Percussionist, bewandert in allen Stilen, doch der Flamenco bleibt Familien-Tradition

Die Familie Habichuela gehört mit zu den angesehensten Dynastien des Flamencos. Ihre künstlerischen Wurzeln lassen sich bis in das 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Benjamin Santiago Román, genannt Benji `Habichuela´ ist in der Familien-Saga Percussionist in fünfter Generation und Sohn des bekannten Gitarristen Benjamin Santiago Goméz `Habichuela´.

Marina Carmona Habichuela und ihr Vater Chache Ico

Die `Habichuela´ Saga 
Sie begann mit Chacho Ico, den man auch Habichuela el Viejo (alte Bohne) nannte und seinen Kindern Marina und Jose Carmona, die Gitarre spielten, tanzten und sangen. Marina war Benjis Urgroßmutter. Die `Carmona´, besser bekannt als `Habichuela´, sind, wie Benji sagt, „bis heute demütige und gute Leute mit großen musikalischen Fähigkeiten“. Es gab dort auch den Gitarristen Juan Gandulla Habichuela, dem man nachsagte, dass er den Namen Habichuela deshalb hatte, weil er als Kind so gerne Bohnen aß. Er begleitete wohl Ende des 19. Jahrhunderts Don Antonio (Chacón), der einer der besten Flamenco Sänger seiner Epoche war, und die berühmte Flamencosängerin La Niña de los Peines. Unter den Habichuelas findet sich eine ganze Reihe an internationalen und namhaften Größen, so z. B. Pepe Carmona Carmona, einer der besten zeitgenössischen Gitarristen Spaniens und als der Flamenco-Meister bekannt wurde. Ebenso sein Bruder Juan, der 2016 im Alter von 82 Jahren verstarb. Seine Söhne Juan José `El Camborio´ und Antonio Carmona Amaya und ihr Cousin, der Gitarrist José Miguel Carmona Niño `Josemi´ (Sohn von Pepe), formierten Ketama neu. Ketama war eine der erfolgreichsten spanischen Flamenco Gruppen im Stil des Nuevo Flamenco (die Fusion zwischen Flamenco und anderen Stilrichtungen). Alleine in Spanien erreichten sie mit ihren Schallplatten zweimal Gold und siebenmal Platin. Ob Tänzer/innen, Musiker/innen, Sänger/innen oder Schauspieler/innen, die „Habichuelas“ sind kreative und anspruchsvolle Künstler, ein Garant für hohe Qualität, deren pures und tiefes Bindeglied immer der echte Flamenco ist, denn von dort kommen sie alle und dort sind sie alle miteinander verwurzelt.

Benji mit der Gruppe Ketama

Benji `Habichuela´
Benji, geboren 1988 auf Mallorca, der mit drei Jahren Gitarre spielen lernte und mit neun Jahren Schlagzeug, sich aber dann der sogenannten Kiste, dem Cajón, widmete, wird mit 14 Jahren Berufsmusiker und geht in Begleitung seines Vaters, mit der Tänzerin Nuria `La Granaína´ und dem Tänzer Manuel Gutiérrez, auf Holland-Tour. Mit 17 Jahren lernte er die Pianistin Isis `Apache´ Montero kennen und wird Musiker in ihrer Band Apache. Auf vielen internationalen Jazzfestivals tourten sie, er begleitete auch den legendären US-amerikanischen Trompeter, Flügelhornist und Perkussionisten des Latin Jazz, Jerry Gonzales (war Bandmitglied von Dizzy Gillespie, spielte für Eddie Palmieri, u. a. auf Aufnahmen von George Benson, Archie Shepp, Diego El Cigala). Nach Madrid zieht es Benji 2007, es folgen jahrelange Touren mit Pitingo und Juan Carmona (von der Gruppe Ketama, der Benjis Onkel ist). Er lernt den Flamenco-Elektrogitarristen Jaco Abel kennen und spielt in verschiedenen Jazzclubs in New York, San Francisco, Los Angeles und Seattle. 

Mit Osain del Monte und Brenda Navarrete in Kuba

2013 spielt er mit Toni Cuenca und dem Sinfonieorchester der Balearen zur Hommage an die 1992 verstorbene Flamencolegende José Monje Cruz, besser bekannt als “Camaron De La Isla“, begleitet von dem großen Flötisten Jorge Prado. Er reiste bis nach Cuba, lernte dort von den Großmeistern. Zum Abschluss der Reise gab es eine Hommage in der spanischen Botschaft in Cuba für Paco de Lucia. Mit vielen Musikern hat er kollaboriert und auf sehr vielen Aufnahmen mitgewirkt (u.a. Kiki Morente, Kiko Navarro, Tomatito, Duquende).

Die Flamenco-Cajones, die er benutzt, sind von Camarada Percussion, dessen Geigenbauer Guillermo, ein guter Freund von ihm ist. „Sie haben einen besonderen Klang, ihre verschiedenen Hölzer wie Birke, Esche und Walnuss geben mir das Gefühl, dass es das wärmste und dynamischste Instrument ist.“ Beniji ist „immer gespannt und offen, ich mag die reinste Root-Musik, selbst die kühnste und experimentellste, ich finde immer wieder Genre, die ich mag, aber ich trenne mich nie vom Flamenco!“

Dank seinem Vater
Benji lernte in der Gesellschaft seines Vaters autodidaktisch zu spielen. Der ist der große Gitarrist Benjamín Habichuela de Granada und Enkel von Marina Carmona. Seine Karriere begann in jungen Jahren in Granada, in den Höhlen von Sacromonte, wo sie alle lebten und ihre Konzerte gaben. Mit 14 Jahren ging er nach Madrid und machte Karriere, mit Künstlern wie Manzanita, Carmen Linares, Enrique Morente, Ramón dem Portugiesen spielte er und bereiste Länder wie Frankreich, Italien, Deutschland, Japan, Portugal und Holland. 1979 kam er mit der großen Tänzerin “La Chunga” nach Mallorca. Seit mehr als 40 Jahren lebt er hier, ist Flamenco-Gitarrenlehrer, begleitet am Musikkonservatorium von Palma de Mallorca den Tanz. Benji spielt zusammen mit seinem Vater im Duo und „mit ihm begann damals alles für ihn“. 

Benjamin und Benji Habichuela, Madrid Camarada Percussion Werkstatt

Benji Habichuela unterrichtet und an je zwei Sonntagen im Monat findet unter seiner Regie eine Flamenco Jam-Session statt, im: Novo Café Lisboa (C/. Sant Magí 33 in Santa Catalina-Palma, Tel.: 689 131 508). Am 10.02.22 spielt er mit bei der Hommage an Chick Corea unter der Regie des Bassisten Toni Cuenca, im Palacio de Congresos im Rahmen des Palma 2022 Jazz Festivals.

Kontakt:
Instagram: benji_habichuela
Mail: benjihabichuelapercusion@gmail.com
Facebook: Benji Habichuela

Redaktion: Nermin Goenenc und Roman Hillmann
Text: Nermin Goenenc
Fotos: Archiv Benji Habichuela, Roman Hillmann

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