was einen Künstler ausmacht, einen absolut eigenen Stil.
Seine facettenreiche intensive Farbpalette erzeugt er durch die Vermischung von Acrylfarbe, Ölfarbe, Tinte und Kohle.
„Der erste Moment ist der wichtigste, es muss schnell gehen, da kommen Schübe von geballter Energie, die auf die Leinwand wollen und die Basis ist die Acrylfarbe, sie trocknet schnell. Meine Hände machen dann einfach, ich werde geleitet.“ Als Mitglied der Künstlergruppe Zenitart dankt er seinem Mentor Carlos Quintana, Gründer der Galerie Zenitart, der der Schlüssel zu seiner Karriere als malender Dichter war.

Der einzige Sohn
Navarro Durruty wurde 1972 in Alicante geboren, kam mit drei Jahren auf die Insel, die er liebt und schätzt. Als einziges geborenes Kind von sechs Geschwistern, die nie die Welt sahen, trägt er viele Herzen in sich. Ein Inder, der ihn auf der Straße ansprach, sagte ihm, er würde in diesem Leben sechs Leben leben. Es wunderte Navarro nicht, dies zu hören.

Eine Person, viele Facetten
Tatsächlich ist er nicht nur Maler, Skulpteur und Poet. Seine Leidenschaft für die Kunst führte ihn zudem früh auf die Bühne. In privaten Schulen ließ er sich als Schauspieler für Theater, Film und Fernsehen ausbilden. Der Kurzfilm „Paradigma Cero“, das Theaterstück „Radio Pirata” (Palma Auditorium) und „Liebe“ sind nur einige von vielen Aufführungen und Drehs, bei denen er mitgewirkt hat. Die Theatergruppe „Compañía de Teatro Verses de Austeridad“ hat Navarro mit gegründet. Besonders liegt ihm „Piano en Verso“ am Herzen. Es ist ein poetisches, musikalisches Theaterformat, in dem seine Frau Lorena mitwirkt und das seit eineinhalb Jahren auf und außerhalb der Insel tourt.
Bei einer Reise im Februar nach Argentinien gab Navarro eine Ausstellung in Buenos Aires. In Präsentationen seiner Ausstellungen erleben wir ihn als Maler, Dichter, Schauspieler und er scheut sich nicht davor u. a. Jesus Christus als Figur in Szene zu setzen, „tief unter die Haut soll es gehen“. Er ist Performer, liebt das Improvisieren als Komiker, als Schauspieler, als dichtender Maler, als malender Dichter.
Kontakt: navarrodurruty@gmail.com Facebook: Navarro Durruty
Nermin Goenenc, Roman Hillmann. Fotos: Roman Hillmann, Xisco Fuster, Tonee Martz

- Anzeige -