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Nashorn auf High Heels oder Wie man ein Lächeln im wilden Garten der Zerbrechlichkeit kultiviert

Wir fahren nach Son Servera, eine beschauliche Gemeinde im Nordosten der Insel. In einem Stadthaus mitten im Zentrum sind wir mit dem Künstler, Bildhauer Rogelio Olmedo verabredet. Das Wohnhaus ist gleichzeitig sein Atelier, ein paar Häuser weiter hat er eine große Halle für seine Skulpturen. Schon in der Eingangshalle stehen die ersten Skulpturen und an den Wänden sehen wir zahlreiche Gemälde des Künstlers. Was bewegt einen Künstler dazu so mächtige und kraftvolle Tiere wie Nashörner und Stiere mit roten High Heels zu „bekleiden“. Wir wollen mehr über den Künstler und Menschen Rogelio Olmedo erfahren und fragen nach.

Eisen und Tinte in roten Stöckelschuhen
In Eisen geschmiedet, in Bronze gegossen, auffallend, spielt Rogelio mit festgelegten Konventionen und hinterfragt Prinzipien. Das Animalische, das Wilde, Synonym für das Maskuline, dem gegenüberliegend die roten Schuhe, Synonym für das Kultivierte und Feminine, benutzt er als Ausdrucksmittel in seiner Kunst um Dualität aufzuzeigen, die in sich begrenzt ist. Das Extreme interessiert ihn und das, was sich entwickelt, wenn sich das Wilde mit dem Kultivierten mischt. Der Nashornkopf lädt ein zu spielen und erlaubt dem Betrachter einzelne Teile zu demontieren. Die goldenen Zähne dürfen versetzt werden …die Logik wird verworfen. Das Nashorn in machtvoller Menschengestalt, stehend auf roten High Heels, wirkt kraftvoll massiv und zugleich sanft, sensibel, leicht. Der Stier, der Esel, der Geißbock, sie alle verwandeln sich unkontrolliert und werden zu Karikaturen. Schmunzelnd betrachten wir seine Zeichnungen und Gemälde, die in chinesischer Tinte und Wasser getaucht, mit wenigen Farbeffekten, plakativ ausdrücken, was seine Skulpturen widerspiegeln.
„Die Demontage der Begrenzungen, die feinsinnig und mit viel Humor in meinen Werken einfließt, unterliegt keiner Logik und hat zum Ziel die Bewusstwerdung einer unbegrenzte Transzendenz und bezeichnet im Werden die Synthese aus dem Sein und dem Nicht-Sein. Das ist das Wirken des Tao im Geist, das ist ein Aspekt in meiner Kunst“, so Rogelio Olmedo.

Zaragoza-Barcelona-Huesca-Mallorca
1966 in Zaragoza geboren, wurde er schon als Kind durch seinen Großvater geprägt. Der war sehr arm, arbeitete viel und zeigte ihm, mit welcher Haltung man dem Leben gegenüber treten kann. In Bescheidenheit und mit dem Forscherdrang Neuem zu begegnen, ließ er Rogelio in seinem Spielzeugladen walten. Der zeichnete, was er sah und benutzte alle Werkzeuge, die er finden konnte, um neue Dinge zu konstruieren. In Barcelona an der Kunsthochschule Industriedesign absolvierte er ein Studium, belegte Kurse in Schmieden und Skulptur. Mit der Auszeichnung des COPCA Stipendiums reiste er für ein Jahr nach Mexiko. In Poleñino, der aragonesischen Steppengegend, gründete er 1995 das Kunstschmiede-Atelier „La Forja La Una“. 1998 erhielt er den ersten Preis für Kunsthandwerk in Aragon für das Gedicht-Bett „Lugar“. Seine Werke sind angewandte Bildhauerei, Landschaftsgestaltung und angesehene Projekte für öffentliche Skulpturen. 2005 zieht er nach Mallorca und trifft hier auf Mercedes Estarellas, die ihn in die Kunstgalerie von Gerhardt Braun bringt, in der er folgende Ausstellungen präsentiert hat: „Rino, haz el favor“ 2016, „Abundances“ 2016 und „600 kg – Tacones rojos“ 2017.
Marc Bibiloni, Creative Manager der Gerhardt Braun Gallery: “Rogelio ist ein Künstler, der zwischen verschiedenen Welten lebt. Er kreiert ikonische Charaktere, die den Blick einfangen, verwendet Tinten im Wasser, die der Phantasie erlauben, ins Unendliche zu fließen und Emotionen durch Bronze zu festigen. Er schafft es, seinem Universum Leben einzuhauchen. Ein Universum, das durch mythologische Charaktere alltägliche Geschichten erzählt und die durch Schmieden und Zeichnen zum Leben erweckt werden.“
Die aktuelle Ausstellung “Conversaciones con Rinocerontes” ist noch bis Ende Dezember 2019 zu sehen in der: Gerhardt Braun Gallery – Art Lab, C/. Sant Feliu17 in Palma Künstlerkontakt: www.rogelioolmedo.com
Nermin Goenenc, Roman Hillmann

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