Kunst “denkt” nicht, sie “ist”!

Reinhard Stammer

Vor Jahren lebte Reinhard Stammer schon einmal als Künstler auf der Insel. Er liebte das Leben mitten in Palma, hatte eine erfolgreiche Vernissage in der Fundación Matthias Kühn im Pueblo Español in Palma und wollte gar nicht mehr fort. Doch dann kam die Finanzkrise 2008 und die Galerien schlossen ihre Türen zu. Nun, nach 14 Jahren, hat er sich auf der Insel, inmitten von Sineu, fest installiert. Am 25. März eröffnet er seine eigene,  über mehrere Etagen verteilte Galerie.

Unterbewusstes
Einordnen lassen will er sich nicht, denn er malt das, was aus seinem Unterbewusstsein spontan an die Oberfläche kommt. Ein Gesicht findet sich in einem Klecks, und in einer geschwungenen Linie kann sich der Körper eines Tieres verstecken. Teils dunkel und düster, kraftvoll und eigenartig frisch wirken seine früheren Werke. Ob es der Überlebenskampf in einem Chaos, die verzweifelte Suche nach der Wahrheit, der Kampf mit dem eigenen Ego war, oder die harte Erfahrung fast zu sterben, vieles spiegelt sich in seinen Bildern. Wenn man ihm beim Malen zuschaut, bemerkt man, wie schwungvoll er vorgeht und wie intensiv er ist. Er sagt, dass er nur „im Jetzt malt“, intuitiv, ohne großes Sinnen über Skizzen, Techniken und Ordnung. Nach allem, was er erlebt hat, hat er es geschafft „auf der dünnen Linie, die das Helle vom Dunkeln unterscheidet, spazieren zu gehen, dabei um die Ecke zu schauen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren“, so Stammer. 

The Warrior 
Der Krieger, auf 140 x 40 cm, fällt kubistisch und abstrakt durch geometrische Zerlegungen innerhalb seines Körpers auf. Etwas versteckt kann man ihn am Eingang seiner Galerie finden.

Nude dancer in front of the wall 
Bei diesem Bild – Nackter Tänzer vor der Wand – lässt sich viel bei der Betrachtung des Bildes interpretieren. Es wirkt wie von Kinderhand gemalt. Kritzelnd, tanzend, rosa. Seine Figur steht an der Wand, vor der Wand, bereit über sie zu klettern, nackt … 70 x 100 cm auf Papier.

Epidemie
Die grüne Farbe überwiegt das Bild, er nennt das Grün Giftgrün. Das Rot im Bild ist das Blutrot. Es sind die Farbkontraste, mit denen er spielt, bei der Auseinandersetzung einer Epidemie, die eine ganze Bevölkerung einer tödlichen Gefahr aussetzt.

Catwoman und Dancing Bird
Beides sind Werke über 2 x 2 Meter groß und vor über 10 Jahren entstanden. In seinen facettenreichen Parallelwelten erzählen Symbole und Traumwesen seine Geschichten. In dem Bild Catwoman mag die Farbe Weiß, die bekanntlich für Reinheit steht,  überwiegen, dem zur Seite steht die bunte Natur der Katzenfrau, die sich in Leidenschaft, Verlockungen und Fruchtbarkeit begibt.

Wilde Vergangenheit
Schon als Kind war er Einzelgänger, malte viel, redete wenig und „guckte gerne in die Sterne“ (dazu weist Reinhard Stammer auf das Bild mit dem Titel „Someone is always connected to the stars“ 40 x 60 cm auf Papier). 1952 in Glücksburg geboren, machten die wilden 70er Jahre aus dem naiven, jungen Reinhard einen „schweren Rauschgift-Abhängigen und Kriminellen. Der Staat packte mich weg, dahin wo Geisteskranke, Hochkriminelle, und unheilbar Kranke  teilweise ihr ganzes Leben verbringen und ich ein Jahr nicht raus durfte“ in die Nerven-Heilanstalt nach Neustadt. Nach zwei Jahren war er ein freier Mann. Die Sucht fing ihn wieder ein, er war auf dem Weg des zweiten Absturzes, aber etwas geschah. „Als hätte der Blitz in mir eingeschlagen, sah ich mein Leben vor mir und ich brach zusammen, unter Tränen. Ab da habe ich nie mehr Drogen zu mir genommen.“ Mit 32 Jahren öffnete er seinen eigenen Verlag für Automobilposter, er hatte als einziger weltweit dafür die Lizenzen. Sterbenskrank musste er dann mit 53 Jahren seine Firma aufgeben. 

Exzessiv
Er begann exzessiv zu malen und das rettete ihm sein Leben. „Da gibt es jetzt über 2.000 Bilder“, erzählt er. In Indien befasste er sich mit buddhistischen Lehren und lernte zu meditieren. Seine Frau Maren Stammer, die ihre langjährig gut laufende Praxis der klassischen Homöopathie aufgab, um mit Reinhard auf die Insel zu ziehen, steht ihm mit Rat und Tat zur Seite. In der neuen Galerie wird sie im hinteren Teil eine neue Praxis eröffnen. Die beiden sind seit über 30 Jahren ein Paar.

Internationale Kunst
Seine Kunst kann auf dem internationalen Markt mithalten und wird von Kunstkritikern positiv erwähnt. Expositionen fanden statt in New York, Izmir, Shanghai, Peking, Indien, London, Sankt Petersburg, Rom, Dänemark, Spanien, Österreich und Deutschland. Ein verschobener Termin in der Georges Bergès Gallery in New York, die auch in Berlin und Mexiko vertreten ist, ist in Planung. Freuen Sie sich, seine Galerie zu besuchen und einen wirklich großen Künstler zu treffen.

Kontakt:
www.reinhard-stammer.de, 
info@reinhard-stammer.de, info@maren-stammer.de, 
Contemporary Art Gallery, Reinhard Stammer, C/. de Bous 97, Sineu, 
Besichtigung auf Anfrage
Tel.: +49 177 142 435 3, +34 633 472 567
Gallery-Eröffnung am 25. März 2022 um 19 Uhr

Redaktion: Nermin Goenenc und Roman Hillmann
Text: Nermin Goenenc
Fotos: Roman Hillmann, Archiv Reinhard Stammer

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