- Anzeige -

Gedanken zu Allerheiligen und dem Totenmonat November

Noch steht alles in Saft und Kraft, die Sonne scheint, und der Oktober ist teils noch sonnig, teils schon herbstlich. Aber irgendwann kommt der 1. November – Allerheiligen – gefolgt am nächsten Tag von Allerseelen. Grund genug, schon jetzt in der Oktober-Ausgabe darüber zu schreiben.
Allerheiligen (und kurz davor) ist für viele der einzige Anlass, den Friedhof zu besuchen, die Gräber zu richten und Blumenschmuck aufzustellen. Fragt man Menschen nach ihrem Lieblingsmonat wird auch eher selten der November genannt. Melancholie ist das, was man am ehesten mit diesem Monat verbindet. Ganz pragmatisch könnte man auch an Kühle, Nässe, kurze Tage und grauen Himmel denken, obgleich der Himmel in Deutschland sicherlich weitaus grauer ist als hier auf der Insel. Und man betrauert die Verstorbenen aus der Familie und dem Bekanntenkreis, daher auch der Beiname “Totenmonat”. Kein Wunder, gibt es in diesem Monat auch noch den Volkstrauertag (17.11.), den Buß- und Bettag (20.11.) und den Totensonntag (24.11.), zumindest in Deutschland. In Spanien sind einige Festtage nicht ganz so wichtig – Allerheiligen jedoch wird auch hier intensiv begangen.

Besuch auf dem Friedhof in Palma
Man denkt an ferne unwirkliche Heilige und an nahestehende Tote – Zeit der Besinnung. Aber auch wenn man keinen Verwandten oder Freund auf dem Friedhof zu Grabe getragen hat, so lohnt sich dennoch ein Besuch. Friedhöfe haben etwas Beruhigendes. Die Gräber, ob bescheiden oder aufwändiger als Grabmal gestaltet, erzählen mannigfaltige Geschichten und geben Einblick in die Geschichte der Insel. Beispiel Palma: der zentrale Friedhof in Palma fasziniert durch seine zahllosen Statuen, die verzierten, von Steinblumen umrankten Gräber mit Engelsfiguren oder auch durch die liebevoll drapierten Stofftiere an manchen Gräbern, die anzeigen, dass hier ein Kind beerdigt liegt. Hinzu kommen opulente Grab-Monumente berühmter Familien. Besonders auffallend das 500 Quadratmeter große Mausoleum der bekannten Banker-Familie March.
Sogar in den Untergrund kann man gehen, dort gibt es labyrinthartige Gänge mit ebenfalls vielen in die Wände eingelassenen Gräbern. Fast ein wenig gruselig ist es dort, nur wenig Licht fällt durch kunstvoll geschmiedete Oberlichter hinein. 1821 eingeweiht, erstreckt sich der Friedhof auf mehreren Ebenen über 20 Hektar. Direkt nebenan rauscht die stets belebte Via Cintura vorbei, und auch auf dem Friedhof selbst gibt es “Vias”. Diese Wege heißen Kreuz, Einkehr, Harmonie oder Stille…

Allerheiligen und Allerseelen
Doch an Allerheiligen (Día de los Santos, mallorquin: Tots Sants am 1. November) und kurz davor ist Schluss mit der Stille. Dann stürmen die Mallorquiner (wie auch die Deutschen) ihre Friedhöfe und schmücken die Gräber mit jeder Menge Blumen – zur Freude aller Blumenhändler. Eigentlich wird an diesem Tag, wie der Name schon sagt, nur der Heiligen gedacht. Und zwar all jener, die keinen eigenen Feiertag haben. Sozusagen die Heiligen, “um deren Heiligkeit niemand weiß, außer Gott”, wie es heißt. Den normalen Verstorbenen jedoch gehört der darauf folgende Tag, Allerseelen (Dia de los Difuntos, mallorquin: Dia dels Morts). Doch da nur der 1. November ein staatlicher Feiertag ist, hat sich das Ganze ein wenig verlagert. So geht man denn eher am ersten Tag traditionell auf den Friedhof, gedenkt der “Armen Seelen” und zündet das sogenannte Seelenlicht an. Es gilt als Symbol des “Ewigen Lichts”, das den Verstorbenen leuchtet. Allerheiligen ist ein hoher Festtag der katholischen Kirche, der 609 von Papst Bonifatius IV eingerichtet, damals aber noch am ersten Freitag nach Ostern gefeiert wurde. 839 wurde er durch Papst Gregor IV auf den 1. November verlegt. Allerseelen wurde 1.000 n.Chr. von Odilo von Cluny, dem Erzengel der Mönche, ins Leben gerufen. 1915 erklärte Papst Benedikt XV den Tag zum verbindlichen Feiertag der katholischen Kirche, allerdings ist der Staat nicht mitgezogen. Daher konzentriert sich alles auf Allerheiligen.

Spanische Köstlichkeiten
Und Spanier wären nicht Spanier, wenn sie bei all der ernstgemeinten Trauer nicht auch ans Essen denken würden. Traditionell isst man vor oder nach dem Friedhofsbesuch Panellets, bestehend aus einem Marzipanteig mit Pinienkernen. Kinder bekommen Rosenkranz-Halsketten, sogenannte Rosarios, aus Bonbons und anderen Süßigkeiten und vor allem isst man Bunyols, kleine frittierte Süßkartoffelkrapfen (siehe Seite 20).
Text und Fotos: Martina Zender

- Anzeige -