Das Leben selbst ist ihre größte Motivation. Sie wirkt fast nervös, dabei ist sie eine hochenergetische, konzentrierte Frau, die am Tag bis zu 12 Stunden in ihrer Werkstatt sein kann, weil sie „einfach die Zeit vergisst“, wenn sie Skulpturen, Monotypien, Gemälde, Gravuren, Keramikwandbilder, Serigrafien (Siebdrucke) kreiert. Sie lernt dazu, unaufhörlich und bis heute bildet sich Pilar Cerdà (geboren 1954) weiter. Einer ihrer Lehrer war der großartige Künstler Joan Barbarà (1927-2013, Barcelona), einer der bekanntesten Vertreter der zeitgenössischen spanischen Gravur. Ihre Kunst findet man in Museen, auf öffentlichen Plätzen, in Galerien, privaten Sammlungen, Rathäusern und anderen Institutionen. Vertreten ist sie in Spanien, Syrien, Griechenland, Italien, Kuba, Dänemark, Deutschland, Korea.

Spannende Kunstwerke

Die Skulptur „Metamorfosi“, 35 cm x 10 cm groß, ist ein Buch aus Stahl, Porzellan, Kupfer, Holz und Spiegel. Bei einem Blick in das Buch verwandelt sich der Betrachter in der Spiegelung. Seit Februar 2009 steht die vier Meter hohe Skulptur „Tornada a l’Origen” (Zurück zum Ursprung) aus Eisen und Stahl im Parc de Sa Riera in Palma. Man muss nach ihr Ausschau halten, denn die kleinen Bäume, die zeitgleich gepflanzt wurden, überragen heute das Werk. Es ist ein Horn, das spiralförmig geformt die Weiblichkeit verkörpert und in der Mythologie viele Bedeutungen beigemessen wird, so dem siebten Sinn, der Weisheit, der Fruchtbarkeit, dem Phallus …

Die öffentliche Skulptur „La Música més íntima” (Die intimste Musik), aus Eisen und Stahl geformt, steht seit 2019 im Museum in Pollença in den Jardines Joan March. Sie symbolisiert das, was Pilar das Wesentliche nennt, „die Kommunikation mit anderen, die Beziehung zu Licht, Luft, Wasser, Sonne, Erde.“ Das Fahrrad auf der in einer Spirale geformten Welt erinnert an aktives Handeln durch Umdenken in Zeiten der Luftverschmutzung und des Klimawandels. Ihre Siebdrucke zieren Bücher von Poeten und Poetinnen und „Huella“ (Abdruck) zeigt ihre Fähigkeit sich mit einfachen Stilmitteln den kritischen und schwierigen Themen unserer Zeit anzunehmen. Es ist dem Betrachter überlassen, um was es geht, um Kontrolle oder Identität.

„28 Llavors d’amor“ (28 Samen der Liebe) ist eine fünf Meter lange Kette aus Stahlseil mit 28 Kugeln. Porzellan, Eisen und Stahl fusionieren zu einem Kreis. Jede Kugel wird einem Tag des weiblichen Zyklus zugeordnet. Bei einer Performance im Kulturzentrum Casa Planas stand hinter jeder Kugel eine Frau, die Rosenblätter in den Kreis aus Sand warf. Die beiden geschmiedeten und gravierten Schwertskulpturen, die in der Mitte liegen, symbolisieren Kraft, aber auch das Leid, das man über die Jahrtausende den Frauen angetan hat. Die Rosen hüllen sie in Liebe und der Kreis soll schützen, reinigen, ehren, huldigen, danken. Eine wundervolle Hommage an die Frauen der Welt.

Die junge Pilar

Die multidisziplinäre Künstlerin erzählt von Tibet, Nepal, Indien, der einjährigen Reise, die ihr junges Leben mit 17 Jahren prägend veränderte. Weibliche Sherpas führten sie durch die Berge, gaben ihr Essen und Trinken. „Sie gewährten mir Einblicke in die Verbindung von Mutter Erde zum Menschsein, zu kosmischen Dimensionen, der Natur und ihrer Magie. Als ich zurückkam, war es nicht leicht für mich. Ich musste mich an die Erde der Insel sozusagen gewöhnen und so begann ich mit den Keramikarbeiten. Dazu habe ich mir später selbst kreierte Farben herstellen lassen, die bis heute in den Farbnuancen einzigartig und begehrt sind“.

Mit neunzehn Jahren hatte sie ihre ersten Ausstellungen im Centro Cultural Sa Nostra, der Galería Norai und in der Galería Dionís Bennàssar in Pollença. Sie lernte an der „Massana“, der Schule für Kunst und Design in Barcelona, spezialisierte sich auf die Tiefdruck-Gravur und macht ihren Abschluss in angewandter Kunst, Keramik und Skulptur.

Was sie denkt…

„Der Mensch ist das wichtigste“. „Die Kunst muss sich immer entwickeln, sie wäre sonst leer“. Pilar Cerdà setzt sich mit den Problemen der heutigen Welt auseinander. Das schlafende Gewissen will sie wecken mit einem sensiblen und hoffnungsvollen Aufruf zur Kommunikation und Harmonie zwischen Mensch und Natur. Sie glaubt, das alles seinen Platz hat, es ist nur „verrückt“ und die Liebe muss es neu ordnen. „Das ist die neue Realität, die im verborgenen liegt“ und die Kunst ist ihr Medium, ihre Sprache, um sie sichtbar zu machen. Ihr Motto: „ARRIBÁ ALMA FUERTE!“

Kontakt:

info@pilarcerda.net, www.pilarcerda.net

Facebook: Pilar Cerdà

Nermin Goenenc, Roman Hillmann, Fotos: Roman Hillmann, Archiv Pilar Cerdà

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