Pep-Maür Serra: Kunst als Leitmotiv „zur Verteidigung einer bedrohten Landschaft“

Wenn sich das Meer und der Horizont nur durch einen dünnen Faden in seiner Farbspiegelung unterscheidet und sich im Abendlicht die Olivenbäume in der Ferne verwandeln zu mystischen Gestalten, der Himmel glüht und die Heuballen zum Abholen bereit sind, dann ist es diese in Gold getauchte Landschaft, die ihn ruft, für die er sich einsetzt und die er verteidigt. Pep-Maür Serra, 1949 in Barcelona geboren, als Sohn mallorquinischer Eltern in Mallorca aufgewachsen, beschäftigt sich seit Jahrzehnten in seinen Werken mit der Natur, der Landschaft der Insel, die er als einzigartige Schönheit beschreibt und die er liebt, wenn da nicht die „dunklen Brüche“ wären…

Die „dunklen Brüche“
Pep-Maür konzentriert sich in seinen Werken auf sein Leitmotiv „die Verteidigung der ihn umgebenden Landschaft“, denn er ist ein großer Verfechter seiner Insel, deren Landschaft durch die Zerstörung der Natur wahrnehmbar schrumpft und stirbt. Landschaften, die durch den Zement neuer Konstruktionen beschädigt werden, die durch Spekulation zum Ausverkauf ausgerufen werden, die urbanisiert werden oder zu unerlaubten Müllhalden und Giftdeponien verkommen.
In „La Sala Capitular de La Cartoixa de Valldemossa“, im Rahmen des beliebten Chopin-Festivals in Valldemossa, das im August seine 42. Edition feiert, wurde sein Leitmotiv schon in drei Einzelausstellungen sichtbar gemacht, zuletzt 2021 mit „Portal 2021“, wo er auf meterlangem weißem Stoff die mallorquinische Landschaft im Stil fiktiver, abstrakter Wandmalerei installierte, mit der Absicht zur Sensibilisierung gegenüber dem Respekt zur Natur.
Die Wasserknappheit, die Dürre und das Bakterium Xylella Fastidiosa (Feuerbakterium), das sich der Mandelbäume und Olivenbäume bedient, lassen die so wertvollen Bäume auf der kleinen Insel in Massen sterben. „Die Farbe Grün wird seltener, während im Massen-Tourismus der Wasserhahn wahllos läuft und der Rasen sein saftiges Grün nie verlieren darf.“ Und er könnte noch vieles über die „Brüche“ erzählen, die, die er in seinen Bildern einarbeitet und die er dem Betrachter in Form von schwarzen Balken, Linien, Silhouetten inmitten einer gekörnten Landschaft präsentiert. Er lässt seine Bilder in seiner neuen Ausstellung sprechen.

Kunstausstellung „Sementers d’or-di“
Unter dem Titel „Sementers d’or-di“, das ein Wortspiel zwischen „Gerstensetzlinge“ und „goldene Saat“ ergibt, stellt Pep-Maür seine neuen Werke bis zum 31. August im Casal de Cultura (Kulturzentrum) Can Gelabert in Binissalem aus. Seinem Leitmotiv bleibt er treuer denn je, denn schon beim ersten Hineinblicken in den Ausstellungsraum, starren uns Werke entgegen, auf denen sich, über verschmelzenden Kontrasten von hell und dunkel, zwischen Landschaft und Himmel, massive schwarze Gitter herausdrängen. Schützend und sperrend wirken sie, auch wenn sie als dunkle Silhouetten bedrohlich verzaubernd durch das Bild tanzen. Grob pulverisiert verewigt Pep-Maür den heimischen Naturkalkstein Marès in seinen Gemälden. Fein hat er ihn in der Basis seiner Textur eingearbeitet. Die Schönheit der Insel verdunkelt sich, das goldene Licht bleibt in den golden nachgezogenen Linien des Objekts sichtbar. Er zeigt Werke, die in den letzten zwei Jahren entstanden sind und die zu Beginn (der Pandemie) eine erholte Natur zeigen sollten, voller Sanftheit, Stille, Harmonie und Idylle. „Es sollte die Futterscheune sein, die den Schafen Schatten spendet, umgeben und bewacht von der Serra de Tramuntana, die zum Weltkulturerbe gehört. Aber dann, vor einigen Monaten, wurde mir klar, dass es falscher Idealismus ist und es fehlte etwas. Dann kamen mir die schwarzen Balken und dunklen Strahlen zur Hilfe und sie wurden immer klarer und gewannen an Kraft. Sie sind das Symbol, das Stopp ruft, an der Zerstörung, die auf der Insel stattfindet.“ Eine verzweifelte Wut wird erkennbar, die er plakativ, anhand der „schwarzen Barrieren“, in seinen Werken platziert hat.

Sein Leben
Viel will er nicht über sich reden, aber er erzählt, dass er mit 17 Jahren die Insel verließ, um zurück nach Barcelona zu gehen. Dort erlebte er seine Sturm-und-Drang-Zeit, und die 70er und 80er Jahre waren seine besten Lehrjahre. Nach anfänglichem Studium der Architektur, unterbrach er und widmete sich als Autodidakt dem Theater, der Schauspielerei, machte Kurzfilme, führte Regie und immer schon malte und zeichnete er. 1981 kehrte er zurück auf die Insel, wo er mit Eisenarbeiten Möbel, Skulpturen und andere Objekte entwickelte und sich dann der Land-Art widmete. In den letzten Jahren hat er sich wieder der Malerei angenommen, es folgten Einzel-, Kollektiv- und Wanderausstellungen.
Er ist ein Katalane, der stolz auf seine Kultur und Sprache ist und sie verteidigt. Das tat er in jungen Jahren und macht er heute noch, auch wenn er mit 73 Jahren bescheidener und ruhiger geworden ist. Da, wo er lebt, steht die Zeit still und erinnert an vergangene Jahrhunderte, wo Pfauen in den Bäumen sitzen, der spätbarocke Brunnen den Vögeln ein Bad erlaubt und die Sonne zwischen den Bäumen glitzert. „Das Leben ist Kunst, Kunst, die dich wissend macht wie man lebt!“

Kontakt
Instagram: pepmaur
„Sementers d’or-di“ Ausstellung bis 31.08.2022
Casal de Cultura Can Gelabert
C/. de la Portella, s/n, Binissalem

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag von 18 -21 Uhr


Nermin Goenenc und Roman Hillmann
Fotos: Roman Hillmann

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