Haushalt organisieren:

Der unordentliche Haushalt ist Ihr Alltag: dreckiges Geschirr, nicht eingehaltener Putzplan und eine unzufriedene Familie? Zeit das Zuhause nachhaltiger zu organisieren. So hält man nicht nur Ordnung, sondern kann sich auch aufs Wesentliche konzentrieren.
Den Haushalt organisieren: vom Frust zum “Flow” In einigen Branchen der Arbeitswelt hat sich eine Management-Methode durchgesetzt, die als „lean“ (= schlank) bezeichnet wird. Sie hat ihren Ursprung in Japan und fußt auf sieben Grundannahmen:
1.Qualität in Wertschöpfungsketten (Jidoka)
2. Stetige Verbesserung (Kaizen)
3. Weniger Verschwendung (Muda)
4. Fortschritt sichtbar machen (Kanban)
5. Ordnung und Sortiertheit (Seiri)
6. Regelmäßig reflektieren (Hansei)
7. Überbelastung vermeiden (Muri)

Im Unterschied zur Wirtschaft geht es in der Familie nicht um Geld. Die Währung, in der sich ein funktionierender Haushalt “auszahlt”, lautet: Geborgenheit, Selbstverwirklichung, Ruhe oder Gemeinschaft. Genau hier setzt die schwedische Journalistin Eva Jarlsdotter an, indem
sie die sieben Prinzipien auf ihren Alltag und Haushalt übertrug. Hier die besten Tipps aus ihrem Buch “From frustration to flow with lean@home”. Auf Deutsch erhältlich als: “Leb‘ doch Einfach: und wie man‘s macht”.
Ordnung halten: Was läuft gut im Alltag, was weniger?

Während in der Wirtschaft finanzielle Strukturen den Rahmen vorgeben, muss man innerhalb der Familie selbst entscheiden, was wertvoll für das Zusammenleben ist. Genauso wichtig ist es, die Bereiche zu identifizieren, in denen besonders viel „Wertschöpfung“ im Haushalt verloren geht. Man sollte festhalten, welche Aufgaben im Haushalt gut laufen und wo routinierte Ordnung herrscht. Was kann man daraus lernen und wie kann man diese Erfolge auf andere Bereiche übertragen? Man muss genau und ehrlich analysieren, warum der gewählte Bereich so unproduktiv ist, indem man fünf Mal “warum” (sogenanntes Hadome) fragt, beispielsweise:
1. Warum entsorgst du so viel Lebensmittel? – Weil die Kinder nicht aufessen.
2. Warum essen die Kinder nicht auf? – Weil wir zu spät zu Abend essen und sie deshalb vorher naschen.
3. Warum wird es zu spät mit dem Abendbrot? – Weil wir vorher schnell einkaufen, da keine Lebensmittel im Haus sind.
4. Warum so viele Spontan-Einkäufe? – Weil wir Samstags-Großeinkäufe nicht mögen.
5. Warum …?

Schritt für Schritt zu mehr Ordnung im Haushalt
Analysiere auch, wo genau Engpässe, Hindernisse und Wartezeiten sind. Denn meistens sind es diese, die unproduktiv machen und innere Schweinehunde schaffen:
• Fehlt ein Akku-Bohrer, um endlich das Gewürzregal anbringen zu können? Dann ist das der blockierende Engpass, den man beheben kann.
• Bist Du die einzige Person in deinem Haushalt, die Fahrradreifen flicken kann? Dann bring es deinen Familienmitgliedern bei, damit sie nicht mehr auf dich warten müssen.
• Was hindert dich daran, den Müll zu entsorgen? Wenn du es morgens immer vergisst, schreib dir einen Erinnerungszettel und hefte ihn an die Haustür.
Tasten Sie sich allmählich vor, denn niemand muss perfekt sein. Es geht darum, Maßnahmen auszuprobieren, zu lernen, weiter zu probieren.
To-Do’s, Termine und Fortschritte
sichtbar machen Probleme und Fehler sind keine Hindernisse – sie sind die Voraussetzung dafür, dass etwas besser werden kann. Dazu sollte man regelmäßig zurückschauen und reflektieren. Dies gelingt mithilfe von Kaizen und Hansei.
1. Nachdem die „Baustellen“ identifiziert sind, sollte man direkt in der nächsten Woche die ersten Lösungen finden, damit der Stein ins Rollen kommt.
2. Man kann die Ist-Situation dokumentieren. Etwa Fotos von dem Wäschehaufen machen. 3. Weitere Verbesserungsvorschläge für später aufschreiben und der Wichtigkeit nach ordnen. 4. Es ist wichtig, dass man festlegt, wann man eine Maßnahme startet und wann sie abgeschlossen ist. Fangen Sie in dieser Zeit nichts anderes an und fokussieren Sie sich auf die beschlossenen Aufgaben. Denn unfertige Maßnahmen kosten viel Kraft, während abgeschlossene Aufgaben motivieren.
5. Dranbleiben und Geduld haben. So wird man routinierter und die Veränderungen nachhaltiger.
6. Feiern Sie Ihre Erfolge. Gönnen Sie sich auch Ruhe und Erholung. Vermeiden Sie ständig daran zu denken, was man noch alles erledigen muss.

Sehr wichtig ist außerdem, dass die anfallenden Aufgaben, aber auch die Fortschritte und Erfolge sichtbar werden – auch um darüber zu sprechen. Dabei hilft das sogenannte „Kanban-Board“:
• Machen Sie alle Termine sichtbar.
Dafür eignet sich weniger ein Kalender im Handy als eine sichtbare Tafel oder eine freie Wand mit Zetteln.
• Es ist wichtig, dass die ganze Familie sieht, wer wann und wo sein will. Gemeinsam wird beschlossen, welche Termine wie wichtig sind und was sich kombinieren lässt. Auch die Kinder sollten einbezogen werden.
• So werden Freiräume und Engpässe sichtbar – und damit kann man arbeiten: den Alltag strukturien, Routine hineinbringen und wichtig: Zeit für Erholung schaffen.
• Konflikte werden so ebenfalls deutlich. Aber wenn man dies in der Familie gemeinsam feststellt und im Voraus bespricht, findet man auch eine Lösung.
• Außerdem sollte man sichtbar machen, wer im Haushalt was macht. Macht einer zu viel oder immer dasselbe? Darüber muss geredet werden.
Auf diese Art und Weise erreicht man Kontinuität und vermeidet Überbelastung, denn man sieht, wenn etwas zu viel wird. Somit erfüllt man Muri.

Verschwendung im Familien-Alltag reduzieren
Verschwendungen sind Gift für einen schlank organisierten Haushalt. Mit Muda macht man dies bewusst, um es anschließend zu vermeiden. Es gibt acht Verschwendungsarten:
1. Überproduktion, z.B. weil man zu viel zum Mittagessen gekocht hat.
2. Ungenutzte Teilhabe und Kreativität, z.B. weil man ohne die Kinder gekocht hat.
3. Lagerung unnötiger Sachen: wie viel Platz und damit Miete kostet unnötiger Besitz?
4. Wartezeiten: Mahnungen, weil Rechnungen warten mussten.
5. Mehrarbeit: wie anstrengend ist z.B. Rasen mähen, wenn man es nicht regelmäßig macht? 6. Korrekturen und Berichtigungen,
z.B. der Knopf, den man vergangene Woche auf die Schnelle angenäht hat, ist wieder abgefallen.
7. Transport, z.B. wenn Gegenstände nicht da aufbewahrt werden, wo sie genutzt werden.
8. Unnötige Bewegungen, z.B. wenn man etwas sucht, weil es nicht dort ist, wo es sein sollte.

Dagegen kann man Folgendes unternehmen:
1. Gehen Sie alle Bereiche im Haushalt durch und fragen Sie sich, was man verschwendet: Ressourcen, Zeit, Geld, Gelegenheiten, Wohnraum, Vertrauen?
2. Wenden Sie wieder Hadome an und gehen Sie der Verschwendung auf den Grund.
3. Erstellen Sie eine Schlussliste: Hören Sie mit allen Tätigkeiten auf, die keine konkreten Bedürfnisse erfüllen und trennen Sie sich von allen Gegenständen, die Sie/Ihr nicht brauchen – und die nur verstauben.
4. Führen Sie ein Haushaltsbuch, um zu sehen, wofür man wieviel ausgibt und wo man sparen kann.

Damit es mit dem Putzplan klappt
Nachdem man sich von den überflüssigen Gegenständen befreit hat, kann man die „wertvollen“ Dinge ordnen und sortieren (Seiri).
1. Strukturieren Sie die Dinge, die man behältt. Alles hat seinen Platz. Wenn man schnell vergisst, wo man was aufbewahrt, schreiben Sie es auf.
2. Wenn Ordnung vorhanden ist, ist Putzen um einiges leichter. Wenn Aufräumen oder Abwaschen schwerfallen, machen Sie es sich so angenehm wie möglich mit guter Musik oder einem Hörbuch. Wenn alle Fenster zum Frühjahrsputz zu viel sind, putzen Sie halt ein Fenster pro Woche.
3. Schaffen Sie Standards: Woran erkennt man einen dreckigen Boden? Wie sieht
ein gemachtes Bett aus? So vermeidet man Streit mit den Familienmitgliedern darüber, wie z.B. die Spülmaschine eingeräumt werden muss.
4. Egal, ob Familie, WG oder allein: Bestimmen Sie einen festen Zeitpunkt pro Woche, an dem in jedem Zimmer etwas geputzt wird. Beschränken Sie sich dabei auf eine feste Zeitspanne von z.B. 30 Minuten. Nach getaner Arbeit sollten Sie sich dafür belohnen. Zum einen, weil es jetzt sauber ist. Zum anderen, weil damit eine konstruktive Routine geschaffen wurde.
Fazit: Mit diesen Grundsätzen kann man seinen Haushalt „lean“ organisieren, Stress vermeiden und harmonischer leben. Das hat positive Auswirkungen auf die Umwelt und Ihre persönliche Entwicklung.
Quelle: Utopia

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