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Lebensumstände ändern sich. Und obwohl man vielleicht schon seit vielen Jahren auf Mallorca lebt, gibt es Fragen, mit denen man sich erst auseinandersetzt, wenn sich die private Situation geändert hat und man plötzlich betroffen ist. Vor allem grenzüberschreitende Leistungen wie Rente, Kindergeld und Hinterbliebenenrente sind oft kompliziert geregelt. Es lohnt sich häufig aber, etwas genauer hinzuschauen. Denn manchmal entscheiden schon Details, ob man einen Anspruch auf das Geld hat.

Rente
Wer im Laufe seines Berufslebens in mehreren EU-Ländern erwerbstätig war, hat eventuell Rentenansprüche in mehr als einem Land. Um rechtzeitig in Rente gehen zu können, sollten Residenten mindestens sechs Monate vor dem Ruhestand die entsprechenden Informationen einholen. Sind alle Unterlagen beschafft, geht es meist relativ schnell innerhalb von wenigen Wochen, weshalb der eigentliche Antrag frühestens drei Monate vor Rentenbeginn gestellt werden kann. Dafür stellt man einen Antrag bei der Rentenkasse in dem Land, in dem man lebt oder zuletzt gearbeitet haben. In diesem Fall ist das die spanische Rentenversicherung „Dirección Provincial del Instituto Nacional de la Seguridad Social“ (INSS). Sie wird den Antrag an die Deutsche Rentenversicherung weiterleiten. Vor allem, wenn man neben der deutschen Rente auch Anspruch auf die spanische hat, lohnt sich dieser Umweg. Wenn man in Spanien allerdings keine Versicherungszeiten aufweisen kann, hat man ausnahmsweise die Möglichkeit, die Rentenversicherungsträger in Deutschland zu kontaktieren.
Um eine deutsche Rente beziehen zu können, muss man mindestens 60 Monate (d.h. 5 Jahre) in die deutsche Rentenversicherung eingezahlt haben. In Spanien beträgt die Mindestarbeitszeit 15 Jahre, zwei davon müssen direkt vor Rentenbeginn liegen. Wer in beiden Ländern gearbeitet hat, bei dem zahlen beide Länder nach ihrem Recht eine eigenständige Rente aus. Auch Personen, die schon lange in Spanien leben und die Vorraussetzungen erfüllen, haben einen unbefristeten Anspruch auf die deutsche Rente. Dabei werden Kleinstrentenzahlungen vermieden, was bedeutet, dass Arbeitszeiten unter einem Jahr so angerechnet werden, als ob sie im Land des aktuellen Wohnsitzes geleistet wurden.
Der momentane Wohnort ist für die Berechnung der Rente nicht entscheidend. Er kann sich aber auf die Kranken- und Pflegeversicherung auswirken. Auch ein Umzug ins Ausland kann dazu führen, dass beispielsweise spanische Rentenzuschläge nicht mehr ausgezahlt werden. Im Einzelfall sollte man dies mit der Seguridad Social abklären. Ebenso sollte man vor einem Umzug mit der Krankenkasse sprechen, um zu überprüfen, welche medizinischen Leistungen weiterhin abgedeckt werden. Bei Doppelbesteuerungen durch die Kranken- und Pflegeversicherung und die Seguridad Social ist das Finanzamt Neubrandenburg zuständig.
Renten werden ohne Probleme länderübergreifend ausgezahlt. Man benötigt also nicht zwingend ein deutsches Konto, um die deutsche Rente beziehen zu können. Für Residenten, die in Spanien leben, ist es aber häufig wichtig, ein spanisches Konto zu besitzen, auf das die spanische Rente überwiesen wird. Zudem sollte daran gedacht werden, sich im ersten Quartal bei der INSS mit einer sogenannten Lebensbescheinigung zu melden, da man sonst Gefahr läuft, dass die Rente ab Mai nicht mehr ausgezahlt wird. Für die deutsche Rente wird jährlich am 1. Juli ein entsprechendes Formular versendet.

Kindergeld
Vor Kurzem haben einige auf Mallorca lebende Deutsche für Schlagzeilen gesorgt. Sie unterhielten einen Scheinwohnsitz in Deutschland, um das Kindergeld zu kassieren. Dabei machten sie sich zunutze, dass auch Einzelpersonen, die zeitweise in Deutschland leben, einen Anspruch auf deutsches Kindergeld haben. Diese Praktik ist allerdings illegal und kann hohe Geldstrafen und bis zu fünf Jahre Haft nach sich ziehen.
Für viele Mallorcaresidenten gilt jedoch: Eigentlich erfüllen sie ohnehin die Bedingungen für deutsches Kindergeld. Im Zweifelsfall lohnt es sich, die Ansprüche zu überprüfen, um nicht aus Unwissenheit auf das Geld zu verzichten. Wer in Deutschland als uneingeschränkt steuerpflichtig eingestuft wird, der hat grundsätzlich einen Anspruch. Das gilt vor allem für die Residenten, die ihren Hauptwohnsitz und nach der 183-Tage-Regel auch ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben. Unter diese Gruppe fallen beispielsweise auch Langzeittouristen, so lange sie nicht länger als die Hälfte des Jahres auf der Insel leben. Auch wer seinen Hauptwohnsitz auf Mallorca hat, aber die Rente aus Deutschland bezieht, hat gute Chancen auf deutsches Kindergeld. Daneben kann auch der Arbeitgeber von Bedeutung sein: Wessen Einkünfte im Kalenderjahr zu 90 Prozent der deutschen Einkommenssteuer unterliegen (beispielsweise bei Tätigkeit für ein deutsches Unternehmen) und wessen spanische Einkünfte den Freibetrag von 9.168 Euro jährlich nicht überschreiten, sollte seine Ansprüche prüfen. Das Kindergeld wird, anders als bei deutschen Arbeitnehmern, von der Familienkasse gezahlt (für Spanien ist die Familienkasse Bayern Nord der Bundesagentur für Arbeit. Kontakt: familienkasse-bayern-nord@arbeitsagentur.de).
Außerdem spielt es eine Rolle, in welchem Land das Kind zur Schule oder Universität geht. Besucht es eine Bildungseinrichtung in Deutschland, der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraumes, kann deutsches Kindergeld problemlos bezogen werden.  Damit ist es auch kein Problem, wenn das Kind eine spanische Schule besucht. Anders sieht es aus, wenn die Bildungseinrichtung außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes liegt. Dann wird geprüft, inwieweit das Kind noch eine enge Beziehung zum Wohnort der Eltern hat, indem es beispielsweise in den Semesterferien zu Besuch kommt.
Lohnt es sich auch, spanisches Kindergeld zu beantragen? In den meisten Fällen nicht. Das spanische Kindergeld ist nicht vergleichbar mit dem deutschen. Es wird nur an bedürftige Familien mit niedrigem Einkommen gezahlt und beträgt gut 24 Euro im Monat. Nur Kinder mit einem Behinderungsgrad über 33 Prozent bekommen einen höheren Betrag zugesprochen. Informationen zum spanischen Kindergeld gibt es beim Nationalen Institut für soziale Sicherheit (INSS) in Madrid.


Sterbegeld und Hinterbliebenenrente
Bei einem Todesfall haben Angehörige möglicherweise Anspruch auf Hinterbliebenenleistungen. Hinterbliebenenrente wird von derselben Behörde gewährt, die auch für die Rente des Verstorbenen zuständig war. Auch die Auszahlungsbeiträge werden dementsprechend bemessen. Ebenso wie bei der Rente wird ein Antrag auf Hinterbliebenenrente in dem Land gestellt, in dem der Verstorbene zuletzt gelebt und gearbeitet hat. Die Behörde prüft den Antrag und leitet ihn an das zuständige EU-Land weiter.
Unabhängig von der Todesursache kann Sterbegeld zur Deckelung der Bestattungskosten beantragt werden. Es gibt keine besonderen Anforderungen. Das Sterbegeld wird einmalig ausgezahlt und beträgt 46,50 Euro. Es kann nach dem Tod einer Person drei Monate rückwirkend beantragt werden.
Der Ehepartner des Verstorbenen kann eine Witwen- oder Witwerrente beantragen. Unter bestimmten Anforderungen kann die Witwenrente auch bei getrenntlebenden oder geschiedenen Ehepartnern ausgezahlt werden. Der Verstorbene muss fünf Jahre vor dem Tod und 15 Jahre insgesamt Beiträge gezahlt haben, wenn er bei der Sozialversicherung angemeldet war. Ansonsten müssen Beitragszeiten von 15 Jahren während des gesamten Berufslebens nachgewiesen werden. Eine Mindestbeitragszeit wird nicht verlangt, wenn die Person durch einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit starb oder sie bereits in Rente war.
Waisenrente können Kinder des Verstorbenen und in Ausnahmefällen auch Kinder des Partners beantragen, bis sie 21 Jahre alt sind. Wenn ihre Einkünfte unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen, kann diese Zeit bis zu einem Alter von 25 Jahren verlängert werden. Auch Eltern, Großeltern, Nichten, Neffen und Geschwister können eine Hinterbliebenenrente beantragen, wenn sie nachweisen, dass sie in den letzten zwei Jahren von dem Verstorbenen wirtschaftlich abhängig waren. Zudem müssen sie mit ihm in einem Haushalt gelebt haben. Seit dem 1. Januar 2008 ist keine Mindestbeitragszeit mehr erforderlich, wenn der Verstorbene bei der Sozialversicherung angemeldet war.

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